Willkommensgemeinde werden
Aus der Gottesdienst-Werkstatt der Theologischen Hochschule Ewersbach
Wird „willkommen“ groß oder klein geschrieben? Immer wieder passiert es, dass man sich hierbei vertut. Aber eigentlich ist das in der deutschen Sprache ziemlich einfach. Klein geschrieben wird das Wort als Adjektiv. Es muss also „Herzlich willkommen“ heißen. Groß wird es dagegen als Substantiv. „Ein herzliches Willkommen“ – so ist es richtig.
Noch einfacher ist es in der Gemeinde. Denn hier sollte das „Willkommen“ immer ganz großgeschrieben werden. Doch auch das ist nicht immer einfach. Denn es ist eines, von der „Willkommensgemeinde“ zu sprechen und ein anderes, eine lebendige Willkommenskultur tatsächlich zu praktizieren.
Willkommen heißen, aber nicht alles gutheißen
Die Begriffe „Willkommensgemeinde“ und „Willkommenskultur“ sind heute nicht mehr frei von Vorurteilen. Manchmal werden hierunter politische oder gesellschaftliche Programme vermutet, die nicht immer und überall geteilt werden. Darum ist es wichtig zu verstehen, worum es hierbei geht. Der Begriff der „Willkommensgemeinde“ stammt wohl aus der Gemeindepraxisliteratur in den USA der 1990er-Jahre. Man schrieb und sprach von der „welcoming church“ oder der „welcoming congregation“, also der „Willkommensgemeinde“. Eine solche Gemeinde sollte bemüht sein, dass sich Gäste beim Besuch erstmal wohl fühlen. Man betonte, alle Menschen zu begrüßen, egal welcher Religion, welchem Geschlecht, welcher politischer Kultur oder welchem Milieu sie angehörten.
Das gilt sicher auch für unsere Gegenwart. Im Bewusstsein, dass dieses Ideal in der Praxis bestimmt nicht immer so leicht umzusetzen ist, wird heute dennoch niemand diesen Ansatz kritisieren. Wenn unser Herr etwa im „Heilandsruf“ sagt: „Kommt her zu mir alle“ (Matthäus 11,28), dann ist das auch ein Weg für die Gemeinde. Diese ursprüngliche „Willkommenskultur“ wurde nun aber nicht so verstanden, dass es darauf ankomme, auch alles gutzuheißen, was die Gäste mitbrachten. Man wusste: Das wäre eine völlige Umdeutung der biblischen Botschaft.
Konkret: Willkommen heißen bedeutet nicht, alles gut zu heißen. Gottesdienste sind vielmehr dazu da, den Menschen auf die große Lebensreise mit Gott hinzuweisen. Es ist eine Reise, die uns alle verändert.
Kultur, nicht nur Idee
Manche Gemeinden verfassen mit viel Verve ihre Werte und Visionen. Dabei kommt auch der Wunsch nach einer „Willkommensgemeinde“ oft zum Ausdruck. Nun ist es aber auch wichtig, dass diese Leitidee praktische Ausgestaltungen findet.
Ich erinnere mich, wie wir in einer Gemeinde früher einmal einen großen Schriftzug mit der Aussage „Schön, dass du da bist“ an die Wand anbringen ließen. So etwas klingt natürlich gut, aber es kann nur der Anfang eines Prozesses sein. Die entscheidende Frage ist: Wo spüren unsere Gäste diese Atmosphäre des Willkommenseins?
Gäste, nicht nur Besucher
Besucher und Besucherinnen besuchen öffentliche Einrichtungen: Museen, Parks oder Fußballstadien. Gäste kommen nach Hause – oder in den Gottesdienst. Ein entscheidender Unterschied ist hierbei sicher die Begrüßung. Als Besucher zahlt man meist Eintrittsgelder. Willkommen geheißen wird man aber zumeist über Lautsprecher oder Plakatwände. Beim Gast zählt die persönliche Ansprache. So wie wir zu Hause unsere Ankömmlinge beim Abendessen freudig begrüßen, so sollten wir es auch im Gottesdienst tun. In der nordamerikanischen Gemeindeliteratur gibt es die Faustregel, dass alle Gäste dreimal begrüßt werden sollen, bevor sie Platz nehmen. Etliche Möglichkeiten gibt es auch bei uns, etwa im Eingangsbereich, vor der Tür zum Gemeindesaal und dann vom Sitznachbar.
Foyer, nicht nur Flur
Eine der großen Veränderungen, die unsere Gemeindehäuser in den letzten Jahrzehnten erfahren haben, ist die Erweiterung des Foyers. Früher kannten viele Gemeinden lediglich größere Flure mit der Möglichkeit, Kleidungsstücke abzulegen. Heute haben sich diese Räumlichkeiten zu Recht geweitet. Doch Raum will auch heute gestaltet sein.
Jedes Foyer sollte daher über einen „Willkommenspunkt“ verfügen. Hier stehen die freundlichsten Menschen der Gemeinde. Sie beantworten Fragen, geben Informationen weiter, nehmen Anmeldungen entgegen und helfen Gästen, sich zurechtzufinden. Auch während des Gottesdienstes kann auf diesen Willkommenspunkt hingewiesen werden. Neben diesem Ort sollte jedes Foyer auch einen kleinen Medienshop besitzen. Dabei geht es heute nicht mehr darum, die fehlende christliche Buchhandlung am Ort zu ersetzen. Gefragt sind eher aktuelle Bücher, Geschenkartikel und Ansprechmöglichkeiten für Gäste. Denn manche, die als Gäste unsere Gemeinde das erste Mal besuchen und niemanden kennen, sind dankbar für ein solches Angebot des Verweilens.
Geschenke, nicht nur Worte
Was gibt es Schöneres als einem Gast nach dem Gottesdienst ein Geschenk zu überreichen? Das kann etwa eine hübsche Tüte im Design der Gemeinde sein. Darin enthalten sind beispielsweise Konfekt, der aktuelle Gemeindebrief, die Zeitschrift lebenslust des SCM Bundes-Verlags, ein evangelistisches Traktat und ein USB-Stick mit drei guten Predigten des Pastors oder der Pastorin. Solche kleinen Überraschungen machen oft den Unterschied und hinterlassen tiefe Eindrücke. Während der Informationen kann im Gottesdienst auf solche Geschenke hingewiesen werden, die dann beim „Willkommenspunkt“ zu empfangen sind.
Gastfreundschaft, nicht nur Gottesdienst
Neben all diesen Anregungen gibt es noch einen Königsweg des Willkommenheißens – nämlich die individuelle Gastfreundschaft. Nach meinem Dafürhalten war das früher in unseren Gemeinden üblicher als heute. Es verlief meist so: Man lernte nach dem Gottesdienst einen Gast kennen und lud dann kurzerhand ihn oder sie zum Mittagessen nach Hause ein. Das geschah zumeist ganz unverbindlich und ohne vermehrten Aufwand.
Motivation war die neutestamentliche Praktik: „Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ (Hebräer 13,2) Das neutestamtliche Wort für Gastfreundschaft ist philoxenia, was ursprünglich die „Liebe zum Fremden“ bedeutete. Dabei ist klar: Gastfreundschaft ist kein Programm, sondern eine Herzenshaltung. Ich bin sicher, wenn Gäste in unseren Gemeinden diese Liebe und eine solche Willkommenskultur kennenlernen, dann werden unsere Gemeinden blühen.

Dr. Arndt E. Schnepper | Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach | th-ewersbach.de
Dieser Artikel erschien zuerst in der FeG-Zeitschrift Christsein Heute.
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