September 6. 2026 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE GGV | GsF Newsletter Presse VEF Zwischenkirchlich

VEF | Christliche Verantwortung für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt

„Als Christinnen und Christen sind wir davon überzeugt, dass jeder Mensch als Geschöpf Gottes eine unveräußerliche Würde besitzt – unabhängig von seiner Herkunft, Religion, politischen Überzeugung oder seinem sozialen Status.“

Der Vorstand der VEF

Christliche Verantwortung für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Stellungnahme des Vorstands der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) anlässlich der Landtagswahlen im Herbst 2026

Anlässlich der Landtagswahlen im Herbst 2026 erinnert der Vorstand der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) an die Verantwortung, die sich aus unserem christlichen Glauben für das gesellschaftliche Zusammenleben ergibt.

Mit Sorge beobachten wir eine zunehmende Verrohung der Sprache in Gesellschaft und Politik, pauschale Abwertungen von Migrantinnen und Migranten sowie Versuche, historische Tatsachen zu relativieren oder zu verharmlosen. Mit Besorgnis nehmen wir wahr, dass aus Teilen des politischen Spektrums Positionen vertreten und Äußerungen getätigt werden, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion abwerten und demokratische sowie rechtsstaatliche Grundprinzipien infrage stellen.

Als Christinnen und Christen sind wir davon überzeugt, dass jeder Mensch als Geschöpf Gottes eine unveräußerliche Würde besitzt – unabhängig von seiner Herkunft, Religion, politischen Überzeugung oder seinem sozialen Status. Deshalb setzen wir uns für die unantastbare Würde jedes Menschen sowie für Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Wir treten für eine Gesellschaft ein, in der Menschen in ihrer Verschiedenheit friedlich zusammenleben können. Die Vielfalt unserer Gesellschaft sehen wir nicht als Bedrohung, sondern als Realität.

Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und das unsagbare Leid seiner Opfer darf niemals verdrängt oder relativiert werden. Die Erinnerung an diese Geschichte ist eine bleibende Verantwortung für unser Land. Sie verpflichtet uns, wachsam gegenüber jeder Form von Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und politischem Extremismus zu sein und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.

Unsere Gesellschaft ist von Zuwanderung geprägt. Das erleben wir in unseren Kirchen und Gemeinden seit Jahrzehnten als Bereicherung, wie wir bereits in unserer Stellungnahme „Gottes Liebe gilt jedem Menschen“ (2024) deutlich gemacht haben. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen gehören selbstverständlich zu unserer Gesellschaft und unseren Nachbarschaften. Deshalb widersprechen wir politischen und gesellschaftlichen Narrativen, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Zugehörigkeit pauschal für gesellschaftliche Probleme verantwortlich machen.

Auch die Sprache, die wir in politischen Auseinandersetzungen verwenden, trägt Verantwortung. Wir nehmen wahr, dass Worte immer häufiger dazu benutzt werden, Menschen herabzusetzen, auszugrenzen oder ihnen die Zugehörigkeit zur Gesellschaft abzusprechen. Unser christlicher Glaube verpflichtet uns zu einem anderen Umgang miteinander. Wir wollen eine von Respekt und Nächstenliebe geprägte Sprache. Wo Kritik notwendig und berechtigt ist, soll sie klar und entschieden sein, jedoch ohne Abwertung, Verächtlichmachung oder Entmenschlichung anderer.

Uns ist wichtig, dass wir in unserer Gesellschaft im Gespräch bleiben. Wir nehmen die Ängste und Sorgen, die Menschen angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen empfinden, ernst. Sie verdienen Gehör und politische Antworten. Kritik an staatlichem Handeln muss möglich sein. Eine demokratische Gesellschaft muss auch über Migration und Integration offen und kontrovers diskutieren können.

Eine Grenze ist jedoch erreicht, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Zugehörigkeit abgewertet oder entmenschlicht werden, wenn die gleiche Würde und die gleichen Rechte aller Menschen infrage gestellt werden oder wenn demokratische und rechtsstaatliche Grundprinzipien angegriffen werden. Gegen populistische Parteien und ihre Positionen, die spalten wollen, grenzen wir uns klar ab. Gegenüber allen Wählerinnen und Wählern muss die Tür für Gespräche offen bleiben.

Unsere Hoffnung gründet in Jesus Christus, dem Auferstandenen. Seine Liebe befähigt uns zur Nächstenliebe, ruft uns zu gerechtem Handeln auf und ermutigt uns, Verantwortung für unsere Mitmenschen und unsere Gesellschaft zu übernehmen. Diese Hoffnung wollen wir besonders dort zum Ausdruck bringen, wo Debatten von Angst geprägt sind.

„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Die Bibel, Johannes 16,33)

Der Vorstand der VEF am 04. September 2026

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Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher