Juli 16. 2026 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE FeG Katastrophenhilfe FeG-Forum Newsletter Presse Ukrainehilfe

Wir können nicht anders | FeG Katastrophenhilfe im FeG-Forum

Wir können nicht anders

Ende April besuchte eine ukrainische Delegation ihre Partner aus dem Bund FeG in Deutschland. Jost Stahlschmidt, Leiter der FeG Katastrophenhilfe, war mit dabei und berichtet von seinen Eindrücken und Begegnungen mit den wagemutigen Geschwistern in der Kriegssituation.

Es sind diese Begegnungen, die für mich mit Blick auf die Lage in der Ukraine den Unterschied machen. Die Berichte der Auslandskorrespondenten, gar der Kriegsberichterstatter, gehen mir schon unter die Haut. Aber Ukrainerinnen und Ukrainern gegenüber zu sitzen, ihnen in die Augen zu schauen, wenn sie erzählen, das geht viel tiefer. Diese Gelegenheit habe ich in der Diakonie Bethanien in Solingen beim Besuch einer neunköpfigen ukrainischen Delegation der Wohltätigkeitsstiftung für Entwicklung und Barmherzigkeit „Nove Zhyttia“ aus Ushgorod.

Einsatz in den Frontgebieten

„Ushgorod liegt im Westen der Ukraine in Transkarpatien und ist relativ sicher“, erzählt Stefan Bohdan, Pastor der Evangeliumschristen Baptistengemeinde. Im Hauptberuf ist er Zahnarzt. Was ist schon sicher? Nichts! Kürzlich wurde 20 km vor Ushgorod die Infrastruktur der Energieversorgung von einer russischen Drohne getroffen.

„Wie könnt ihr den Menschen dienen?“, will ich wissen. Sie haben viele Flüchtlinge aufgenommen. Eine Millionen Ukrainer sind nach Transkarpatien geflüchtet. Die Gemeinde kümmert sich um sie. Auch Kinder aus Kriegsgebieten werden von Pflegefamilien aufgenommen. Durch den Dienst der Gemeinde sind viele Flüchtlinge zum Glauben an Jesus Christus gekommen und in der Region Ushgorod sind vier neue Gemeinden entstanden.

Aber damit nicht genug. Vitali Bohdan ist verantwortlich für den sozialen Dienst in der Gemeinde in Uhlja. Angetan mit Schutzwesten fahren sie Hilfsgütertransporte in die Frontgebiete. Leider haben sie nur drei Schutzhelme. Seit Ende 2014 organisieren sie jeden Monat solche Fahrten. Angefangen haben sie in Bachmut in der Region Donezk. Sie halfen, wo auch immer Menschen damals Hilfe brauchten. Zusammen mit den Pastoren in Donezk ist es ihnen 2015 bis 2022 gelungen, acht neue Gemeinden zu gründen. Alte Gebäude wurden saniert, dass sich die Christen versammeln konnten.

Helfen, ohne zu zögern

Es war Mittwochnacht, als am 24. Februar 2022 der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine begann. Schon Samstag war Vitali mit dem Sprinter mit Hilfsgütern unterwegs. Unterwegs haben sie Flüchtlinge aufgenommen und im Krankenhaus von Uhlja untergebracht. Koordinationsstelle für Flüchtlinge war die christliche Gemeinde in Uhlja.

Wie schaffen sie das alles? „Körperlich sind wir etwas erschöpft. Aber für uns wäre es sehr schwer, zu sehen, dass dort im Osten Hilfe nötig ist, und wir keine Möglichkeit hätten, zu helfen.“ Von Ushgorod bis in die Nähe der Front sind es über 1.200 km. „Wenn wir da sind und den Menschen Gottes Wort und Liebe zeigen können, sind wir sehr glücklich. Wenn wir uns zuhause einen Moment erholt haben, haben wir immer wieder den Wunsch, dorthin zu fahren“, erzählt Vitali. „Wir sind von Gottes Versprechen überzeugt. Jesus hat uns zugesagt, dass er jeden Tag bei uns ist, ungeachtet der Zustände. Das erleben wir durch viele Beispiele bestätigt. So hatten wir einen Transport geplant, aber die Kosten waren zu hoch. Kurz vor der Reise haben wir das nötige Geld erhalten. Und wir haben viel Schutz erlebt. Wir sind mit dem Bus vor die Front gekommen, sind ausgestiegen und weggegangen. Als wir zurückkommen, sehen wir, dass der Bus beschossen wurde. Wir haben keine andere Option, außer unsere Männer in Gottes Hand zu legen.“

Vitalis Frau erzählt: „Ich habe Angst. Aber ich habe verstanden, dass ich meinen Mann nicht stoppen kann, in den Osten zu fahren. Dann bin ich mitgefahren und war sehr froh darüber. Als ich die Menschen in den Kriegsgebieten gesehen habe, war mir klar, dass es nicht meine letzte Reise dorthin war. Ich kann für die Menschen dort kochen, auch für die Soldaten.“

Frieden schaffen ohne Waffen?

Am Schluss drängt es eine junge Frau, unbedingt noch etwas zu sagen: „Ich habe gehört, dass in Deutschland einige meinen, wenn wir keine militärische Hilfe mehr bekämen, wäre der Krieg zu Ende. Wir haben erlebt, dass sich Soldaten schützend vor Menschen gestellt haben, die helfen wollten. Sie wurden erschossen. Wenn wir keine militärische Hilfe mehr bekommen, dann wird es ein furchtbares Morden. Wir haben es erlebt.“ Ein schwieriges Thema, denke ich.

Der Arbeitskreis Ukrainehilfe, ein Netzwerk ausgehend von der FeG Kassel-Wilhelmshöhe, der Diakonie Bethanien und der FeG Solingen-Merscheid steht seit Langem in enger Beziehung mit dieser Stiftung der Evangeliumschristen Baptistengemeinden in der Ukraine. Die FeG Katastrophenhilfe unterstützt ihre umfangreichen Hilfsaktionen in der Ukraine. So viel bleibt sicher.

JOST STAHLSCHMIDT | Pastor und Leiter der FeG Katastrophenhilfe | katastrophenhilfe.feg.de

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