August 21. 2026 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE FeG-Präses Gemeindeleben Gemeinden Presse

FeG-Präses | Dem Wort Gottes vertrauen | Teil 2

Dem Wort Gottes vertrauen

Wie die Bibel uns herausfordert und umarmt

Mit seinem Buch „Was die Welt am meisten braucht“ setzt Henrik Otto einen inspirierenden Vertrauensdreiklang: Glauben als Vertrauen zu Gott, Vertrauen in die Heilige Schrift und die Gemeinde Jesu als Raum, in dem Glaube entstehen und wachsen kann. In der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE bringen wir einen dreiteiligen Abdruck als vertrauensvollen Vorgeschmack auf das Buch des FeG-Präses. | Teil 2

Die Bibel, das Wort Gottes, begleitet mich schon lange. Die erste Ausgabe bekam ich von meinen Eltern geschenkt, zu Weihnachten. Es war die „Gute Nachricht Übersetzung“, die ich auch als Kind und Teenager schon recht gut verstehen konnte. Ihr verdanke ich einen ersten guten Überblick über das, was sich zwischen den biblischen Buchdeckeln befindet. Und die simple Erfahrung, dass Nähe zu Gott und Nähe zu seinem Wort ganz viel miteinander zu tun haben. Die Bibel aufzuschlagen, ist seither wie Heimkommen. […] Gleichzeitig ist es eine andere Welt, in die ich eintauche. Es ist die Welt der Antike, von fremden Sitten und Gebräuchen, die ich bis heute nicht immer auf Anhieb verstehe. […] Man wird ohnehin nie fertig damit, das zu erkunden, was man liebt. Und es ist nie zu spät, neu damit anzufangen.

In diesem „Gewand“ also, in dieser Schrift, stellt Gott sich uns vor. Nicht mit einer Sammlung kluger Ideen und Weisheiten (das auch!), sondern vielmehr mit Geschichten mitten aus dem Leben echter Menschen. […] Was für ein Entgegenkommen! Und dann, quasi als Vollendung all dieser Bemühungen, wird er selbst Mensch. Jesus Christus kommt. Wir wüssten nichts von ihm ohne die Bibel. Wir wüssten nicht, dass er als wahrer Gott und wahrer Mensch über diese Erde gegangen ist. Wir wüssten nicht, dass der Gott des Himmels wie ein guter Vater für uns sein möchte, wüssten nicht, dass Jesus sein Leben gegeben hat und auferstanden ist, damit die Verbindung zu Gott wahr werden kann.

Interessant, dass Jesus Christus in einem noch viel umfassenderen Sinn das Wort Gottes genannt wird. Das kann verwirrend sein: Die Bibel ist Gottes Wort, Jesus als Person aber auch. Und die Predigt, durch die Menschen zum Glauben kommen, kann ebenso „Wort Gottes“ genannt werden. Paulus schreibt das in seinem Brief an die Thessalonicher (1. Thessalonicher 2,13). […] Es reicht fürs Erste schon, zu wissen, dass die Bezeichnung „Wort Gottes“ in der Bibel Unterschiedliches meinen kann:

  • das Reden Gottes zu einem einzelnen Menschen (z. B. einem Propheten),
  • die schriftliche Aufzeichnung darüber (z. B. in einem Prophetenbuch) – Gottes Wort in schriftlicher Gestalt eben,
  • die Predigt über das Reden Gottes und deren Aufzeichnungen
  • und – im umfassendsten Sinn – der Sohn Gottes selbst. Er ist das Wort, durch das schon am Anfang alles geschaffen wurde. Hier haben wir Gott pur, so wie er ist. Während die anderen Erscheinungsformen – Prophetenwort, Schriften, Predigten – immer noch durch irdische, menschliche Prozesse hindurchgehen, ist Jesus Gott pur, Gott selbst.

[Konzentrieren] wir uns auf eine Bedeutung von „Gottes Wort“, nämlich auf das schriftliche Wort Gottes, die Bibel. […] Und damit auf die Frage, was es denn bedeutet, die Bibel in einer vertrauensfördernden Haltung zu lesen. Denn darum soll es ja gehen: um die Bedeutung des Wortes Gottes für unser Vertrauen.

Wir können die Bibel auf sehr unterschiedliche Weise lesen: neugierig bestenfalls oder zumindest interessiert, erwartungsvoll vielleicht, weil andere sie empfohlen haben, oder pflichtbewusst, weil es sich so gehört. Manche lesen die Bibel wissensdurstig, weil sie bedeutende Geschichten enthält, oder aus einer Art beruflichem Interesse, weil sie einen Vortrag oder eine Predigt halten sollen. Man kann die Bibel kritisch lesen oder historisch als ein Beispiel antiker Literatur, man kann sie distanziert betrachten oder auf die Losungen reduzieren. Alles möglich.

Die Frage lautet nun: Was bedeutet es, die Bibel vertrauensfördernd, also glaubensstärkend zu lesen? Wie geht das? Nicht unbedingt technisch, sondern von der inneren Haltung her? Wie kann sie am besten ihre Wirkung entfalten?

Gott das Vertrauen hinhalten

Wenn das Lesen der Bibel dem Glauben dienen soll, dann gehört der Glaube beim Lesen auf den Tisch. Ganz gleich, ob er groß oder klein, sicher oder voller Fragen, erfahren oder ein Frischling ist. Ich halte Gott das hin, was berührt und gestärkt werden soll.

Was heißt das im Klartext? Am Beispiel von Abraham können wir sehen: Glauben heißt, vertrauen. Manchmal führt das zu verrückten Dingen, wie seine Heimat zu verlassen und in ein Land zu ziehen, das Gott erst noch zeigen wird. Oder dazu, mit 90 Jahren noch ein Kind zu bekommen (was wirklich nicht so häufig vorkommt)! […] Der Glaube ist ein lebenslanger Weg des Vertrauens zu Gott. […]
Neugier ist gut, Kritik ist erlaubt. Aber glaubensstärkend ist das Vertrauen. Doch wie füttert man dieses scheue Reh? Wie füttert man Vertrauen?

Vertrauen herausfordern lassen

Man kann zulassen, dass das Vertrauen herausgefordert wird, dann geschieht Wachstum. Wahrscheinlich gibt es dafür viele Vorbilder, aber eines kommt mir oft in den Sinn, wenn ich an „Anfangsvertrauen“ denke, an diesen Moment, in dem man ein Risiko eingeht. Es spielt am Wasser, genauer gesagt: am See Genezareth (Lukas 5,1–11).

Bei Simon, den Jesus später Petrus nennt, wundert es kaum, dass er wesentliche Erfahrungen auf dem Wasser macht. Er ist Fischer von Beruf, der See ist sein zweites Zuhause. Ich finde es schön, zu sehen, wie Jesus diese Fähigkeiten und Erfahrungen von Simon wertschätzt und nutzt. Er schickt ihn nicht erst in die Synagogenschule für ein paar Abendkurse Theologie, sondern er sagt ihm: „Klasse, so einen wie dich kann ich gebrauchen! Wie wär’s, wenn du mir dein Boot zur Verfügung stellst und ein bisschen vom Ufer abstößt?“ Jesus knüpft also an das an, was Simon mitbringt: eine seetaugliche Ausbildung, Erfahrung, eine gute Ausrüstung. Das alles wird eingesetzt. Und so beginnt für Simon an diesem Tag ein ganz neues Leben. Auch wenn er noch nicht genau sagen kann, worauf er sich da einlässt. Aber er hat Vertrauen zu Jesus gefasst, deshalb ist er dabei.

Das zeigt sich schon daran, dass er sich als Fischer überreden lässt, gegen alle Regeln noch einmal auf den See hinauszufahren und die Netze auszuwerfen. Am helllichten Tag ist eigentlich kein großer Fang zu erwarten. Aber er macht es. Auf das Wort eines Bauhandwerkers hin! Denn genau das sind die Männer in der Familie von Jesus. […]

Wieso also fährt Simon an diesem Tag noch einmal auf den See? Die Antwort steht im Bibeltext: „Weil du es sagst“, sagt er zu Jesus (Lukas 5,5 | GNB). Weil du es sagst. Das ist es, was mich fasziniert, dieses Zeichen des Vertrauens. Und Simon macht eine großartige Erfahrung dort draußen auf dem See: Die Netze werden voll. Ohne Vertrauen hätte er das nicht erlebt. Ohne Vertrauen keine Bereitschaft zum Risiko. Ohne Vertrauen keine Entdeckerlust. Ohne Vertrauen gewinnt die Angst. Oder die Bequemlichkeit. […] Weil du es sagst. Auf dein Wort hin. Das ist es, was die Erfahrung auch beim Bibellesen um 180 Grad drehen kann. Diese Haltung: Ich werde glauben, was ich hier lese, weil du es sagst. Es klingt verrückt, aber – hey, wenn du es sagst, dann vertraue ich darauf! […]

Ich lese die Schrift in dem Bewusstsein, dass derjenige, der das sagt, vertrauenswürdig ist. Und dass das, was ich darin entdecke, zu unterschiedlichen Zeiten meines Lebens Wirklichkeit werden wird: Jetzt. Später. Oder in der Ewigkeit. Auf dein Wort hin, Jesus, werfe ich das Netz des Vertrauens aus! Denn: Was Gott einmal getan hat, kann er ohne Zweifel wieder tun.

Einladung zum Vertrauen durch die äußeren Merkmale der Bibel

Man kann leicht übersehen, was die Bibel ist. Dass sie das Wort Gottes ist. Sie trägt kein Schild um den Hals. Sie spricht meistens bescheiden von sich selbst, und viele haben sie schon für reines Menschenwort gehalten und sind nicht in eine Haltung des Vertrauens gekommen. Dabei ist die Bibel auch rein äußerlich beeindruckend:

  • Sie gehört zur wichtigsten Literatur der Menschheitsgeschichte.
  • Sie vereint Schriften aus mehr als tausend Jahren, die noch dazu einen roten Faden enthalten.
  • Sie wurde über drei Jahrtausende in einer Akribie überliefert, dass es zum Staunen ist. 99,9 % der antiken Literatur ist verloren gegangen – schlicht und ergreifend deshalb, weil sie irgendwann niemand mehr abgeschrieben hat. […] Dass wir die Bibel haben, wie sie ist, ist ein Wunder für sich […]. Nicht gleich ein Gottesbeweis, aber wer Augen hat zu sehen …
  • Gleiches gilt für die Schriften, die wir heute als Neues Testament kennen. In ihrer Auswahl, und die hat Jahrhunderte gedauert, achtete man auf eine große Ursprungsnähe. Waren hier Apostel beteiligt oder wenigstens Apostelschüler? Das war wichtig! Die Schriften mussten sich außerdem in den Gemeinden bewährt haben, anerkannt sein, nicht spalterisch wirken. Und zuletzt: Nur Schriften mit einem klaren Christuszeugnis, mit dem Evangelium in der Mitte, wurden ausgewählt. […]

Was sich hier andeutet, ist eine wichtige Erkenntnis: Gottes Geist ist konstant beteiligt. Er ist beteiligt an der Erkenntnis der Schreiber, am Werden der Schrift, an ihrer Überlieferung und schließlich auch an ihrer Auslegung und Anwendung in Predigt und persönlichem Bibelstudium. Gottes Geist ist die Konstante. Und das hat Spuren hinterlassen, die mich staunen lassen. Das hat unsere abendländische Kultur geprägt. Und viele Millionen Menschen, die ihre Geschichte erzählen konnten oder die wir einmal in der Ewigkeit treffen werden.

Wenn das Lesen der Bibel dem Glauben dienen soll, dann gehört der Glaube beim Lesen auf den Tisch. Ganz gleich, ob er groß oder klein, sicher oder voller Fragen, erfahren oder ein Frischling ist.

Henrik Otto | FeG-Präses

Einladung zum Vertrauen durch die unsichtbaren Merkmale der Bibel

Die Bibel ist ein beeindruckendes Buch. Dennoch: Mein Plädoyer heute lautet: So beeindruckend das alles ist, binde dein Vertrauen vor allem an die unsichtbaren Merkmale der Bibel! Wichtiger und entscheidender als einzelne Fakten zur Bibel, ihre Überlieferung oder einzelne Wirkungen ist ihr Sinn. Die Bibel verfolgt keinen Selbstzweck, das Ziel der Bibel ist nicht Bibellesen. Sondern: Das geschriebene Wort berichtet vom menschgewordenen Wort. Es ist sein Zeuge. Jesus ist Mitte und Ziel der Schrift. Das hat einige Konsequenzen, aber ich nenne hier nur zwei.

Die erste ist offensichtlich: Die Bibel selbst ist nicht Gott. Jesus ist Gott. Das würde wohl auch niemand bestreiten. Keiner betet die Bibel an. Ich sage es trotzdem: Es gibt ein Gefälle zwischen Gott und der Schrift, die von ihm berichtet. Weil sie etwas Geschaffenes, etwas Irdisches, Diesseitiges ist. […] Es gibt also einen Wesensunterschied zwischen Gott und dem geschriebenen Wort Gottes: Gott ist der Schöpfer, die alles bestimmende Wirklichkeit, der Erste und der Letzte, jenseits der Grenzen von Raum und Zeit, Heiligkeit und Liebe, vollkommen in jedem nur erdenklichen Sinn. Nichts Geschaffenes konnte ihm darin jemals gleich sein. Nicht einmal die Heilige Schrift. Sie muss es auch nicht. Sie muss uns nur hinführen zu dem, der so ist, zu Gott allein.

Die zweite Konsequenz ist vielleicht nicht ganz so offensichtlich: Unter allem Geschaffenen haben die biblischen Schriften die höchste Autorität. Der Grund: Gott hat sie autorisiert, all die Dinge über ihn auszusagen und zu bezeugen, die ich eben genannt habe. Sie erzählen seine Geschichte mit dieser Welt, die in Jesus Christus gipfelt. Sie offenbaren sein Wesen in menschlichen Worten. Wir wüssten all das ja gar nicht ohne die Schrift. Deshalb muss sich der ganze Glaube und das ganze Leben an ihr messen. Der biblische Begriff für diese Autorisierung lautet „Inspiration“. Die biblischen Schriften sind von Gott inspiriert (2. Timotheus 3,16), von seinem Geist eingegeben worden. Eigentlich müsste man übersetzen „eingehaucht“. […] So wird die Bibel selbst zur Offenbarung, indem sie unter der Leitung des Heiligen Geistes Gottes Handeln bezeugt.

Ihr Inhalt und ihre Inspiriertheit machen sie einzigartig. Sie machen sie nicht göttlich, aber heilig. Durch sie spricht Gott. Er hat diese Schriften erwählt, um uns zu ihm zu führen. Und weil das so ist, ist es für ihre Bedeutung, für ihren Sinn völlig gleichgültig, ob in den ersten drei Evangelien alle Details übereinstimmen, ob alle Zitate richtig zugeordnet sind, ob alle Naturbeobachtungen im Alten Testament unserer heutigen Erkenntnis entsprechen, ob der Hase ein Wiederkäuer ist oder nicht – und wer bitte schön denn nun wirklich diesen Hebräerbrief geschrieben hat! Diese Debatten führen sehr leicht vom Eigentlichen weg. Die Schrift ist gut, so wie sie ist. Sie ist von Gott erwählt, ihn zu bezeugen – was sollte uns mehr motivieren, sie zu lesen und zu lieben?!

Deshalb: Binde dein Vertrauen vor allem an die unsichtbaren Merkmale der Bibel. An die Tatsache, dass sie eingehaucht, inspiriert ist von Gottes Heiligem Geist.

Die Suche nach der anderen Perspektive

Wenn also die Bibel Gotteswort in menschlichen Worten ist, wenn sie seine Geschichte enthält und seinen Geist atmet, dann sollten wir besser damit rechnen, dass sie auch seine Perspektive enthält. Dass unser Leben in seinen Augen anders aussieht! […] Suche beim Bibellesen die andere Perspektive. Sei aufmerksam für das, was du so noch nie gesehen hast, worauf du selbst nicht gekommen wärst.

[Ich] empfehle die Bergpredigt. Sie stellt alles auf den Kopf! Rechne damit, dass Gottes Geist durch die Bibel etwas in deinem Leben verändert (2. Timotheus 3,17). Dass eine andere Perspektive Einzug hält. Was wir dort lesen, ist ein Gegenentwurf zu vielem, was die Welt sonst anbietet oder für normal hält. […]

Ich merke immer wieder: Es wird nicht alles gut auf Erden. Aber es macht einen Unterschied, ob Gott mit seiner Perspektive um uns herum ist oder nicht. Deshalb lass uns nach der anderen Perspektive suchen. Es könnte sein, dass das Gottes Stimme für uns ist. Auf diese Weise wird sich ein tiefes Vertrauen einstellen zu dem Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat und das Gleiche mit jedem tun wird, der ihm folgt.
Ich selbst habe wundersame und wunderbare Momente mit der Bibel erlebt. Auch übernatürliches Reden Gottes. Aber das ist nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist, dass Jesus Christus, von dem die Bibel erzählt, heute lebendig ist. Er ist der, um den sich letztlich alles dreht. Dass Rettung, Erlösung und Erneuerung heute Wirklichkeit werden, weil ein lebendiger Gott hinter diesen Schriften und ihren Zusagen steht, darum geht es. […]

Eine Hermeneutik des Vertrauens

[Ich] werbe darum, die Bibel vertrauensvoll zu lesen,
um eine Hermeneutik des Vertrauens eben. […] Es braucht einerseits ein möglichst gutes Verständnis der damaligen Situationen und Umstände. Andererseits braucht es eine solide Kenntnis der Situation, in die hinein wir heute sprechen und verkündigen wollen. Erst dann gelingen der Brückenschlag, das Verstehen und Anwenden, die passende Interpretation für die aktuelle Lage. Diese Herausforderung zu reflektieren nennt man Hermeneutik.

Erstaunlich finde ich, dass das Evangelium, also die Gute Nachricht von Jesus Christus, zu allen Zeiten von gebildeten wie von einfachen Menschen verstanden wurde. […] Hermeneutik ist kein Mittel, um Worte zum eigenen Vorteil zu verdrehen. Ganz im Gegenteil: Sie kann helfen, das Wort Gottes verlässlich weiterzusagen. […] Vertrauen und Verstehen schließen sich dabei nicht aus, im Gegenteil, sie können einander vertiefen. Je mehr ich Gottes Wesen und Handeln verstehe und in Sprache fassen kann, umso tiefer ist er Teil meines Lebens. […] Verstehen und Ausdrücken ist also essenziell, auch für den Glauben.

Das Verstehen erkennt in Bezug auf Gott allerdings auch seine Grenzen. Oft genug kann es nur versuchen, zu beschreiben, was genau die menschliche Vernunft übersteigt. Der dreieinige Gott existiert in einer Wirklichkeit, die unsere kategorial übersteigt. Daher setzt das Vertrauen auch nicht erst dort ein, wo das Verstehen endet, sondern es ist der Untergrund aller christlichen Erkenntnis. Für eine biblische Hermeneutik des Vertrauens bedeutet das:

  • Ich vertraue darauf, dass die ganze Heilige Schrift von Gottes Geist eingegeben ist. […] Die Heilige Schrift ist zuverlässig und hat höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung (vgl. Die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD) | ead.de). Gemäß ihrem Inhalt und ihrer Entstehung ist sie Gottes Wort im Menschenwort (vgl. Verlautbarung der FeG-Bundesleitung | verlautbarungen.feg.de).
  • Ich vertraue darauf, dass der Heilige Geist auf dem ganzen Weg der berichteten Ereignisse und Erkenntnisse durch die Geschichte wirksam war und ist. Das umfasst die Glaubenserfahrungen der Autoren, ihre Verkündigung und Verschriftlichung, ihre Überlieferung und Wirkungsgeschichte, ihre Einbindung in die biblische Gesamtbotschaft und ihre Aufnahme durch heutige Leserinnen und Leser.
  • Ich vertraue darauf, dass es immer gut und richtig ist, nach dem ursprünglichen Kontext und der ursprünglichen Botschaft der biblischen Texte zu fragen. Dafür braucht es eine Vielfalt an Methoden, die sich gegenseitig ergänzen können. Wichtig ist: Die Methode ist eine Dienerin des Textes. Sie möchte ihn zur Sprache bringen. […]
  • Ich vertraue darauf, dass das Zusammenwirken vieler Menschen in einer Auslegungsgemeinschaft eine besonders verheißungsvolle Bedeutung hat. […] Als übergemeindliche Auslegungsgemeinschaft können wir in wichtigen und schwierigen Fragen zu gemeinsamen, belastbaren Ergebnissen kommen.
  • Ich vertraue darauf, dass die Bibel genau so, wie wir sie haben, gut ist und ihre Bestimmung erfüllt – und das schon seit Jahrhunderten! Wo wir auf Unklarheiten oder Irrtümer stoßen, macht mich das nicht nervös, denn es tut der Botschaft der Bibel keinen Abbruch. […]
  • Ich vertraue darauf, dass Gott sich in der Heiligen Schrift mitteilt. Ihre Inhalte kommen nicht allein durch menschliches Überlegen und Reflektieren zustande, sondern im Gegenüber zu dem Gott, der erschafft, befreit und vollendet.
  • Ich vertraue darauf, dass Gott in seiner Souveränität Natürliches und Übernatürliches orchestriert. Dazu gehört, dass einige Inhalte der Bibel sich nicht ständig in der Geschichte wiederholen. Manche sind sogar analogielose Wunder. Darüber hat Gott entschieden. Ob wir heute auch erleben, was damals geschah, ist kein Indiz für die Möglichkeit des Ereignisses. […]
  • Ich vertraue darauf, dass die biblischen Aussagen zu einer christlichen Lebensführung (Ethik) dazu beitragen, dass das Leben gelingt. Das gilt auch dann, wenn sie meinem persönlichen Empfinden widersprechen. […] Eine Ethik, die mich oder meine Gemeinschaft nicht infrage stellt, ist vermutlich keine Jesusethik.
  • Ich vertraue darauf, dass die biblische Botschaft es verkraftet und sogar erfordert, immer wieder neu rekonstruiert zu werden. Eine Rekonstruktion ist weder eine freie Erfindung noch eine bloße Nacherzählung. Es ist das Unterfangen, unter der Leitung des Heiligen Geistes das Wesentliche neu zu entdecken, notfalls freizulegen. Es ist die Verpflichtung, das vor dem Horizont aktueller Fragen zu tun und in zeitgemäßer Sprache auszudrücken, was vom Evangelium her zu sagen ist. […]
  • Ich vertraue darauf, dass alles Verstehen und alle Auslegungen, die sich am Evangelium von Jesus Christus orientieren, ewiges Leben schaffen. Jesus Christus, sein Wirken und sein Tod, seine Auferstehung und seine königliche Wiederkunft sind Mitte und Maßstab aller biblischen Hermeneutik. Genau hier steckt die Einheitskraft in aller Unterschiedlichkeit. […]

HENRIK OTTO | Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden | praeses.feg.de

Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages R.Brockhaus in der SCM-Verlagsgruppe.

Fragen zum Weiterdenken

Persönlich oder als Gemeindegruppe

  • „Wenn das Lesen der Bibel dem Glauben dienen soll, dann gehört der Glaube beim Lesen auf den Tisch.“ Wie sieht für euch eine „vertrauensfördernde Haltung“ aus? Wie nicht?
  • „Der Inhalt und die Inspiriertheit der Bibel machen sie einzigartig. Sie machen sie nicht göttlich, aber heilig. Durch sie spricht Gott.“ Würdet ihr den Sätzen zustimmen oder widersprechen? Warum?
  • Was bedeutet es für euch als Gemeinde vor Ort bzw. für uns als Bund FeG, eine „Auslegungsgemeinschaft“ zu sein? Welche Möglichkeiten und Grenzen seht ihr?
  • Wie gehen wir mit Fragen und Anfragen zum christlichen Glauben/dem Wort Gottes um? Welche Räume für eine „Rekonstruktion“ des Glaubens könntet ihr anbieten?

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  • Dieser Artikel ist erschienen in der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE 09/2026 „Gebet bricht auf“ | christsein-heute.de >>
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Was die Welt am meisten braucht

Wie Vertrauen unser Leben und unser Umfeld verändert

Die Kraft des Vertrauens neu entdecken. Das Buch von FeG-Präses Henrik Otto

Vertrauen ist die Grundlage jedes gelingenden Miteinanders. Henrik Otto zeigt, warum wir es heute dringender brauchen denn je – in Beziehungen, Gesellschaft und Glauben. Sein Buch macht sichtbar, wie Vertrauen trägt, verwandelt und Hoffnung freisetzt. Es lädt ein, den Gott neu zu entdecken, der erschafft, befreit und vollendet. Eine ermutigende Einladung an Christen, aktiv zum Guten beizutragen und ihrer Umgebung neuen Halt zu schenken.

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  • ISBN: 978-3-417-01070-1
  • € 20,- | €[A] 20,60 | CHF 26,40
  • R.Brockhaus 2026
  • Auch als E-Book erhältlich | ePUB >>

Buchbeschreibung

Vertrauen, das die Welt verändert

Glauben heißt Vertrauen. In seinem Buch „Was die Welt am meisten braucht“ zeigt Henrik Otto, warum es sich lohnt, Vertrauen ganz neu wagen, und erklärt, weshalb Vertrauen nicht nur ein Schlüssel für das Leben von Christinnen und Christen ist, sondern auch für die Menschen, die Gott noch nicht kennen.

Was trägt uns, wenn das Leben zwischen schön und schmerzhaft schwankt? Was hält Menschen zusammen in einer Zeit, die von Individualisierung, Unsicherheiten und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist? Der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Henrik Otto, geht diesen Fragen in seinem Buch „Was die Welt am meisten braucht“ nach – und kommt zu einer klaren Antwort: Vertrauen.
Ausgehend von einer humorvollen Bergsteiger-Anekdote aus dem Vorwort macht Otto deutlich, wie schwer Vertrauen manchmal fällt – gerade dann, wenn man es am nötigsten braucht. Und doch zeigt er: Vertrauen ist eine echte Kraft zum Leben. Es prägt Beziehungen, Familien, Freundschaften, Gemeinden, Arbeitswelt und Gesellschaft. Jeder Bereich unseres Miteinanders lebt davon, dass wir einander und Gott vertrauen können.

Otto fragt deshalb nicht nur nach den Eigenschaften dieses Vertrauens, sondern sucht auch nach dem Fundament, auf dem es ruht. Blinder Glaube ist dabei keine Option. Tragfähiges Vertrauen braucht ein vertrauenswürdiges Gegenüber, gute Erfahrungen und realistische Erwartungen. Genau hier setzt der Glaube an Jesus an: Was ihn ausmacht, ist gleichzeitig das, was die Welt am dringendsten braucht – verlässliche, tragende Beziehungen.

In seinen Kapiteln lädt Otto dazu ein, den Kern des christlichen Glaubens als gelebtes Vertrauen neu zu entdecken. Er entfaltet ein Bild von Kirche und Gemeinschaft, das Menschen zusammenführt, statt sie zu vereinzeln. Besonders eindrucksvoll und bedeutend wird das dort, wo er beschreibt, wie Christen durch ihr Handeln zur Hoffnung für andere werden können. Im gesellschaftlichen Miteinander, in Krisen und Konflikten, im Alltag und im persönlichen Umfeld – überall können Vertrauensmenschen Mut machen, Orientierung geben und Gottes Liebe sichtbar werden lassen.

Anschauliche Beispiele, vertiefende „Kleingedruckt“-Abschnitte und persönliche Einblicke in Ottos eigenes Glaubens- und Lebensringen machen das Buch vielseitig und nahbar. Nach jedem Abschnitt fassen „Take-aways“ die zentralen Gedanken kompakt zusammen.

„Was den Glauben an Jesus Christus ausmacht, ist gleichzeitig das, was die Welt am nötigsten braucht“, schreibt Otto. Wer sich danach sehnt, Vertrauen neu zu gewinnen, es zu stärken oder weiterzugeben, findet in diesem Buch eine Einladung – und Inspiration, die Welt ein Stück heller zu machen.

Quelle: Presseinformation R.Brockhaus

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Nathanael Ullmann schaut in die Kamera.Foto: FeG Deutschland | AW

Nathanael Ullmann | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit

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Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher