August 20. 2026 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE FeG-Präses Gemeindeleben Gemeinden Presse

FeG-Präses | Glaube als Vertrauen | Teil 1

Glaube als Vertrauen

Warum das eine bahnbrechende Entdeckung ist

Mit seinem Buch „Was die Welt am meisten braucht“ setzt Henrik Otto einen inspirierenden Vertrauensdreiklang: Glauben als Vertrauen zu Gott, Vertrauen in die Heilige Schrift und die Gemeinde Jesu als Raum, in dem Glaube entstehen und wachsen kann. In der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE bringen wir einen dreiteiligen Abdruck als vertrauensvollen Vorgeschmack auf das Buch des FeG-Präses. | Teil 1

Jeder Mensch glaubt. An irgendetwas. Glaube ist nicht exklusiv christlich, nicht einmal exklusiv religiös. Manche glauben an die Liebe, andere an die Gesetze des Marktes, wieder andere an eine politische Ideologie […]. Man kann an die Ahnen glauben oder an das Schicksal, in jedem Fall an sich selbst. Der Glaube an die Wissenschaft ist weit verbreitet, alternativ auch an solche Menschen, die schwierige Zusammenhänge (zu) einfach erklären.

Glaube als Vertrauen, als ein Sich-verlassen auf etwas oder jemanden, ist keine neue Erfindung, aber eine bahnbrechende Entdeckung! Die Reformatoren, insbesondere Martin Luther, fassten das noch einmal theologisch und blickten so auf eine tiefere Schicht des Menschseins. Luther formuliert in seinem Großen Katechismus zur Erklärung des ersten Gebotes: „Worauf du nun (sage ich) dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott.“ Luther bringt Vertrauen und Gott zusammen. Er sagt: „Woran du dein Herz hängst, worauf du dich verlässt, das ist dein Gott.“1Martin Luther: Der Große und der Kleine Katechismus. Vandenhoeck & Ruprecht, 1985, S. 9. Ein starker Satz! […]

Wem gehört mein Vertrauen?

Wem traue ich jenseits menschlicher Möglichkeiten die Sorge für mein Leben zu? Genau da lohnt es sich hinzuschauen, denn dieses Zutrauen ist von seiner Art her wie das Gottvertrauen eines Gläubigen. Wem ich zutraue, zu garantieren, dass mein Leben nicht scheitert, sondern gelingt, dieser Instanz schreibe ich göttliche Qualitäten zu. Genau derjenige oder dasjenige ist dein Gott, sagt Luther. […] In diesem Sinne dürfte es wohl auch in einem säkularen Land viel „Gottvertrauen“ geben. Ohne kommt man kaum aus, weil jeder Mensch von Ereignissen und Wirkungen betroffen ist, die er nicht kontrollieren kann. […] In diesem Zusammenhang fragt man sich:

  • Wer oder was kann mir helfen, ich selbst zu sein und immer mehr zu werden und gleichzeitig in guten und heilsamen Beziehungen zu leben?
  • Wer oder was kann verhindern, dass die überindividuellen Ereignisse und Zusammenhänge von Naturkatastrophen bis zu Unternehmensumbauten mich völlig fremdbestimmen oder gar zerstören?
  • Wem kann ich diesbezüglich vertrauen?

Das sind drängende Fragen. Deshalb bin ich überzeugt: Gottvertrauen kommt nicht aus der Mode. Auch wenn uns Blitz und Donner nicht mehr aus der Ruhe bringen, so können es die aufblitzenden Breaking News und die donnernden Geschütze in Europa sehr wohl. […] Das Angebot des christlichen Glaubens ist: Es gibt einen Größeren. Und wir alle kennen die großen Lebensfragen, für die es einen Größeren braucht. Einen göttlichen Vater, Sohn und Heiligen Geist. Für all das kann am besten der Gott sorgen, der erschafft, befreit und vollendet.

Gottvertrauen – eine lange Tradition

Nun muss man in Bezug auf das Konzept des „Herzensvertrauens“ bei Luther anmerken, dass die Idee so exklusiv nicht ist. Natürlich gab es bereits zuvor in der mittelalterlichen Theologie und Glaubenspraxis und auch später in nachreformatorischer Zeit eine grundlegende Wertschätzung für eine vertrauensvolle Gottesbeziehung. […]

Einen ebenso frühen wie prominenten Beleg findet man schon bei dem Ausnahmetheologen und Kirchenvater Augustinus: „Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir“2Augustin: Confessiones. Kösel-Verlag, München 1960, S. 13., schreibt er in seinen Bekenntnissen. Ab dem Mittelalter wurde dann leidenschaftlich der Zusammenhang von Gottvertrauen und Heilsgewissheit diskutiert – sicherlich eine der Streitfragen, die im 16. Jahrhundert zur Entzweiung der Konfessionen beitrug. Sichtbar werden diese Differenzen aber schon früher, zum Beispiel in den unterschiedlichen Ansätzen des Theologen Thomas von Aquin und des Mystikers Meister Eckhart in der Vertrauensfrage – beide Ausnahmetalente der Kirchengeschichte.

Thomas [von Aquin], der Schultheologe, beschreibt das Vertrauen als Freundschaft mit Gott und Kraft der Hoffnung. Zu einer persönlichen Heilsgewissheit, die sich sicher im Stand der Gnade wähnt, kann ein solches Vertrauen allerdings nicht führen. Ein Scheitern bleibt möglich, weil der menschliche Wille unbeständig ist. Gewiss kann man sich lediglich über die Inhalte des Glaubens und die Macht und Barmherzigkeit Gottes sein, der grundsätzlich das Heil der Menschen will. Vertrauen kann also lediglich eine Ausdrucksform der Hoffnung, eine Hoffnungsgewissheit, sein und bleibt anschlussfähig für Furcht und Zittern (Philipper 2,12).

Meister Eckhart, der Mystiker, betont dagegen in seinen Reden der Unterweisung3Meister Eckhart: Reden der Unterweisung. Sonderausgabe Insel Verlag, 1940., dass nichts in Gott ist, was zu fürchten wäre. Am Modell des Lieblingsjüngers aus dem Johannesevangelium entfaltet er, dass man Gott vorbehaltlos vertrauen kann. Mit einem solchen Vertrauen geht die Sicherheit des ewigen Lebens, also die Heilsgewissheit, einher. Meister Eckhart sagt zum Ursprung christlicher Identität: „Dass der getreue, liebende Gott den Menschen aus einem sündigen Leben in ein göttliches gebracht, einen Feind zum Freund gemacht hat, was mehr ist, als eine neue Erde zu erschaffen.“4Ebd., S. 28. Diese Liebe Gottes weckt nach Meister Eckhart von allein Liebe, Vertrauen und Vertrautheit aufseiten des Menschen.5Vgl. Simon Peng-Keller: Gottvertrauen und Heilsgewissheit bei Thomas von Aquin und Meister Eckhart, in: I. Dahlfert, S. Peng-Keller: Gottvertrauen. Herder Verlag, Freiburg 2012, S. 143. Ob ein Mensch Gott vertraut, zeigt sich demnach vor allem in der Not. Denn die Not fordert dazu heraus, nicht nur an Gott zu glauben, also die richtigen Glaubensinhalte zu bejahen, sondern Gott persönlich und existenziell zu glauben, dass er für das eigene Leben sorgen wird. Diese Konzeption des Vertrauensglaubens übt schließlich indirekt, vermittelt durch die Predigten von Johannes Tauler, Einfluss auf Martin Luther aus.

Hier deutet sich bereits die tektonische Verschiebung zwischen der katholischen Schultheologie und der Theologie der Reformation an: Wo bislang die Vernunft als Instrument der Gotteserkenntnis im Fokus war, zieht nun das Vertrauen als Instrument des Herzens nach und prägt maßgeblich das Glaubensverständnis. Wo bislang (vermeintlich) objektive Glaubensinhalte weit maßgeblicher waren als individuell gelebter Glaube, erlangen nun subjektive Glaubensäußerungen höhere Bedeutung. Wo die Betonung der menschlichen Anfälligkeit für Sünde die Glaubenden in Unsicherheit halten konnte, beginnt die Gnade Gottes, die Negativbotschaften zu überstrahlen. Rechtfertigung überbietet Gericht.

Keine dieser Einsichten ist völlig neu, […] weshalb wir nach wie vor auch viel von mittelalterlichen Theologen lernen können. Neu ist ihre zentrale Bedeutung. Die Reformatoren stellen die Gnade Gottes, die das Herzensvertrauen weckt und so zur Rechtfertigung des Menschen führt, in den Mittelpunkt ihrer Theologie und wenden sie konsequent auf das Wesen von Kirche an. […]

Wir halten fest: Glaube als Vertrauen ist fester Bestandteil der christlichen Tradition. Zentral und wirkmächtig wurde dieses Glaubensverständnis mit der Reformation des 16. Jahrhunderts. Seither wird es vor allem in konfessionellen Auseinandersetzungen und im ökumenischen Dialog auf Herz, Nieren und Tauglichkeit überprüft.

Glaube als Vertrauen ist mehr als eine flüchtige Emotion, nämlich eine tiefe Bewegung der Seele hin zu ihrem Schöpfer.

Henrik Otto | FeG-Präses

Gottvertrauen – alles zielt auf Bindung

Diese Akzentverschiebung, zum Beispiel gegenüber antiker griechischer Philosophie und auch gegenüber mittelalterlich-scholastischer Theologie, liegt tief im Wesen des Glaubens begründet. Der Schöpfer nennt seine Geschöpfe Ebenbilder, nicht Schüler. Er gibt ihnen einen Garten, um sich dort mit ihnen zu treffen, nicht ein Labyrinth, um ihn zu suchen. Gott handelt in der Geschichte und wird erfahrbar in seinen Taten, statt jenseitig und passiv zu verharren – auch wenn sein Handeln auf unserer Seite des Verstehens gelegentlich verborgen oder mehrdeutig erscheinen mag. Er gibt sich hin in seinem Sohn Jesus Christus, schafft Rechtfertigung und Befreiung durch seinen Tod, kämpft unter Tränen um alle Menschen und begnügt sich nicht damit, ein paar kluge Gedanken unter die Leute zu streuen. Deshalb sagt Jesus zu seinen Freunden: „Folgt mir!“, und nicht: „Denkt über mich nach.“ Er zeigt ihnen, wer der Vater im Himmel ist, damit sie ihm vertrauen, und nicht, damit sie in Debatten mit anderen religiösen Gruppen richtig liegen. Es geht um Bindung. Es geht um das Vertrauen darauf, dass Gott erschafft, befreit und vollendet – auch dich und mich.

Wie so oft konnte man es mit Martin Luther auch kürzer sagen: „Denn die zwei gehören zusammen, Glaube und Gott.“6Luther: Der Große und der Kleine Katechismus, a. a. O., S. 9. Das spricht in keinem Fall dagegen, den Glauben an Gott denkerisch zu durchdringen und vor der Welt und ihren Fragen zu verantworten (1. Petrus 3,15). Es spricht aber wohl dagegen, aus dem Glauben einen Denksport zu machen, den man distanziert betreiben kann wie ein Sudoku-Rätsel in der Zeitung. Es spricht für einen Gott, zu dem man dank seines Sohnes in Beziehung treten kann. Nur so verwirklicht sich das Evangelium, die Gute Nachricht, das wirkungsvolle Wort von der Erlösung.

Vertrauen in diesem Sinne ist ein Gefühl und zugleich mehr als ein Gefühl. Versteht man unter Gefühl lediglich eine emotionale Regung, wäre das zu wenig. Dieses Gefühl des Vertrauens stellt sich aufgrund der Vertrauenswürdigkeit Gottes ein, wie sie schon Generationen von Menschen seit Tausenden von Jahren erleben. Es ist ein Vertrauen, das sich aus einer erweiterten Sicht auf die Wirklichkeit ergibt. Ein solches Gefühl bildet Realität ab und ist darum erkenntnistheoretisch ernst zu nehmen. Es ist mehr als eine flüchtige Emotion, nämlich eine tiefe Bewegung der Seele hin zu ihrem Schöpfer. In diesem Raum gibt es keine Beweise, aber gute Gründe. Die Beweislast wäre auch auf beiden Seiten gleich groß, auf der Seite des Glaubens und des Unglaubens. Daher ergibt es absolut Sinn, diesen Raum der Ebenbildlichkeit, in dem sich Himmel und Erde berühren, mit Vertrauen zu füllen und auf Bindung auszurichten.

Gottvertrauen – ein freier Entschluss?

Es ist offensichtlich: Ich bin begeistert von Gott, der uns in Jesus Christus so nahekommt. Ich bin begeistert von der Gemeinschaftskraft und Treue Gottes, mit der er so unermüdlich das Verlorene sucht. Gleichzeitig muss ich anerkennen, dass nicht jeder Mensch diesen Weg des Vertrauens in Jesus Christus mitgehen möchte. Mancher sagt sogar: „Ich würde ja gerne glauben, aber ich kann es nicht!“

Das mag an persönlichen Erfahrungen liegen, an der offensichtlichen Unvollkommenheit von Kirchen und Gemeinden oder an einer Weltsicht, die den Glauben nicht zulässt. Aber selbst Gläubige sagen oft Sätze wie: „Nicht ich habe Gott gefunden, er hat mich gefunden.“ Wie frei sind wir also in unserer Wahl? Können wir den Glauben, also das Vertrauen, frei wählen und uns damit gegen den Unglauben entscheiden?

Die Antwort auf diese Frage mag dich überraschen. Sie lautet: „Es steht uns dafür zu viel im Weg.“ Ich gebe zu, das klingt nicht akzeptabel in einer Zeit voller Optionen. Sind nicht in der Regel zu viele Möglichkeiten unser Problem?! Nicht hier. Ich fange mal mit einer steilen These an: Kein Mensch ist aus sich heraus zum Glauben fähig. Wir können uns nicht einfach für Gott entscheiden, wie man sich für einen Urlaub, eine Automarke oder ein Eis entscheidet. Hier die Gründe:

1. Ein kategorialer Unterschied

Wir dürfen nicht vergessen, dass es einen kategorialen Unterschied zwischen Gott und uns gibt. Wir erkennen nicht, wer er wirklich ist, schreibt Paulus (Römer 1,20–21). Obwohl er Spuren seines Wesens in die Schöpfung und die Geschichte gelegt hat, obwohl er sich uns vorstellt, verkennen wir ihn. Obwohl er in seinem Sohn Mensch wurde, wurde er mehrheitlich abgelehnt und eben nicht aufgenommen (Johannes 1,11). Das liegt an der Sünde in ihrem ursprünglichen Sinn, an dem grundlegenden Störfall, dass Adam und Eva stellvertretend für die Menschheit ihrem Schöpfer das Misstrauen erklärten. Sie deuteten seine Liebe um in Missgunst, seine Nähe in Enge, die Berufung zum Menschsein in ein Vorenthalten des Gottseins. Offenbar wollten wir immer schon lieber unabhängig von Gott sein und uns das Leben selbst erklären. Ein tragisches Verhängnis, das sich seither fortschreibt.

2. Eine andere Erwartung

Wir hatten etwas ganz anderes erwartet. Jesus Christus erscheint, handelt, predigt und stirbt so anders, als jeder es erwartet hatte und erwarten konnte! Gott kommt in Niedrigkeit als Mensch wie wir und stirbt für uns auf eine Weise, die wir dem ärgsten Feind nicht wünschen würden (Philipper 2,5–11). Jesus Christus überrascht alle, seine Freunde und seine Gegner. Die Herrlichkeit Gottes verbindet sich so untrennbar mit Leid und Elend, dass sie sich unter dem Gegenteil dessen zeigt, was jedermann von Gott erwartet hatte. Es gibt einen Widerspruch des Kreuzes und des Evangeliums zur Weisheit und Erwartung dieser Welt (1. Korinther 1,18–25). Auch langjährige Gläubige lässt das zurückhaltend sein, wenn es darum geht, immer allzu genau zu wissen, was Gott will. Es bleibt ein Geheimnis um Gott, das ehrfürchtig macht, in das wir nicht eindringen können. Und es gilt, was Martin Schleske in seinem Buch „Der Klang“ schreibt: Der Glaube ist „eine Verneigung der Seele vor dem Geheimnis Gottes“7Martin Schleske: Der Klang. Vom unerhörten Sinn des Lebens. Kosel-Verlag, 2010, S. 231..

3. Keine theoretische Überlegung

Der dritte Grund liegt im Wesen des Vertrauens. Um zu vertrauen, braucht es ein Gegenüber, das zum Vertrauen einlädt, besser noch: Vertrauen weckt. Man kann sich zum Vertrauen nicht probeweise oder theoretisch entschließen, quasi allein auf der grünen Wiese. Man kann sich wohl für Offenheit entscheiden und dafür, ein Wagnis einzugehen. Ob daraus aber Vertrauen erwächst, ist eine Beziehungsfrage. Zwischen (einem vollkommenen) Gott und (einem abtrünnigen) Menschen kann die Überwindung der Beziehungsstörung allerdings nur von Gott ausgehen. Wir sind nicht auf Augenhöhe. Unsere geistliche Blindheit können wir von uns aus nicht überwinden.

Für den Fall, dass du die drei genannten Gründe für überzeugend hältst, könnte man meinen, der Glaube an Gott sei eine recht passive Sache für uns Menschen. Das wiederum passt allerdings nicht zum Wesen einer Vertrauensbeziehung. Dazu gehören schließlich immer zwei. Überzeugend finde ich die folgende treffende Beschreibung: „Glaube als Vertrauen meint das Sich-gewinnen-Lassen für die Hinwendung bzw. Hingabe an ein Gegenüber in der Hoffnung auf Gutes.“8Wilfried Härle: Vertrauenssache. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, 2022, S. 22. Es gleicht also mehr einem Zulassen, einer Resonanz oder einer Antwort, was aufseiten des Menschen geschieht. Man muss es wohl so sagen: Auch der Glaube ist Gottes Initiative, seine Chance für uns – auf unserer Seite stehen Annahme, Dankbarkeit und die Bereitschaft, auf seine Initiative mit Vertrauen zu antworten.

Ob wir uns für Gott, für ein vertrauensvolles Leben mit ihm entscheiden können? Wohl kaum aus eigenem Entschluss. Und doch sind wir beteiligt. Man könnte es mit den Zeilen der FeG-Bundesleitung so sagen: „Der Mensch ist weder willenloses Objekt des Wirkens Gottes an und in ihm noch ist er selbstmächtiger Schöpfer seines Glaubens. Kein Mensch kann Jesus Christus seinen Herrn nennen, es sei denn durch den Heiligen Geist (1. Korinther 12,3). Der Mensch glaubt also nicht aus sich selbst, diese Willensfreiheit hat er nicht. Der Mensch glaubt aber als er selbst und darin ist er unvertretbar.“9Das Evangelium Gottes von Jesus Christus. Witten 2020, S. 23. | verlautbarungen.feg.de Na, das bringt’s doch auf den Punkt!

Jesus zu seinen Freunden: „Folgt mir!“, und nicht: „Denkt über mich nach.“ Er zeigt ihnen, wer der Vater im Himmel ist, damit sie ihm vertrauen, und nicht, damit sie in Debatten mit anderen religiösen Gruppen richtig liegen.

Henrik Otto | FeG-Präses

Gottvertrauen – es geht um viel

Beim Gottvertrauen geht es um viel. Diesen Eindruck, dass es beim Glauben um etwas Bedeutendes gehen könnte, hat man aber, ehrlich gesagt, derzeit eher nicht. Meistens geht es in der Berichterstattung um Skandale, um politischen Extremismus, um Sektiererei oder Machtmissbrauch. Das Evangelium von Jesus Christus erscheint als bröckelige Fassade, hinter der sich all diese Dramen abspielen und ein schleichender Niedergang vollzieht. Wie fatal, dass es so viel Anlass gibt, über Zerrbilder des Glaubens zu berichten!

Und doch ist das nicht alles. Nicht erzählt sind damit die vielen Tausend Geschichten von Menschen, die in den letzten Jahren in unserem Land zum Vertrauen auf Jesus gefunden haben. So viele haben dadurch Hoffnung und neuen Mut bekommen. So viele haben sich das erste Mal wirklich gesehen gefühlt.

Nicht erzählt ist damit die Geschichte der internationalen Gemeinden, in denen Menschen, die aus Krieg und Vertreibung kommen, miteinander leben. Manchmal leben sie dort sogar mit Menschen aus Völkern zusammen, die in anderen Teilen der Welt ihre Feinde sind. Was für ein Beispiel für die Welt!

Nicht erzählt sind die Geschichten der vielen Seelsorger und Seelsorgerinnen, die sich um Verzweifelte, Kranke und Trauernde gekümmert haben. Zu erzählen wären auch die Initiativen von Kirchen und Gemeinden für einen besseren Zusammenhalt in Nachbarschaften, für glückliche Kinder in Pfadfindergruppen, Musicals und Kindergottesdiensten.

Unbedingt erzählt werden müsste davon, dass die weltweite christliche Missionsarbeit durch kreative Projekte Menschen aus Armut befreit, einheimische Leiterinnen und Leiter ausbildet, Krankenhäuser baut und Menschen aus dunklen und angstmachenden Kulten erlöst. Erzählt werden muss von dem gefährlichen und aufopferungsvollen Dienst von Christen, die versklavte Frauen, Männer und Kinder retten und den Gemein- und Justizwesen auf die Beine helfen.

Die guten Geschichten werden zu wenig erzählt. Und es wird zu wenig gefragt, was das Beste daran ist, wovon all das motiviert ist. Der tiefste Grund und die höchste Motivation für all das ist die unbändige Freude über das neue Leben in Christus, das nie mehr endet. Gott schenkt es durch seinen Geist jedem, der Jesus Christus vertraut. […] Dieses Leben kann alles überstehen. Wir haben gesehen, wie wenig wir dazu beitragen können, wie viel es einfach dankbar zu empfangen gilt. Weil es von Gott kommt, kann es nicht mehr kaputtgehen. Dieses neue Herz hört nicht mehr auf, zu schlagen. Dieses Leben in Christus übersteht Unfälle, menschliches Scheitern, mutwillige Sünde, geistige Demenz und sogar den Tod. Es ist unzerstörbar, weil es nicht von dieser Welt ist. Neues Leben im Vertrauen auf Jesus Christus ist die globale Gute Nachricht schlechthin.
Dazu Paulus, ganz ausführlich und mit Genuss: „Was immer wir tun, tun wir, weil die Liebe von Christus uns bewegt. Weil wir glauben, dass Christus für alle gestorben ist, glauben wir auch, dass unser altes Leben vorüber ist, das wir früher führten. Er starb für alle, damit diejenigen, die sein neues Leben erhalten, nicht länger für sich selbst leben. Sie sollen vielmehr für Christus leben, der für sie starb und auferstanden ist. Deshalb haben wir aufgehört, andere nach dem zu beurteilen, was die Welt von ihnen hält. Früher habe ich irrtümlich auch Christus so beurteilt – als sei er nur ein Mensch gewesen. Wie anders sehe ich ihn jetzt! Das bedeutet aber, wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen! Dieses neue Leben kommt allein von Gott, der uns durch das, was Christus getan hat, mit sich versöhnt hat. Und er hat uns in den Dienst dieser Versöhnung gestellt. Denn Gott war in Christus und versöhnte so die Welt mit sich selbst und rechnete den Menschen ihre Sünden nicht mehr an. Das ist die herrliche Botschaft der Versöhnung, die er uns anvertraut hat, damit wir sie anderen verkünden. So sind wir Botschafter von Christus, und Gott gebraucht uns, um durch uns zu sprechen. Wir bitten inständig, so, als würde Christus es persönlich tun: ‚Lasst euch mit Gott versöhnen!‘ Denn Gott machte Christus, der nie gesündigt hat, zum Opfer für unsere Sünden, damit wir durch ihn vor Gott gerechtfertigt werden können.“ (2. Korinther 5,14–21 | NLB)

Gerechtfertigt – ein altes Wort, das wir kaum noch gebrauchen. Aber wie schon klingt es in diesem Zusammenhang: Du brauchst dich vor Gott nicht mehr zu rechtfertigen, er hat es schon getan. Noch einmal ein bisschen Theologie dazu: „Die reformatorische Entdeckung Luthers besteht in der Erkenntnis, dass die ‚Gerechtigkeit Gottes‘ die Gemeinschaftstreue ist, durch die Gott den Menschen ‚gerecht‘, das heißt gemeinschaftstreu macht, indem er in ihm Glauben, das heißt Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, weckt.“ Genau. Möge diese Entdeckung der Welt nie mehr verloren gehen.10Härle: Vertrauenssache, a. a. O., S. 233.

HENRIK OTTO | Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden | praeses.feg.de

Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages R.Brockhaus in der SCM-Verlagsgruppe.

Fragen zum Weiterdenken

Persönlich oder als Gemeindegruppe

  • Auf wen oder was vertrauen wir – persönlich und als Gemeinde? An wem oder was hängt mein/unser Herz?
  • „Gottvertrauen kommt nicht aus der Mode“, schreibt Henrik Otto. Was spricht für euch dafür, was dagegen?
  • Was ist der Unterschied zwischen „Glaube als Sicherheit“ und „Glaube als Vertrauen“? Wo würdet ihr euch persönlich/als Gemeinde im Glauben auf einer Zehnerskala zwischen Kopf und Herz einordnen?
  • Welche „guten Geschichten“ aus der Bibel, eurer Gemeinde und/oder eurem Leben bestärken euch im Glauben?
  • Welche praktischen Auswirkungen könnte der Fokus auf „Glaube als Vertrauen“ haben: persönlich, im beruflichen Umfeld, in der Gemeinde?

CHRISTSEIN HEUTE | Kontakt | Im Dialog

  • Dieser Artikel ist erschienen in der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE 06/2026 „Sichtbar werden“ | christsein-heute.de >>
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Was die Welt am meisten braucht

Wie Vertrauen unser Leben und unser Umfeld verändert

Die Kraft des Vertrauens neu entdecken. Das Buch von FeG-Präses Henrik Otto

Vertrauen ist die Grundlage jedes gelingenden Miteinanders. Henrik Otto zeigt, warum wir es heute dringender brauchen denn je – in Beziehungen, Gesellschaft und Glauben. Sein Buch macht sichtbar, wie Vertrauen trägt, verwandelt und Hoffnung freisetzt. Es lädt ein, den Gott neu zu entdecken, der erschafft, befreit und vollendet. Eine ermutigende Einladung an Christen, aktiv zum Guten beizutragen und ihrer Umgebung neuen Halt zu schenken.

  • Gebunden, 256 Seiten
  • ISBN: 978-3-417-01070-1
  • € 20,- | €[A] 20,60 | CHF 26,40
  • R.Brockhaus 2026
  • Auch als E-Book erhältlich | ePUB >>

Buchbeschreibung

Vertrauen, das die Welt verändert

Glauben heißt Vertrauen. In seinem Buch „Was die Welt am meisten braucht“ zeigt Henrik Otto, warum es sich lohnt, Vertrauen ganz neu wagen, und erklärt, weshalb Vertrauen nicht nur ein Schlüssel für das Leben von Christinnen und Christen ist, sondern auch für die Menschen, die Gott noch nicht kennen.

Was trägt uns, wenn das Leben zwischen schön und schmerzhaft schwankt? Was hält Menschen zusammen in einer Zeit, die von Individualisierung, Unsicherheiten und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist? Der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Henrik Otto, geht diesen Fragen in seinem Buch „Was die Welt am meisten braucht“ nach – und kommt zu einer klaren Antwort: Vertrauen.
Ausgehend von einer humorvollen Bergsteiger-Anekdote aus dem Vorwort macht Otto deutlich, wie schwer Vertrauen manchmal fällt – gerade dann, wenn man es am nötigsten braucht. Und doch zeigt er: Vertrauen ist eine echte Kraft zum Leben. Es prägt Beziehungen, Familien, Freundschaften, Gemeinden, Arbeitswelt und Gesellschaft. Jeder Bereich unseres Miteinanders lebt davon, dass wir einander und Gott vertrauen können.

Otto fragt deshalb nicht nur nach den Eigenschaften dieses Vertrauens, sondern sucht auch nach dem Fundament, auf dem es ruht. Blinder Glaube ist dabei keine Option. Tragfähiges Vertrauen braucht ein vertrauenswürdiges Gegenüber, gute Erfahrungen und realistische Erwartungen. Genau hier setzt der Glaube an Jesus an: Was ihn ausmacht, ist gleichzeitig das, was die Welt am dringendsten braucht – verlässliche, tragende Beziehungen.

In seinen Kapiteln lädt Otto dazu ein, den Kern des christlichen Glaubens als gelebtes Vertrauen neu zu entdecken. Er entfaltet ein Bild von Kirche und Gemeinschaft, das Menschen zusammenführt, statt sie zu vereinzeln. Besonders eindrucksvoll und bedeutend wird das dort, wo er beschreibt, wie Christen durch ihr Handeln zur Hoffnung für andere werden können. Im gesellschaftlichen Miteinander, in Krisen und Konflikten, im Alltag und im persönlichen Umfeld – überall können Vertrauensmenschen Mut machen, Orientierung geben und Gottes Liebe sichtbar werden lassen.

Anschauliche Beispiele, vertiefende „Kleingedruckt“-Abschnitte und persönliche Einblicke in Ottos eigenes Glaubens- und Lebensringen machen das Buch vielseitig und nahbar. Nach jedem Abschnitt fassen „Take-aways“ die zentralen Gedanken kompakt zusammen.

„Was den Glauben an Jesus Christus ausmacht, ist gleichzeitig das, was die Welt am nötigsten braucht“, schreibt Otto. Wer sich danach sehnt, Vertrauen neu zu gewinnen, es zu stärken oder weiterzugeben, findet in diesem Buch eine Einladung – und Inspiration, die Welt ein Stück heller zu machen.

Quelle: Presseinformation R.Brockhaus

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Nathanael Ullmann | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit

Ein Mann mit rotem Haar, Bart und Brille mit blauem Rahmen lächelt in ein weißes Hemd mit blauen Punkten und einen blauen Blazer.Foto: FeG Deutschland | NU

Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher