Neues Leben einatmen
Wort des FeG-Präses zum Osterfest 2026
Die Auferstehung Jesu Christi hat globale Auswirkungen – und wird ganz persönlich. FeG-Präses Henrik Otto zeichnet anhand der berührenden Begegnung von Jesus und Maria die Entwicklung von Hoffnungslosigkeit in ein neues Leben nach. | Johannes 20,1.11–18
Sie war die erste, die dem Auferstandenen begegnete: Maria aus Magdala, genannt Maria Magdalena. Eine Frau, deren Zeugenaussage vor damaligen Gerichten nichts galt. Sie erwählt Jesus zur Zeugin und Botschafterin des wichtigsten Ereignisses der Weltgeschichte. Johannes erzählt von Maria am Ostermorgen wie bei einer Großaufnahme in einem Film. In den anderen Evangelien erfahren wir von mehreren Frauen, die an diesem Morgen dabei gewesen sind. Bei Johannes wird für einen Moment aber wie mit einem Objektiv nur eine Person erfasst. Was sie erlebt, ist jetzt wichtig. Maria Magdalenas persönliches Ostern!
Geheilt, aber verlassen
Gehen wir ein Stück mit Maria. Ihre Tränen waren eigentlich noch nicht getrocknet. Als eine der letzten Getreuen hatte Maria Magdalena unter dem Kreuz gestanden und die Hinrichtung ihres geliebten Herrn mit ansehen müssen. Der Tod hatte Jesus und sie getrennt. Das Letzte, das sie für ihn tun konnte, war, ihn zu salben. Dabei würde sie ihn ein letztes Mal sehen und endgültig Abschied nehmen müssen. Wer von den anderen konnte schon ahnen, was Jesus ihr bedeutet hatte?
Auf dem Weg zu seinem Grab kamen ihr sicher wieder die Erinnerungen an die dunklen Jahre ihres Lebens, bevor sie Jesus begegnet war. Drei Jahre war es nun her, dass Jesus sie frei gemacht hatte. Von sieben bösen Geistern hatte er sie befreit. Ein zerrissener, ein gespaltener Mensch war sie gewesen. Nie hatte ihre Besessenheit ihr Ruhe gelassen. Hilflos war sie den dunklen Mächten ausgeliefert gewesen.
Aber Jesus hatte sie frei gemacht. Hatte sie geheilt. Hatte ihr das Leben geschenkt. Mit Jesus war ihr Leben fest und stabil geworden, der Abgrund unter ihren Füßen hatte sich geschlossen und sie hatte empfunden, in Jesus jemanden zu haben, an dem sie sich festhalten konnte.
Als ihr Leben in seiner Nachfolge neu begann, da wurde es ein Leben durch ihn: Was sie war, war sie durch Jesus. Deshalb diente sie ihm und seinen Jüngern. Wer kann ahnen, was für Tränen der Verzweiflung sie unter dem Kreuz geweint hat? Ich stelle mir vor, dass die Hoffnungslosigkeit ihres früheren Lebens wieder anklopfte. Das Gefühl der vielen kleinen Tode, die sie gestorben war, bevor sie Jesus kennenlernte.
Die Schatten der Maria Magdalena hatten einen Namen: sieben böse Geister, die ihr das Leben zur Hölle machten. Jesus war der Einzige, der ihr die Freiheit hatte bringen können, der ihr wieder Hoffnung geben konnte; er hatte ihr gezeigt, dass ihr Leben eine Bedeutung hat. Nun ist sie auf dem Weg zu seinem Grab.
Blind vor Hoffnungslosigkeit
Als sie ankommt, ist etwas verkehrt: Der große Stein vor dem Grab ist nicht mehr da. Da steht sie nun in der Kälte und Dunkelheit des Morgens. Und in ihrer Verzweiflung und Trauer findet sie nur eine Erklärung für den entfernten Stein. Sie hat so viel Schreckliches erlebt, dass sie nur noch mit dem Schlimmsten rechnet. Die Fähigkeit, Gutes zu sehen, Gutes zu hoffen, kann einem vor lauter Leid verlorengehen. Unser verletztes Herz meidet die Hoffnung – aus Angst vor neuer Enttäuschung. So findet sie nur eine Erklärung für das, was sie sieht: Sie haben sich auch noch an dem toten Jesus vergriffen! Nun würde sie keinen Ort in dieser Welt mehr haben, wo sie ihrem toten Herrn Liebe und Dankbarkeit erweisen konnte. Mit Tränen in den Augen beugt sie sich vor und schaut in die Grabhöhle – kein Leichnam, kein Jesus. Wie sie es befürchtet hatte. Dafür aber zwei weiß gekleidete Engel – doch selbst die können ihr keinen Trost geben, geschweige denn Ersatz sein für ihren Herrn.
Ich finde, das zeigt etwas Wesentliches: So wunderbar es ist, Gottes Kraft einmal erlebt zu haben, so erstaunlich und grandios manche Erfahrungen, manche Segnungen sind – wir können davon auf Dauer nicht leben. Maria Magdalena hat die Kraft Gottes in ihrem Leben erfahren, die Dämonen mussten weichen vor dem Angesicht des Sohnes Gottes. – Aber das genügt nicht, wenn Jesus fehlt. Was ist das für eine Freiheit, die man nur für sich selbst hat? Jesus fehlt.
So auch bei den Jüngern: Was haben die Zwölf nicht alles mit ihrem Herrn erlebt! Wie viele gute Predigten haben sie gehört, wie viele Blinde gesehen, die das Augenlicht zurückbekamen. Wie viele Ausgestoßene, die Jesus umarmt hat. Drei Jahre lang waren sie mit Jesus unterwegs gewesen, Tag für Tag. Aber es genügt nicht. Mutlos schließen sie sich ein, denn: Jesus fehlt. Keine Erfahrung der Welt reicht aus, um ein Leben lang satt zu werden, wenn Jesus fehlt. Darum weint Maria, die starke Frau aus Magdala, und kann nicht aufhören.
Sehnsucht nach Begegnung mit Jesus
Und du? Mag sein, du hast einmal tolle Erfahrungen gemacht in deinem Leben und gesagt: Der Herr meint es gut mit mir! Vielleicht hat er dir aus einer Not geholfen, hat dich von einer Krankheit befreit, oder deine Familie wieder zusammengeführt. Du bist dankbar gewesen, zu Recht. Aber es ist alles schon so lange her. Heute müsstest du sagen: Jesus fehlt. Mag auch sein, du bist vor langer Zeit zum Glauben gekommen. Das war eine Freude – du hättest die Welt umarmen können! Aber seit längerem hast du den Eindruck, das Wissen ist noch da – aber die Begegnung mit Jesus, die fehlt. Wann hast du ihm zuletzt in die Augen gesehen? Wann hat er dich zuletzt erwischt durch ein Bibelwort, eine Predigt, ein Lied? Weißt du noch wie es klingt, wenn er deinen Namen ruft? Glaub mir, er tut es.
Er tut es durch seinen Geist in deinem Inneren, um dich zu trösten in deiner Traurigkeit, um dir beizustehen in deinen Herausforderungen. Um dich zu lehren in seinem Wort und dich zu erinnern an seine Liebe zu dir. Er führt deinen Namen ständig auf seinen Lippen, wenn er vor dem Vater für dich eintritt. Ständig spricht er von dir, ständig ist er um dich bemüht – um dein Herz, um deine Entscheidungen. Jemand sagte einmal: Er trägt dein Bild in seiner Brieftasche! Hat dir das schon mal jemand gesagt?
Jesus spricht uns neu an
Genau das erlebt Maria an diesem Tag: Sie hört, wie Jesus ihren Namen ruft. Die Indizien, anhand derer man es wissen konnte, hatte sie längst gehört und gesehen. Jesu Ankündigung, dass er auferstehen werde, muss sie gekannt haben. Das leere Grab hat sie gesehen, sogar Engel haben mit ihr geredet! Aber das alles ist nicht durchgedrungen zu ihrem verzweifelten Herzen. Es hatte ihren erschütterten Glauben nicht erreicht. Selbst das höfliche Gespräch mit Jesus öffnet ihr die Augen nicht. Eine seltsame Szene! Sie hält ihn für den Gärtner!
Hat sie noch Tränen in den Augen? Sieht Jesus als Auferstandener so anders aus? Wohlgemerkt: Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus erkennen ihn ebenfalls nicht an seinem Aussehen, sondern an seinen Worten und seinem Handeln (Lukas 24,13–35). Er ist nicht mehr einfach der irdische Jesus aus Nazareth, soviel können wir festhalten, obwohl er sein Menschsein und seine Wundmale für immer behält. Jesus dringt nicht durch sein Äußeres zu ihr durch, sondern durch ein einziges Wort: „Maria!“ Er nennt sie beim Namen. Sie fand aus eigener Kraft nicht zu ihm. Aber er findet sie.
Jesus öffnet ihr die Augen des Herzens mit einem einzigen Wort, mit ihrem Namen: „Maria!“ Ganz behutsam dringt seine Stimme durch den Nebel ihrer Trauer. Und an dieser sanften Anrede entzündet sich neuer Glaube, sodass ihr Herz endlich fassen kann, wer da vor ihr steht. Seine Zuwendung geht ihrem Glauben voraus. Sie hört ihren Namen. Er spricht ihn aus wie früher. Nicht wie ein Fremder. Kein Gärtner. Er kennt sie, spricht sie mit Namen an. Und sie kennt diese Stimme.
Neu berührt und ermutigt
Es ist Zeit, den Fokus wieder etwas zu vergrößern. Ich schrieb am Anfang davon, dass wir Maria Magdalena in Großaufnahme zu sehen bekommen. Ihr persönliches Ostern. Doch die Auferstehung Jesu ist mehr als eine persönliche Begegnung mit Maria, mit Petrus, mit dir oder mit mir. Die Auferstehung Jesu hat weltumspannende Bedeutung. Die kleinen Tode, die uns das Leben oft bitter machen, sind Vorboten des einen großen Todes, der am Ende das ganze Leben stiehlt. Sie sind Zeichen unserer Vergänglichkeit und Feinde des Lebens. Der Tod, der mit der Sünde Einzug in diese Welt gehalten hat, ist der große Feind des Lebens. Und das ist wahrhaft ein weltumspannendes Problem!
Und nun das: Als Maria ihren Namen aus dem Mund des vermeintlichen Gärtners hört, ist es bereits eine Tatsache: Der Tod hat ausgespielt! Der Schöpfer des Universums hat sich durchgesetzt! Die Evangelien erzählen das so schlicht, als sei es das Selbstverständlichste überhaupt. Das Grab ist leer, der Tod entmachtet und Jesus besucht seine Jünger! Natürlich: Menschen sterben – weiterhin ist das so. Aber das ist niemals mehr das Letzte. Jesus wird sie aus dem Tod holen. Später hat Paulus es einmal so geschrieben: „Nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden.“ (1. Korinther 15,20 | Gute Nachricht Bibel © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart | GNB)
An Maria Magdalena kannst du es sehen: In einem Moment wird aus einer niedergedrückten Frau ein Mensch mit jubelndem Herzen und einer begeisternden Lebensbotschaft. Sie kam mit schönen Erinnerungen aber verzweifelten Aussichten. Jetzt ahnt sie, dass das Beste noch vor ihr liegt. Es passiert in dem Moment, in dem Jesus deinen Namen ruft und du antwortest: „Mein Herr!“ Der erste Atemzug des neuen Lebens.
Henrik Otto | Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden | praeses.feg.de
- Dieser Artikel ist erschienen in der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE 04/2026 „Ostern hautnah“ | christsein-heute.de >>
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