30. August 2020 | Aktuell CHRISTSEIN HEUTE FeG-Präses Presse

Perspektiven | Sicherheitsbedürfnis

In seinen PERSPEKTIVEN greift Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, einen Aspekt aus dem Leben oder ein Thema aus der öffentlichen Diskussion auf.

Der Hass gab mir Halt“. Diese Schlagzeile bohrte sich in mein Denken und ließ mich nicht mehr los. Mit ihr wurden Berichte über das Geständnis von Stephan Ernst im Mordprozess an dem Politiker Walter Lübke überschrieben. Hass als Haltgeber! Das musste ich erst einmal verarbeiten. In Zeiten gefühlter oder tatsächlicher Unsicherheit funktioniert sogar Hass als Haltgeber. Wenn man sonst nichts hat, dann hat man wenigstens das! Da weiß man, wer „gut und böse“ ist. Während mir diese Gedanken nachgingen, las ich von einer syrischen Psychotherapeutin, die in Syrien praktiziert und berichtet, dass ihre Patienten vor allem ein Thema haben: die Unsicherheit. Sie wissen nicht, was kommt. Sie sind zutiefst verunsichert durch Krieg, getötete Familienangehörige und Freunde und durch ein Regime, das nach wie vor mit dunkelsten Geheimdienstmethoden Menschen einschüchtert.

LATENTE UNSICHERHEIT

Unsicherheit. Es ist nicht das erste Mal, dass ich hier darüber schreibe. Manchmal schreibt und spricht man ja über Themen, die einem selbst nahe liegen. Und ja. In den letzten Monaten habe ich oft eine, wie ich es nenne, „latente Unsicherheit“ empfunden. Ich bin gesund, ich habe ein Dach über dem Kopf, ich lebe in einem recht stabilen Land. Mir geht es also gut! Aber latente Unsicherheit heißt: Ich weiß nicht, wie sich die Coronalage entwickelt. Ich weiß nicht, wie sich die Spendensituation im Bund und den Gemeinden entwickelt. Ich kenne Leute, die um ihre Existenz kämpfen. Diese Fragen begleiteten mich permanent und verursachten ein Gefühl der Unsicherheit. Latent heißt: „vorhanden, aber noch nicht in Erscheinung getreten, nicht unmittelbar zu erfassen“.
Sicherheit ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Manche haben es mehr, andere weniger. Wir Deutschen lieben Sicherheit besonders. Unsere Sicherheitsstandards sind sehr hoch. Aber alle Menschen überall wünschen sich ein Grundmaß an Sicherheit. Sicherheit verbinden wir dann mit Verlässlichkeit. Ich kann mich drauf verlassen, dass die Brücke hält, über die ich fahre. Das Haus steht sicher und damit fühle ich mich auch geborgen. Was unzuverlässige Behörden – oder wer auch immer – verursachen, zeigt das unsägliche Unglück in Beirut Anfang August. Es zeigt, wie wichtig Sicherheitsbestimmungen sind – und dass sie eingehalten werden.

UNSICHERHEITEN AUSHALTEN

Aber es ist auch klar, dass es keine absolute Sicherheit gibt. Versicherungen suggerieren das zwar manchmal, aber sie können kein Unglück verhindern. Sie können höchstens einen gewissen Ausgleich schaffen, wenn mir ein Unglück geschieht. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Und das müssen wir lernen zu akzeptieren. Wir müssen Unsicherheiten aushalten. Nicht zu wissen, was kommt, gehört zum Leben. Denn wenn wir das nicht aushalten, könnte es passieren, dass wir im Hass unseren Halt suchen. Das ist extrem, zeigt aber, wozu wir Menschen in der Lage sind.
Und das andere gibt es auch. Wenn alles zu 100 % abgesichert oder die hundertprozentige Absicherung gesucht wird, dann empfinde ich Unfreiheit. Um mich lebendig zu fühlen brauche ich Situationen, die offen und somit unsicher sind. Ich muss nicht wissen, wie ein Gottesdienst in jedem Detail abläuft. Ich liebe es, nicht immer genau zu wissen, wo ich im Urlaub übernachten werde. Aber ich weiß: Da sind die Geschmäcker und Typen sehr verschieden. Klar ist aber: Das Leben ist unsicher.

LETZE SICHERHEIT DURCH JESUS

Ich bin ich glücklich, dass ich als Jesusnachfolger einen Punkt habe, der mir eine letzte Sicherheit gibt. Im Glauben an Jesus finde ich einen Halt, der mich davor bewahrt, meine Sicherheit im „Schwarz-Weiß-Denken“, in Versicherungen oder in Überregulierungen – auch das gibt es – zu suchen. Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich besagte Schlagzeile las und ich wusste: Wir haben eine existentiell notwendige und heilsame Botschaft für alle Menschen. Letzte Sicherheit gibt es nur bei dem, dem alle Macht gegeben ist, im Himmel und auf Erden, Jesus Christus, dessen Worte bleiben und der Recht sprechen wird, wenn er wiederkommt. Du brauchst Halt. Fragt sich nur, wo Du ihn findest.

Ansgar Hörsting | Präses Bund FeG | praeses.feg.de

Dieser Artikel ist erschienen in der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE 09/2020 >>

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