22. April 2020 | Aktuell Gemeinden Presse

Kindergottesdienst im Wohnzimmer

Auch die sonntägliche Kinderkirche fällt in Zeiten von Corona flach. idea-Redakteurin Julia Bernhard hat bei der Kindergottesdienstreferentin der Freien evangelischen Gemeinden (FeG), Anke Kallauch, nachgefragt, wie man zu Hause das geistliche Leben als Familie aufrechterhält.

Familien sind derzeit gefordert wie nie: Die sonst so perfekt organisierten Tage sind völlig durcheinandergebracht. Und die sonntägliche Auszeit in der Gemeinde, wo alle mal durchatmen können, darf nicht stattfinden. Gerade jetzt hätten Familien solche Momente aber sehr nötig, sagt Anke Kallauch. Sie ist Kindergottesdienstreferentin der Freien evangelischen Gemeinden (FeG). „Diese Quarantänezeit ist anders als Ferienzeiten, in denen wir mal alles ruhen lassen und uns erholen können. Wir brauchen einander jetzt.“ Deshalb möchte sie ermutigen, die Sonntage trotzdem zu nutzen, um gemeinsam einen kleinen Gottesdienst auf dem eigenen Sofa oder auch draußen im Garten zu feiern. „Ich weiß, dass sich viele Eltern generell damit schwertun, geistliches Leben zu Hause zu gestalten. Jetzt sind wir aber gefordert, das auszuprobieren. Die Kinder werden sich freuen, wenn sich alle einmal ganz bewusst Zeit füreinander und für Gott nehmen.“

Nicht nur online gehen

Auf der Plattform YouTube finden Eltern bereits eine ganze Reihe an Online-Kindergottesdiensten. „Auch wir haben einige dieser Angebote auf unserer Homepage erwähnt. Wir haben allerdings ganz bewusst nicht nur digitale Tipps zusammengestellt“, erklärt Kallauch. „Es ist wichtig, miteinander in Kontakt zu kommen. Die persönliche Beziehung zu den Kindern und die Interaktion mit ihnen ist besonders entscheidend.“

Mini-Gottesdienste für daheim

Die Fachfrau empfiehlt, sogenannte liturgische „Mini-Gottesdienste“ zu veranstalten. „Diese kleine gottesdienstliche Form schafft Gemeinschaft, Hoffnung und Freude und macht uns gewiss: Gott ist in unserer Mitte.“ Ein Lied, ein Gebet, eine Bibelstelle gemeinsam entdecken, zum Schluss der Segen – die Familien brauchten für diese Zusammenkünfte kaum Vorbereitung, sagt Kallauch. Die FeG hat für jeden Sonntag einen passenden Vorschlag bereitgestellt, für zusätzliche eigene Ideen ist dabei aber immer Platz. Materialien würden nur wenige benötigt, „nichts, was man nicht im heimischen Schrank findet“. Schon nach dem ersten Sonntag habe ihr Team dankbare Rückmeldungen erhalten: „Manche haben geschrieben, sie hätten zum ersten Mal gemeinsam gesungen oder zum ersten Mal erlebt, wie ihre Kinder für andere gebetet haben. Wir lernen also viel Neues voneinander.“

Nicht zu anspruchsvoll sein

Kallauch betont, bei den Inhalten sei es enorm wichtig, nicht nur auf die Corona-Krise Bezug zu nehmen. „Wir sollten uns auf die aktuellen Zeiten im Kirchenjahr beziehen und in der Bibel lesen. Die Natur erwacht gerade, das ist etwas Positives und Hoffnungsvolles. Das müssen wir in den Fokus rücken.“ Natürlich müsse man mit seinen Kindern in dieser Zeit auch über Ängste reden. „Das ist sehr hilfreich. Aber wir können ihnen Mut machen und unsere Sorgen gemeinsam in Gebeten abgeben.“

Die Expertin empfiehlt, die Latte beim sonntäglichen Familiengottesdienst im eigenen Wohnzimmer nicht zu hoch zu hängen. „Die Eltern sollten nicht zu anspruchsvoll sein – vor allem, wenn sie so etwas zum ersten Mal machen. Eine Stunde Gottesdienst würde wohl alle überfordern.“ 20 Minuten seien eine realistische Zeit, sagt Kallauch.

Mitarbeiter, bleibt erreichbar!

Auch die Kindergottesdienst-Mitarbeiter, die nun jeden Sonntag zur Untätigkeit gezwungen sind, sollten trotzdem weiterhin aktiv bleiben und mit den Kindern in Kontakt treten, fordert Kallauch. „Es muss sich nicht jeder Mitarbeiterkreis Gedanken machen, wie man einen Online-Kindergottesdienst produziert. Sie können auch kleine Videos aufnehmen, die über einen E-Mail-Verteiler an die Familien geschickt werden, oder einfach eine Postkarte an die Kleinen senden.“ Die Kinder schätzten die Beziehungen mit den Mitarbeitern. Gerade für die Jüngeren sei das wichtig: „Wir wollen uns ja nach dieser Krise wieder gesund und munter im Gemeindehaus treffen und uns in der Zwischenzeit nicht fremd geworden sein.“

Abdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung von idea.de >>

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