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Perspektiven
Gedanken von Präses Ansgar Hörsting

In seinen monatlichen PERSPEKTIVEN greift Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, regelmäßig einen Aspekt aus dem Leben oder ein Thema aus der öffentlichen Diskussion auf.

 

Mehr als ein Kreuzchen

Wir haben die Chance der Wahl. Ende September wird ein neues deutsches Parlament gewählt. Alle Wahlberechtigten sind aufgefordert, ihre Stimmen abzugeben. Viele Fragen gehen durch meinen Kopf: Wen soll ich wählen? Was ist wichtig? Was kann und soll ich von Parteien und Politikern erwarten? Wie wollen wir als Gesellschaft in Deutschland und global leben? Die Deutsche Evangelische Allianz hat ein wertvolles Impulspapier zur Bundestagswahl veröffentlicht. Es trägt den Titel: „Ich will dich segnen und Du sollst ein Segen sein“ (nach 1. Mose 12,2) und ist abrufbar auf deren Homepage (www.ead.de). Ich ergänze dieses Papier mit drei Gedanken

Wir leben unter Bedingungen, die gut sind

Genau das müssen wir uns – in Deutschland lebend – immer wieder vor Augen führen. Wir leben seit Jahrzehnten ohne Krieg auf deutschem Boden! Wann gab es das jemals zuvor? Wir haben recht stabile wirtschaftliche Verhältnisse und ein hohes Maß an Rechtssicherheit. Wenn ich Schmerzen habe, bekomme ich – früher oder später – einen Termin beim Arzt. Wer heute geboren wird, hat gute Chancen, über 90 Jahre alt zu werden. Wenn ein Mensch dann noch Freunde hat, Familie genießt und ein Fest feiern kann, dann ist mehr wohl kaum zu erwarten. Wenn wir Ende September wählen, dürfen wir nicht vergessen, dass wir in einem Land leben, nach dem sich viele Menschen weltweit sehnen. Dies weiter zu gestalten und zu bewahren, ist ein hohes Ziel.

Wir leben niemals in einer idealen Welt

Das Andere muss genauso bedacht werden: Diese Welt ist und bleibt eine umkämpfte, gefallene und leidende Welt. Ich sage das nicht leichtfertig und will damit vor allem keineswegs einer fatalistischen Haltung das Wort reden, die sagt: „Man kann sowieso nichts ändern!“ Doch gehört es zu einer gesunden christlichen Lehre, zur Kenntnis zu nehmen, dass Politik nicht den Himmel auf Erden schaffen kann. Und dass bei allen Bemühungen manches ungerecht bleibt. Ein Seufzen durchzieht das menschliche Leben (vgl. Römer 8). Seufzen ist Ausdruck von ungelösten  Problemen. Das klingt unbequem, ist aber real. Alle Versuche, den Himmel auf Erden zu bringen, enden in totalitären Systemen und Zwangsbeglückung, sei sie christlich, kommunistisch oder sonst wie begründet. In dieser Welt zu leben ist schön, bringt aber auch Unrecht hervor. Geseufzt wird immer. Wer mehr will und erwartet, dass es hier auf der Erde keinen Grund zum Klagen gibt, der überfordert jede Politik. Wenn wir in Deutschland wählen gehen oder uns politisch als Nachfolger Jesu engagieren, sollten wir dieses gesunde Maß an Realismus mitbringen.

Wir können wählen und uns engagieren

Gewählt hat man in wenigen Minuten. Für viele ist das ihr einziges politisches Engagement. Das ist möglich und jedem steht es frei, sich danach wieder zurückzuziehen. Aber es steht auch jedem frei, sich zu engagieren: ob als Politiker, in Vereinen oder in Schulen. Oder als Gemeinden in den Stadtteilen und Orten: Wir können etwas bewegen. Aber nur dann, wenn wir mehr als ein Kreuz machen. Demokratie lebt von engagierten Bürgern! Wir als Christen sollen mitmischen und dürfen uns nicht verschrecken lassen, wenn wir für bestimmte Ansichten kritisiert werden. Manche Christen regen sich auf, wenn ihre Ansichten gesellschaftspolitisch nicht geteilt werden: sei es bei der „Ehe für alle“, sei es in ihrem Engagement für „Flüchtlinge“ oder in anderen Bereichen. Ich bin Gott dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem wir uns einbringen können! Es ist eine großartige Gelegenheit, die Gott uns gibt.

Wo auch immer wir unser Kreuz auf dem Wahlzettel setzen: Gott hat ein Kreuz ganz anderer Art gesetzt – das Kreuz, an dem Jesus starb. Da hat er klargemacht, dass er für uns und für diese Welt ist! Gott segnet uns. Also lasst uns ein Segen sein, denn das ist unsere Berufung. Wir laufen nicht dem  Zeitgeist hinterher, wenn wir uns  liebevoll, dankbar und fröhlich in unserer Welt einsetzen. Wir sind nicht von dieser Welt, aber in dieser Welt, vor und nach dem Wahltag.

Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden

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