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Perspektiven -> Gedanken von Präses Ansgar Hörsting

Das Heil für Juden

In seinen monatlichen PERSPEKTIVEN greift Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, regelmäßig einen Aspekt aus dem Leben oder ein Thema aus der öffentlichen Diskussion auf.

Die EKD-Synode hat im November 2016 ein Papier verabschiedet, das in der Presse meist überschrieben wurde mit „Nein zur Judenmission“. Darin findet sich der Satz: „Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in die Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“ Aber alles schön der Reihe nach.

Die Überschrift

Die Überschrift lautet „‘… der Treue hält ewiglich.‘ Psalm 146,6 – Eine Erklärung zu Christen und Juden als Zeugen der Treue Gottes.“ Es geht also um die Treue Gottes! Und darum, dass Christen und Juden Zeugen dieser Treue sind. Das klingt sehr gut und ist wirklich ein zentrales Thema. Denn an der Treue zu Israel zeigt sich Gottes Treue. Und wenn er nicht zu seinen Verheißungen zu Israel, zu den Juden stünde, wie könnte sich jemand auf Jesus Christus verlassen? Der Römerbrief macht dies mehr als deutlich. Und dennoch sagt der Text selbst, dass es eben auch um „Judenmission“ geht.

Der Text

Ich lese den ganzen Text. Manche historische Einordnung wird gegeben. Und viel Gutes wird gesagt. Dass wir Christen durch Jesus mit Israel bleibend verbunden sind. Dass der Antisemitismus auch in Kirchen und unter Christen zu finden sei. Dass das Verhältnis zu Israel zur Glaubensgeschichte der Christen dazugehöre! Dass Begegnungen auf Augenhöhe bereichernd seien und man viel voneinander lernen könne. Und auch – ja –, dass man einander behutsam den eigenen Glauben, das eigene Verständnis von Gott bezeugen wolle. Schließlich, dass die „Begegnung mit unterschiedlichen Formen jüdischer Glaubenspraxis zu einem tieferen Verständnis des eigenen christlichen Glaubens führe“. Das alles und noch mehr finde ich hilfreich und ich meine, da gibt es noch eine Menge zu lernen.

Was nicht im Text steht

Aber warum wurde kein einziges Wort verloren über die Juden, die Jesus als Messias ansehen, als Heil für die Juden und alle Welt? Sie gab es immer, durch alle Jahrhunderte hindurch. Und sie stehen in der Tradition der ersten Gemeinden. Die Jünger waren Juden, Paulus war Jude. Und sie erkannten in Jesus das Heil. Sie erkannten in Jesus die Treueerklärung Gottes zu allen Menschen! Das Besondere damals war, dass das Heil nicht nur Juden, sondern sogar auch Heiden galt. Wunderbar. Der Jude Jesus als Heil für alle Völker. Wirklich alle, aber eben auch der Juden. Wer könnte das verschweigen, wenn es um Gottes Treue geht? Alle Juden, die Jesus als Messias anerkennen, werden im EKD-Text ausgeklammert, um des Dialoges mit den Juden insgesamt willen. Das tut weh. Es mag schwer sein, als Deutscher den Juden hier etwas zuzumuten. Ich glaube aber, dass das sein muss. Behutsam, demütig, aber doch klar.

Warum dieser Satz?

Mittendrin steht dieser Satz, der das Thema dominiert und den ich zehnmal lesen muss. Christen seien „nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen“. Okay, „weisen“ ist auch wirklich ein starkes Wort. Wenn man das so zuspitzt, muss man es wohl ablehnen. Ich weise niemandem den Weg, ich weise auf Jesus, den Weg, hin! „Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und Erwählung Israels.“ Okay, „zum Religionswechsel bewegen“ ist nicht das, was im Kern von „Mission“ steht, das hätte sich langsam herumsprechen müssen. Gebraucht man solche Formulierungen, dann muss man sagen: „Das wollen wir nicht.“

Aber wem ist damit geholfen?

Mission ist doch die überzeugende Einladung in die Königsherrschaft Gottes im Namen Jesu Christi, des Juden und des Sohnes Gottes. Sie bedeutet auch nicht, jemandem den „Weg zu weisen“, und sie bedeutet doch nicht, jemanden „zum Religionswechsel zu bewegen“. All das zeigt nur: Je enger ich etwas formuliere, desto leichter kann ich es ablehnen. Der Satz ist also einfach überflüssig. Der gesamte Text hätte gewonnen, wenn man gesagt hätte, dass man übergriffige Unarten von Mission ablehnt, aber dass man sich freut, wenn Christen in einer jesusgemäßen Weise Gottes Liebe und Heil in diesem Jesus von Nazareth bezeugen. Aber ohne Jesus kein christliches Zeugnis. Und ohne Mission keine Kirche.

Es gibt aufgrund der historischen Belastung gute Gründe, gerade Juden gegenüber extrem feinfühlig und demütig zu sein. Aber Jesus ist das Heil für jeden Glaubenden, den Juden zuerst und auch den Heiden (Röm 1,16-17). Alle historische Schuld und Arroganz in der Kirchengeschichte heben diesen biblischen Anspruch nicht auf.

Siehe auch:Opens external link in new windowEKD-Papier

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