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Perspektiven
Gedanken von Präses Ansgar Hörsting

In seinen PERSPEKTIVEN greift Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, regelmäßig einen Aspekt aus dem Leben oder ein Thema aus der öffentlichen Diskussion auf.

 

Bibel als Quelle der Freude

Die Bibel ist Gottes Wort. Gottes Wort macht lebendig und verändert die, die es hören oder lesen. Für uns als Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) ist die Bibel verbindliche Grundlage für Glauben, Lehre und Leben. Die FeG Bundesleitung (BL) hat einen Grundlagentext verabschiedet, der erklärt, wie das zu verstehen ist. Ich möchte erläutern, warum ich dieses Papier so gut finde.

1. Weil der Titel „Gottes Wort im Menschenwort“ genau zutrifft.

Dieser Titel hat eine starke Geschichte im Bund FeG. Gerhard Hörster, früherer Rektor des Theologischen Seminars in Ewersbach, hat diese Formel in unseren Gemeinden stark gemacht. Andere haben daran angeknüpft, und so hat sich dieses Verständnis bei vielen FeG-Leuten vertieft. Die Bibel hat immer diese beiden nicht zu trennenden Dimensionen. Sie ist Gottes Wort und dieses Wort Gottes begegnet uns als Wort von Menschen. Ich finde es stark, dass dieser breite Strom an Gedanken und diese prägende Formel im aktuellen Papier aufgegriffen und erläutert werden.

2. Weil die Autorität der Bibel gut begründet wird.

Sie hat nicht Autorität, weil wir die richtigen Beschreibungen finden, nicht, weil Menschen die Bibel vor Angriffen schützen. Das Papier der Bundesleitung macht deutlich, dass die Autorität der Bibel darin begründet ist, dass uns in ihr Jesus Christus verbindlich und gültig bezeugt wird, weil wir nur durch sie von ihm wissen. Die Autorität der Bibel liegt darin, dass Gott sich durch die Bibel offenbart hat und es bis heute tut. Der Heilige Geist bedient sich dieser Schriften, um Glauben zu wecken, Menschen zu ermutigen oder zu korrigieren. Das ist das Ziel der Bibel. Diese Schriften haben sich als mächtig erwiesen. Das festzuhalten, ist wichtig: Gott selbst gibt der Bibel Autorität, nicht Menschen. Das macht die Bibel zur Quelle des Glaubens und der Lehre.

3. Weil beschrieben wird, was die Bibel ist.

Die Bibel ist entstanden. Sie ist gewachsen über Jahrhunderte. Das Papier der BL beschreibt diese Prozesse in ihren wesentlichen Zügen, und auch hier wird deutlich: Bei aller Menschlichkeit ist es Gott, der dafür gesorgt hat, dass sich ein Kanon gebildet hat. Menschen haben nachvollzogen, was Gott in der Geschichte getan hat. Die Schriften des Alten und des Neuen Testamentes sind gesammelt worden, aber sie sind normativ, weil sie sich im Leben der Glaubenden und der Gemeinden durchgesetzt haben. Darin erkennen wir Gottes Wirken statt menschliche Willkür. Deswegen sind auch alle diese Schriften und Texte als Gottes Wort zu lesen und zu empfangen.

4. Weil Jesus Christus als Mitte der Bibel hervorgehoben wird.

Für uns als Bund FeG ist der Glaube an Jesus Christus entscheidend. Jesus rettet, er hält, bewahrt und vollendet die Geschichte. Warum ist er die Mitte unseres Glaubens? Weil wir glauben, dass er die Mitte der Bibel ist. Mir ist immer wichtig gewesen, dass kein Gegeneinander von „Bibel“ und „Jesus Christus“ konstruiert wird, wie einige es machen. Aber zugleich ist nicht alles in der Bibel von gleichem Gewicht. Das merkt jeder, der die Bibel liest, sehr schnell. Deswegen ist es gut und hilfreich, die Bibel mit Jesus Christus als Höhepunkt und Mittelpunkt der Geschichte zu verstehen. Er ist das fleischgewordene Wort Gottes – und die Bibel das schriftgewordene Wort Gottes. Ohne die Schrift können wir nichts von Jesus Christus wissen. Ohne Jesus Christus könnten wir die Schrift nicht wirklich verstehen.

5. Weil die Bibel als Menschenwort ernst genommen wird.

Die Bibel ist von Menschen in bestimmten Situationen geschrieben worden. Ihre Aussageabsichten zu erforschen, gebietet der Respekt vor der Bibel. Und Hand aufs Herz: Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, dass er Bibeltexte über viele Jahre ganz falsch verstanden hat und irgendwann erkannte: Es verhält sich ganz anders. Es ist Gottes Wort, das in dieser menschlichen Gestalt daherkommt. Deswegen braucht es beim Verstehen und Auslegen der Bibel sowohl nachvollziehbare Methoden als auch das Wirken des Heiligen Geistes.

6. Weil es ein Wunder bleibt, dass Gott redet.

Es ist erstaunlich: Trotz der Geschichte, trotz vieler Missverständnisse, trotz verschiedener Übersetzungen und obwohl uns die Schriften im handschriftlichen Original nicht vorliegen, redet und wirkt Gott. Ich finde es stark, dass das immer wieder hervorgehoben wird. Zugleich bleibt klar, dass die Bibel nicht erst beim Lesen zum Wort Gottes wird, sondern es schon ist. Sie ist uns als Wort Gottes gegeben.

7. Weil festgehalten wird, was gilt.

Die Bibel ist in allen Fragen des Heils und der Lebensführung zuverlässig und hat höchste Autorität. So hält es die Evangelische Allianz fest und so beschreiben wir es als FeGs. Das ist wichtig, weil nicht nur Aussagen über Jesus Christus, sondern eben auch Fragen über unsere Lebensführung von der Bibel her zu beantworten sind. Für uns als Freie evangelische Gemeinden ist das Gewissen des Einzelnen ein hohes Gut. Und das soll es auch bleiben. Aber dieses Gewissen soll an Gottes Wort gebunden sein und sich von ihm verändern und prägen lassen. Außerdem darf die Berufung auf das Gewissen des Einzelnen nicht zu einer Willkür werden. Die Bundesleitung betont, dass wir darum ringen müssen, die Bibel auch gemeinsam zu verstehen und, wenn es irgend möglich ist, zu gemeinsamen Schlussfolgerungen zu kommen.

8. Weil Missverständnisse angesprochen werden.

Man kann die Bibel mit bestem Gewissen lesen und doch missverstehen. Das Papier der BL weist darauf hin, dass man z. B. einzelne Stellen aus ihrem Zusammenhang reißen und ohne Bezug auf Jesus Christus missbrauchen kann. Ich bin sicher, dass diese Gefahr so groß ist, dass man darauf aufmerksam machen muss. Und: Niemand ist davor gefeit.

9. Weil es um das Leben und nicht „nur“ um theologische Papiere geht.

So etwas in einem Papier, in dem es um theologische Klärungen geht, zu lesen, finde ich mutig. Das entspricht ganz einer guten FeG-Gepflogenheit, nämlich, dass es uns nicht um die „korrekten Formulierungen“ geht, sondern um gelebte Liebe und um konkret werdenden Glauben.

Das sind die wesentlichen Gründe, warum ich den Grundlagentext so gut finde. Aber lesen Sie selbst. Vor allem: Lesen Sie die Bibel selbst. Alleine und in Gemeinschaft. Und lassen Sie uns die Bibel immer wieder entdecken als eine Quelle der Freude und nicht des Streits. Als ein festes Fundament für unser Leben und nicht als festgefahrenes Bollwerk unserer Besserwisserei. Ich bin sicher, dass wir die Bibel dann erfahren werden als einen Schatz, das Buch schlechthin, Gottes Wort.

Noch etwas zur Einordnung. Als Bundesleitung ist uns bewusst, dass mit diesem Text kein „letztes Wort“ gesagt ist. Zugleich ist der Text mehr als ein Diskussionsbeitrag, weil wir von der Bundesgemeinschaft beauftragt sind, „wegweisende Empfehlungen“ zu geben. In diesem Bewusstsein vertrauen wir darauf, dass die Gemeinden und Gemeindemitglieder diesen Text ernsthaft erwägen und sich zu eigen machen, wann immer es geht, was eine Diskussion nicht aus-, sondern einschließt.

Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden

 

Gottes Wort im Menschenwort

Opens external link in new windowDie Stellungnahme der FeG Bundesleitung ist hier downloadbar >>