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Neviandt-Preis 2021 geht an Dr. Johannes Demandt

Neviandt-Preis verliehen an Dr. Johannes Demandt

Tag der FeG-Geschichte im Kronberg-Forum

Am 7. November 2021 fand der Tag der FeG-Geschichte im Kronberg-Forum Ewersbach statt. In dessen Verlauf wurde der Neviandt-Preis an Dr. J0hannes Demandt verliehen für Verdienste um die ältere und jüngere FeG-Geschichte. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Andreas Heiser, Rektor der Theologischen Hochschule Ewersbach, den Festvortrag Dr. Wolf-Friedrich Schäufele, Professor für Kirchengeschichte, Universität Marburg.

Aus der Geschichte lernen

Die rund 100 in Präsenz und per Livestream anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten unter den musikalischen Einstimmungen von Theda und Dr. Reinhard Hönig aus Mönchengladbach das abwechslungsreiches Programm unter der Leitung von Julia Bothe, Pastorin der FeG Siegen Mitte.
Im Interview betonte Prof. Dr. Wolfgang E. Heinrichs, dass der Tag und die Arbeit des Historischen Arbeitskreises (HAK) die Geschichte Gottes mit unserem Bund ins Bewusstsein hole, mit dem Ziel, aus ihr zu lernen. Erich C. Brenner lud die Anwesenden dazu ein, sich aktiv im HAK zu beteiligen.

Beiträge zur FeG-Geschichte

Dr. theol. Johannes Demandt (Jahrgang 1952) war nach Lehrtätigkeiten im Kongo und am Theologischen Seminar Ewersbach des Bundes FeG von 2004–2016 Pastor der FeG Düsseldorf und ist Lehrbeauftragter für Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach.

Neben vielen Zeitschriftenbeiträgen gehören zu seinen wichtigsten Arbeiten: Johannes Daniel Falk. Sein Weg von Danzig über Halle nach Weimar (1768–1799), Arbeiten zur Geschichte des Pietismus 36, Göttingen 1999, und die Herausgabe von: Freie evangelische Gemeinden, Die Kirchen der Gegenwart 4 = Bensheimer Hefte114, Göttingen 2012. Derzeit arbeitet er an einem Band über den niederrheinischen Mystiker Gerhard Tersteegen (1697-1769).

Veranstalter ist der FeG Historische Arbeitskreis des SCM Bundes-Verlags, eine Initiative des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Kooperation mit der Theologischen Hochschule Ewersbach.

Weitere Infos und Downloads

  • Infos zum HAK, die Aufzeichnung und Fotos des Tages der FeG-Geschichte| hak.feg.de >>
  • Möglichkeit zur Vorbestellung des neuen Tersteegen-Buches von Johannes Demandt finden sich unter hak.feg.de >>
  • Einladung zum Tag der FeG-Geschichte | PDF

 

Laudatio | Neviandt-Preis an Dr. Johannes Demandt

Von Prof. Dr. Andreas Heiser

Werte Festversammlung, vor allem aber lieber Johannes Demandt, liebe Jutta, ich spreche Dich, Jutta gleich mit an. Denn an den Dingen, die für Deinen Mann nun lobend zu sagen sind, hast Du erheblichen Anteil. Es ist mir eine riesige Freude und eine Ehre zugleich, die Lobrede auf meinen verehrten Lehrer, späteren Kollegen, heutigen Gastdozenten an unserer Hochschule und Mitstreiter an der Arbeit für Theologie und Geschichte unseres Bundes Johannes Demandt zu halten.

Lieber Johannes, heute verleiht dir der Historische Arbeitskreis (HAK) des Bundes Freier Evangelischer Gemeinden, der ja eine Zusammenarbeit des Bundes, des SCM Bundes-Verlags und der Theologischen Hochschule Ewersbach ist, den Neviandt-Preis. Wir haben gehört, Heinrich Neviandt ist der Namensgeber unseres Preises, weil er eben zu den ersten ausgebildeten Theologen unseres Bundes gehörte und zugleich auch hauptamtlicher Pastor unseres Bundes war. Er hat den Bund in der Frühphase theologisch geprägt, und er hat mit seinen Erinnerungen aus dem Leben des am 25. Dezember 1869 entschlafenen Kaufmannes Hermann Heinrich Grafe eine erste Geschichtserzählung ans Licht der Welt gebracht und damit eine Erinnerung geschaffen, auf die wir uns bis heute noch berufen. Denn man konnte ja nicht wissen, welche Zukunft 1869 ein solcher Bund haben würde.

Und so ehren wir Dich, Johannes, für Dein theologisches und historisches Schaffen in unserem Bund. Johannes, weil Du alles drei, was Neviandt ausmachte, auch in Deiner Person vereinst: die Theologie, den Pastorenberuf und die Prägung von Menschen durch Lehre und durch historische Arbeit.

Ich möchte in wenigen Strichen entfalten, warum das so ist und welche Lebensleistung dahintersteckt. Das kann ich nur in wenigen Minuten tun und weiß dabei, wie wenig die Skizze auch nur an den Saum des Gewandes reicht, das Dir eigentlich zu tragen gebührt. Ich spreche, das sage ich, ich spreche, das sage ich vorab, in mehrfacher Hinsicht befangen. Zum einen rede ich ja als Leiter der Einrichtung, an der Du lange Zeit gearbeitet hast und immer noch arbeitest. Zum anderen rede ich als Dein Schüler, denn ich habe 1993 bis 1998 bei Dir die Grundzüge und die Vertiefung der Systematischen Theologie erlernt und studiert. Wo soll ich also anfangen? Die antike Rhetorik rät: „Fang bei der Lobrede an, bei der Geburt oder besser noch vor der Geburt bei den außergewöhnlichen Vorfahren.“

Wenn wir also auf die frühkindliche Prägung von Johannes Demandt schauen, dann stehe ich in der Gefahr, als Historiker den späteren großen Mann schon im Kindesalter zu entdecken oder entdecken zu wollen. Aber mit aller Vorsicht sind doch zwei Momente zu benennen. Du bist bereits frei-evangelisch aufgewachsen, deine Mutter war FeG-Mitglied und Du hast in späteren Jahren als Abiturient in Netphen in der Sonntagsschule mitgearbeitet – so das Ergebnis meiner kleinen „Oral History“-Recherche. Damals hast Du auch die Kinder von Günter Bahr geschult, ja erfolgreich geschult und im Christentum unterrichtet. Neben der frei-evangelischen Wurzel ist aber auch die andere Wurzel zu benennen: Dein Vater stammte aus der alten Versammlung. Mit viel Mutmaßung könnte man jetzt also sagen, dass Deine spätere evangelische Weite immer auch eine Gegenbewegung zu der väterlichen Prägung gewesen ist und Deine grundsätzliche Positionierung im Evangelischen hier in der Kindheit ihren Anfang nahm. Aber wir wissen, dass Dein Vater bereits die Engführungen der Versammlungsfrömmigkeit überwunden hatte.

Schauen wir auf Dein Wirken als Historiker und als Theologe, dann ist die Arbeit an der Geschichte und Theologie unseres Bundes für Dich kein Selbstzweck, Johannes. Dir liegt nämlich daran, innerhalb unserer Freikirche theologische Klärungsprozess anzustoßen und voranzutreiben. Und dieses Ziel hast Du in Deinen verschiedenen Rollen als Pastor, als Wissenschaftler und als Lehrer in allen mündlichen und schriftlichen Gattungen der Theologie verfolgt. Du kamst seinerzeit ja schon als erfahrener theologischer Lehrer hier an diese Hochschule. Du hattest bereits in Eurer Tätigkeit als Missionare der Rheinischen Mission im Kongo – einige Eurer Kinder sind damals dort geboren worden – theologische Ausbildung betrieben dort und dann auch bei uns am damaligen Theologischen Seminar war es im Fach Dogmatik ja dein tägliches Geschäft, Theologie zu betreiben in Geschichte und Systematik. Denn die Dogmatik stellt die christliche Botschaft nach thematischen Gesichtspunkten geordnet dar und zeigt, wie unterschiedliche Aussagen des christlichen Glaubens zusammenhängen. Du hast auf dem Boden des biblischen Zeugnisses und in reformatorischer Perspektive den christlichen Glauben nach seinen zentralen Inhalten und nach seinen praktischen Handlungsorientierungen wissenschaftlich und systematisch, also als klar gegliedertes Ganzes denkend, entfaltet. So hast Du den christlichen Glauben auf die jeweilige Situation bezogen und so die christliche Wahrheit immer gegenwärtig verantwortet.

Du warst und bist ein theologischer Denker für unseren Bund. Wenn man mal Deine Beiträge anschaut im Jahrbuch für evangelikale Theologie, den Theologischen Beiträgen, den Theologischen Impulsen, dem Theologischen Gespräch, dem Gärtner-Forum, Treffpunkt Bibel, CHRISTSEIN HEUTE und der Freikirchen-Forschung nicht zuletzt deine Vorträge bei den Theologischen Wochen hier im Hause nach den Vorträgen der ökumenischen Fachtagungen nachspürt, dem Lehrgang für Bibelauslegung die Vielzahl von Predigten hört, dann kommt man auf eine sehr, sehr große Bandbreite Deines theologischen Schaffens und Denkens. Deine Arbeiten lassen auf zwei Voraussetzungen schauen und lassen diese erkennen: Lebendiger Glaube will und muss historisch grundiert, und er muss gegenwärtig durchdacht werden. Und dabei zeigen Deine Schwerpunkte die Leidenschaft für grundsätzliche theologische Klärungen. Fragen wie: Was ist eigentlich der Mensch? Wie verstehen wir die Heilige Schrift? Wie verstehen wir Kirche und Gemeinde? Was bedeutet Rechtfertigung durch den Glauben an Jesus Christus heute? Was ist das Wesen von Taufe, von Abendmahl, von Predigt? Und wie kann der christliche Glaube heute überhaupt noch sagen, er sei allein vertretend und allein geltend? Dominant ist in deinem Schaffen die durchgängige Frage, wie wir den christlichen Glauben vor dem Forum der gegenwärtigen Lebenswelt als Wahrheit verantworten können. Und bei diesem Bemühen um grundsätzliche Klärungen hast Du immer wieder betont, dass Freie evangelische Gemeinden zuerst eben evangelische Gemeinden sind, danach erst frei-evangelische, aber nie bitte freie Gemeinden und auch nicht evangelikale Gemeinden. Dass Du als Dogmatiker den Preis für die Arbeit an der Theologie unseres Bundes reichlich verdient hast, das liegt also offen da.

Warum aber bekommst Du diese Ehrung als Historiker? In Deiner Zeit an unserer Hochschule ist bei Professor Gustav Adolf Benrath in Mainz, er wäre dieses Jahr 90 Jahre alt geworden, Deine Dissertation von 1997 entstanden, in der Du die erste Lebenshälfte des Danziger Literaten Johannes Daniel Falk auf solider Quellenbasis historisch biografisch nachgezeichnet hast. In Deiner äußerst anschaulichen Darstellung erleben wir den Dichter des heute meist gesungenen Weihnachtsliedes „O du fröhliche“ in seiner theologischen Entwicklung. Dein Falk-Buch kann noch immer, gerade im Hinblick auf die literarischen Untersuchungen als das grundlegende biografische Standardwerk zu Johannes Daniel Falk gelten. Und ohne dem Verdacht der genreüblichen Vermischungen zwischen Dir und Deinem Untersuchungsgegenstand zu erliegen, wird man doch Ähnlichkeiten zwischen Dir und Johannes Daniel Falk entdecken dürfen. Du hast in deinem theologischen Schaffen das Anliegen deiner Zentralfigur umgesetzt und nach Vernunftgründen für den christlichen Glauben und die christliche Wahrheit gesucht. Sodann hat Daniel Falk aufgrund der Erfahrung eigener Benachteiligung in seiner Kindheit die Frage nach sozialer Gerechtigkeit umgetrieben. Die Frage, wie die Parteinahme Gottes für die Rechtlosen, die wir in der Bibel sehen, gesellschaftlich relevant gelebt werden kann, die bewegt auch Dich zeitlebens. Wie Daniel Falk seinerzeit prangerst auch Du den egoistischen Missbrauch von Wohlstand an. Du teilst mit ihm auch die Auffassung, dass man dem gesellschaftlichen Niedergang entschlossen mit dem in der Liebe tätigen Glauben begegnen muss und das auch kann. Und Du würdest angesichts der Migrationsproblematik heute mit Daniel Falk rufen: „Lasst uns nicht nur fromm oder geistlich reden, sondern nach Kräften was wirklich Hilfreiches tun.“

Neben Deiner Dissertationsschrift bietet ein eindrückliches Zeugnis des Zusammenspiels von Geschichtswissenschaft und Dogmatik das von Dir herausgegebene Buch in der Reihe der Bensheimer Hefte über die Freien evangelischen Gemeinden in Europa, ihre Geschichte und ihre Ausbreitung und Lehre, das auch nachher im Foyer noch zu erwerben ist. Du hast darin unter anderem den Beitrag über die Lehre in den Freien evangelischen Gemeinden geschrieben. Das ist ein Kunststück, Johannes, die Lehre in einer kongregational verfassten Kirche darzustellen. Einen Anfang hast Du gemacht. Wir hoffen, es folgt noch mehr.

Derzeit bereitet der Historische Arbeitskreis den Druck Deines neuesten Buches unter dem Titel „Evangelium und Lebenshingabe. Gerhard Tersteegen und der frühe Pietismus, die niederrheinische Erweckungsbewegung und die Freien evangelischen Gemeinden“ vor. Dieses Buch Johannes von Dir ist äußerst wichtig für unseren Bund. Es zeichnet nämlich mit gekonnten historischen Strichen die Wurzeln und die Vorgeschichte unserer Frömmigkeit nach. Beim Lesen wird einem sofort klar: Der Pietismus war die bedeutendste Frömmigkeit und Reformbewegung des kontinentalen Protestantismus seit der Reformation. Er war eine Bewegung zur Erneuerung von Kirche, Theologie und Frömmigkeit aus der erfahrbaren Lebenskraft des Heiligen Geistes. Und Dein Buch inspiriert, diese Frömmigkeit neu für uns und unseren Bund zu entdecken. In der Einleitung sagst Du es treffend selbst: „Letzten Endes geht es darum, aus dem nahrhaften Erdreich des geschichtsmächtigen Handelns Gottes und seines Wortes die Lebensmittel zu beziehen, die wir uns selber nicht geben können.“ Ich kann mich mit dem Anpreisen des Buches kürzer fassen, denn es wird gleich im Werbeblock von Erich Brenner noch Möglichkeiten geben, dem Buch näher zu kommen. Durch Deine intensive und kontinuierliche Grundlagenarbeit warst du präpariert, Johannes, wenn man auf die Wirkungen Deines Wirkens schaut, gemeinsam mit anderen, dem Bund Freier evangelischer Gemeinden eine vernehmbare Stimme im zwischenkirchlichen Gespräch zu geben. Das hast Du über viele Jahre hin unter anderem getan als Delegierter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), als Vertreter der Freien evangelischen Gemeinden im Dialog mit der römisch-katholischen Kirche und mit Mitgliedern als Mitglied der Arbeitsgruppe „Evangelium und Weltverantwortung“ warst Du aktiv in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Wie in der Parallelisierung mit dem Wirken Falks schon angedeutet, wird darin ein weiteres wichtiges Anliegen deiner Arbeit damit erkennbar: „Gelebter und durchdachter Glaube führt zur Mitgestaltung unserer Welt durch einzelne Christen und durch die Gemeinschaft von Kirchen und Freikirchen.“ Mit diesem Anliegen hast Du im Jahre 1998 den Gesprächskreis für soziale Fragen (GsF) gegründet und hast ihn bis 2013 als Vorsitzender geprägt. Unter dem Titel „MitGedacht“ veröffentlicht der Gesprächskreis Schriften zu sozialen, sozialpolitischen und politischen Fragestellungen unserer Zeit. Die Publikationen finden in unseren Gemeinden erheblich Anklang. Aber ich bin der Meinung, sie müssten noch eine größere Reichweite haben und noch mehr Beachtung finden. Wie Grundlagenarbeit und Gemeindearbeit in Dir zusammenfinden, das wird noch sehr schön deutlich im „Forum verheißungsorientierte Gemeindearbeit“, einem Themen zentrierten Pastoren treffen, dass Du mitverantwortet hast, und in dem Fragen praktischer Gemeindearbeit theologisch reflektiert werden.

Ich müsste noch Vieles sagen, ende aber mit einem persönlichen Wort. Persönlich danke ich Johannes Demandt für die Weite im Denken. Ich habe als junger Student von Dir gelernt: Die theologische Arbeit liegt nicht ein für alle Mal „fest gemauert in der Erde“, sondern sie will immer neu durchdacht und im Denken neu bestimmt werden. Ich danke Dir für Deine ansteckende Liebe zur Literatur und zum Buch. Im Zeitalter des schnell geklickten YouTube-Tutorials wirkt diese Bibliophilie heute fast altertümlich. Auch an unserer Hochschule warst Du ein Mann der Bücher, hast die Bibliothek des Seminars betreut und gerade als die Bibliothek in Teilen durch Pilze befallen war, hast Du Dich mehrfach in den Keller gesetzt und die durchgefeuchteten und befallenen Bücher aussortiert und dann eine leider berechtigte Bücherverbrennung veranstaltet. Durch die war allerdings ein Teil unserer Bibliothek noch zu retten. Ich danke auch, dass Du in die Ewersbacher Provinz am Rande der Zivilisation ein wenig Kulturprotestantismus hochgehalten hast. Ich nennen nur die Leseabende vor Weihnachten, privater Lektürekreis aktueller systematisch theologischer und historischer Literatur. Danke Johannes.

Theologie und Bildung, das war und ist Dein Programm. Das sollte nicht nur an der Hörsaaltür enden und aufhören, sondern Du hast zu einer theologischen Existenz angeleitet. Dazu gehörte auch, dass historische und theologische Arbeit für Dich eben kein Alleingang ist. Geschichte will erzählt werden, Gedanken wollen geteilt werden. Und so erinnere ich mich gern an die Einladungen zu Euch, zum Essen auf dem Freisitz oder auch zum Fußballgucken in Fantracht. Das war damals noch revolutionär. Persönlich danke ich Dir an dieser Stelle für Deinen weitsichtigen Blick auf den Nachwuchs unserer historischen und systematischen Zunft. Ich danke für Deinen Zuspruch, alle wohlwollende Unterstützung auch bei meiner eigenen wissenschaftlichen Laufbahn. Du warst und bist jemand, der mit Lob nie gespart hat. Das war für mich damals noch ganz ungewöhnlich. Das gab es selten, dass Lehrer nach Seminarsitzungen die Schüler lobten und sagten: „Das war jetzt aber nett, was sie zur Einheitsvorstellung gemacht haben.“ Das war enorm förderlich, dass Du einen Blick auf die Jugend und den Nachwuchs hast. Ich habe aber auch von Dir gelernt, dass bei aller Bildung uns die Erkenntnisse nicht aufblähen dürfen und sollen und nicht überheblich machen müssen. Und nicht zuletzt hast Du uns geschult, mit dem Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens anspruchsvoll gegen uns selbst, aber barmherzig gegenüber den anderen umzugehen.

„Eine Laudatio unterscheidet sich kaum von einer Grabrede“, werden Sie denken, – aber in einem tut sie es eben doch. Enthält die Grabrede auch ähnlich viel Lob wie die Laudatio, sie endet selten mit Wünschen an den Verstorbenen. Ich darf aber heute mir von dem Lebenden noch etwas wünschen. Der polnische Regisseur Krzysztof Kieślowski wollte im Alter nur noch vor seinem Haus sitzen und rauchen. Als Martin Luther alt geworden war, wollte er mit seinem Kollegen Nikolaus von Amsdorf nur noch im Garten sitzen und Wittenbergisch Bier trinken. Bei aller evangelischer Gelassenheit, die wir Dir wünschen als Preisträger und die wir Euch zusammen als Paar wünschen, Jutta, habe ich doch noch einen Wunsch offen. Es fehlt noch immer die geschlossene Darstellung einer Systematischen Theologie aus der Feder eines frei-evangelischen Autors. Vorarbeiten zu einem solchen Werk hast Du in dem Bensheimer Band von 2012 geleistet. Wir würden uns freuen, Johannes, wenn da noch etwas käme. Und wir wünschen auch, dass Du mit Deiner Arbeit an der Geschichte und Theologie unseres Bundes weiterhin kraftvoll als Botschafter für das Evangelium und unsere spezifische frei-evangelische Kirchenform unterwegs bist. Zu all dem wünschen wir Dir von Herzen Gottes Segen!

Rektor Prof. Dr. Andreas Heiser, Vorsitzender des Historischen Arbeitskreises.

Für den Druck leicht überarbeitete Fassung der laudatio auf Dr. Johannes Demandt zur Verleihung des Neviandt-Preises im Rahmen des Tags der FeG-Geschichte, Ewersbach, 7. November 2021.

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