August 22. 2026 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE FeG Historischer Arbeitskreis Presse SCM Bundes-Verlag

HAK | An der Orgel der FeG-Geschichte | Nachruf auf Dr. Wolfgang Dietrich

Dr. Wolfgang Dietrich hat wesentlich dazu beigetragen, dass im Bund FeG auch die nachfolgenden Generationen noch wissen, wo und was ihre geistlichen Wurzeln sind.

Peter Strauch | FeG-Altpräses

An der Orgel der FeG-Geschichte

Nachruf auf Dr. Wolfgang Dietrich

Es war im August 1954, ich war 11 Jahre alt und mit 40 Jungen aus Wuppertal und Lüdenscheid auf einer Jungscharfreizeit in Rotterdam. Am ersten Abend gingen wir durch den Maastunnel. Ein Junge aus Lüdenscheid, er hieß Wolfgang und war vier Jahre älter als ich, brachte mir bei, wie man mit beiden Händen vor dem Mund Melodien pfeift. Das hallte in dem langen Fußgängertunnel ganz großartig – ich war begeistert.

Jahre später traf ich Wolfgang in Lüdenscheid. Er saß mit großer Begeisterung an der Orgel der Freien evangelischen Gemeinde in der Börsenstraße (eine der wenigen Pfeifenorgeln, die es in FeGs gab) und begleitete die Gemeindelieder. Danach verloren wir uns aus den Augen.

Leidenschaftlicher Organist und Studiendirektor

Jahrzehnte später begegnete ich Wolfgang Dietrich in Unna. Meinen ersten Besuch bei ihm und seiner Frau Gudrun vergesse ich nicht. Nachdem uns Gudrun ein leckeres Essen zubereitet hatte, gingen wir in den Keller: einen Raum, gefüllt mit Büchern und Papieren, irgendwo dazwischen ein PC und ein erstaunlich großer Orgelspieltisch mit zwei Manualen und einem durchgehenden Pedal. Von da an wusste ich nicht, was ich an Wolfgang mehr bewundern sollte: seine Liebe zur Orgelmusik oder die unglaubliche Hingabe und Begeisterung, mit der er alte Texte aufspürte.

Sorgfältiger FeG-Historiker

Wolfgang Dietrich studierte Germanistik, Philosophie und Theologie. Obwohl er in evangelischer Theologie promovierte, schlug er nicht die Universitätslaufbahn ein, sondern unterrichtete an einem Gymnasium die Fächer Deutsch und Evangelische Religion. Darin sah er seine Berufung. Als Studiendirektor ging er schließlich in den Ruhestand.

Aber bereits während dieser Zeit hatte sich Wolfgang mit der Geschichte der Freien evangelischen Gemeinden befasst. Mit großer Sorgfalt und unglaublicher Akribie spürte er historische Texte auf, ging ihnen nach, arbeitete sie auf und brachte sie heraus. Auf diese Weise sammelte sich bei ihm ein umfangreiches Quellenmaterial zur Entstehungsgeschichte Freier evangelischer Gemeinden.

Mit August Jung und Erich Brenner gründete er den Historischen Arbeitskreis (HAK | hak.feg.de), und beim Zusammenstellen der Texte und Bücher bis hin zu ihrer technischen Ausführung standen ihm Männer, wie Hans Ulrich Adam und Dirk Steschulat, zur Seite.

Den geistlichen Wurzeln auf der Spur

Wolfgang Dietrichs größtes Werk ist vermutlich die He­rausgabe des über 400-seitigen Bandes „Richard Hoenen und die Freien evangelischen Gemeinden“. Darin befindet sich zum einen der komplette Text des 1930 erschienenen Buches von Hoenen, darüber hinaus aber auch eine von Wolfgang Dietrich selbst verfasste Einführung ins Buch, außerdem ein umfangreicher zweiter Teil mit historischen Hintergründen und ein fast 200 Seiten umfassender dritter Teil, in dem ganz unterschiedliche fachkundige Autoren mit ihren Beiträgen zu Wort kommen.

Dr. Wolfgang Dietrich hat wesentlich dazu beigetragen, dass im Bund FeG auch die nachfolgenden Generationen noch wissen, wo und was ihre geistlichen Wurzeln sind. Dafür ist auch seiner Frau Gudrun und den beiden Söhnen zu danken, denn ohne ihren zeitweiligen Verzicht auf den Ehemann und Vater wäre das alles nicht möglich gewesen.

PETER STRAUCH | FeG-Altpräses

Glaube, Geschichte, Führung und Verführung

Richard Hoenen und die Freien evangelischen Gemeinden

  • Das Buch ist im Juli 2026 erschienen. | Preis: 29,95 €

Zum Buch

Glaube und kirchliche Identität geraten dort in Bewegung, wo sie sich den Spannungen ihrer Zeit stellen müssen.

Der Band erschließt mit Richard Hoenens grundlegender Darstellung die Entstehung und Entwicklung der Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland neu und macht zugleich die dramatischen Konstellationen sichtbar, in denen sich Frömmigkeit, Gemeindeverständnis und Zeitgeschichte verschränken.

Im Zentrum steht die historische und theologische Analyse Hoenens, die von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die konfliktreichen ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts reicht und insbesondere die Herausforderungen durch politische Umbrüche und ideologische Vereinnahmungen beleuchtet.

Ergänzende Beiträge, Dokumente und Reflexionen erweitern die Perspektive und eröffnen einen differenzierten Zugang zu zentralen Fragen von Gemeinde, Leitung und Verantwortung.
So wird das Werk zu einer unverzichtbaren Ressource für Theologie, Kirchengeschichte und gemeindliche Praxis. Es richtet sich an alle, die die Entwicklung freikirchlicher Identität im Spannungsfeld von Glaube und Zeitgeschichte verstehen wollen.

Glaube, Geschichte, Führung und Verführung

  • Richard Hoenen und die Freien evangelischen Gemeinden
  • 464 Seiten | ISBN: 978-3-86258-143-6
  • Erscheint im Juli 2026 | SCM Bundes-Verlag
  • Preis: 29,95 EUR
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Der Autor

Dr. Wolfgang Dietrich, Studiendirektor i.R. in Unna und Träger des „NeviandtPreises“ (2017), initiierte in den 1980er Jahren die Reihe „Geschichte und Theologie der Freien evangelischen Gemeinden“ (GuTh). Gemeinsam mit Pastor August Jung (†) rief er den „Historischen Arbeitskreis“ (HAK) ins Leben, unterstützt vom damaligen Verlagsleiter des Bundes-Verlags, Erich Brenner.

Das Bild zeigt einen älteren Mann mit grauem Haar, der einen Anzug und eine Krawatte trägt und vor einem Fenster mit weihnachtlichen Dekorationen steht.Foto: Privat

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