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Februar 22, 2024 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE FeG-Initiativen Gemeindeleben Gemeinden GsF vef.de

GsF | Zur Diskussion über Krieg und Frieden

Zur Diskussion über Krieg und Frieden

Ein aktueller Beitrag des Gesprächskreises für soziale Fragen (GsF) im Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG)

Kehrt Gewalt als Mittel der Politik zurück? In der Ukraine, im Gazastreifen und in anderen Ländern herrscht Krieg. Diskussionen um einen angemessenen Umgang seitens EU und NATO mit diesen Herausforderungen polarisieren die deutsche Gesellschaft – auch unsere Gemeinden, Kirchen und Gruppen. Schnell sind eindeutige Feindbilder und bedrohliche Allianzen ausgemacht. Die folgenden Überlegungen sollen Christinnen und Christen unterstützen, in den neuen Situationen Maßstäbe zu gewinnen, die Lage beurteilen und eigene Bewertungen vornehmen zu können.

Durch den Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 mit einem in der Folge bis heute andauernden Invasionskrieg wurde die Hoffnung auf die Wahrung des Weltfriedens nach Beendigung des 2. Weltkrieges vor mehr als 75 Jahren zutiefst erschüttert.

Insbesondere deshalb, weil Russland zu den fünf Siegermächten gehört, die gemäß der UN-Charta von 1945 mit ständigem Sitz im UN-Sicherheitsrat mit ihrem Vetorecht über die Einhaltung der neuen Friedensordnung wachen und den territorialen Schutz und die politische Unabhängigkeit von souveränen Staaten garantieren sollen. Stattdessen erleben wir, wie diese Sonderrolle missbraucht wird.

Zusätzlich markiert der 7. Oktober 2023 den Eintritt in eine neue Dimension der grausamen Eskalation von Gewalt. Die willkürliche Ermordung wehrloser, friedlicher Zivilisten durch das Eindringen radikal-islamistischer Kämpfer der Hamas in israelisches Staatsgebiet begleitet von Dauer-Raketenbeschuss israelischer Städte aus dem Gazastreifen heraus erfüllt uns mit Fassungslosigkeit, großer Trauer und Anteilnahme mit dem israelischen Volk. Als Christen und als Deutsche stehen wir an der Seite Israels, dem die Verheißungen des biblischen Gottes gelten, in dem wir als Christen den Vater Jesu Christi erkennen. Für uns gilt: Wer das Existenzrecht Israels infrage stellt, um damit die barbarischen Angriffe und Entführungen von Geiseln zu rechtfertigen, setzt sich selbst ins Unrecht.

Die obige Darstellung ist solidarisch aus Sicht der Angegriffenen skizziert und macht damit transparent, aus welcher Perspektive heraus die Autoren zunächst die Frage nach angemessenen Reaktionen stellen.

Zur Bewertung von Umfang und Verhältnismäßigkeit wurden im GsF u. a. folgende Fragen kontrovers diskutiert:

  • Verlängern Waffenlieferungen das Töten in Europa und verhindern damit Verhandlungen über territoriale Zugeständnisse, um dauerhafte Friedensperspektiven zu eröffnen, oder sind diese Waffen zur Selbstverteidigung und zum Schutz der Freiheit notwendig, ohne die es keinen verlässlichen Frieden geben wird?
  • Gefährdet das umfassende militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen die Basis für einen zukünftigen Frieden, weil es die Vertreibung und Verelendung der palästinensischen Bevölkerung mitsamt der Zerstörung ziviler Infrastruktur in Kauf nimmt? Ist dies zu verurteilen, weil es zu katastrophalem Leid für die Zivilbevölkerung führt? Oder müssen das Bombardement auch von zivilen Zielen im Gazastreifen, das militärische Eindringen in Krankenhäuser und Schulen, das Kontrollieren der Einfuhren von Ressourcen und Hilfslieferungen in Kauf genommen werden, weil die Hamas die Zivilbevölkerung zu Kriegszwecken als Schutzschild missbraucht?

Angesichts dieser Kontroversen erscheint es notwendig, sich auf die gewaltüberwindende Kraft des Evangeliums von Jesus Christus zu besinnen, um nicht der Angst allein oder gar Rache und Vergeltung das Feld der handlungsleitenden Motive zu überlassen. Die Botschaft von der Liebe Gottes eröffnet einen Horizont, in dem die aktuelle Wirklichkeit noch nicht endgültig festgelegt und damit unveränderlich ist.

Folgende Thesen sind als Kriterien für die Diskussion gedacht:

1. Gott will keinen Krieg, sondern Frieden.

Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth verkündet und stiftet Gott „Frieden auf Erden“. | Lukas 2,14 (siehe auch: Jesaja 9,5)

Durch diese Offenbarung des umfassenden Schalom (Frieden) als Gabe Gottes in der Welt, sind alle zuvor schwierigen Verknüpfungen des biblischen Gottesbildes mit Gewalt überwunden. Schon in der hebräischen Bibel überbietet die Verheißung eines Friedensreiches als Ziel allen göttlichen Handelns die zeitweise Legitimierung von Krieg als politischem Mittel.

2. Krieg lässt sich nicht als gerechter Krieg rechtfertigen oder begründen.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ | Römer 12,27

Krieg erzeugt Unrecht, Tod und Unheil und ist damit immer Schuld und Ausdruck des Versagens auf dem Weg zum Frieden, der alle Unterschiede von Herkunft, Hautfarbe, Tradition, Geschlecht und sozialer Stellung aufhebt. Folglich kann nur von einem gerechten Frieden gesprochen werden, nicht aber von einem gerechten Krieg. Schon Martin Luther verurteilte Angriffskriege und ließ nur Kriege zum Schutz des eigenen Volkes zu. Deshalb verpflichtet die evangelische und die katholische Ethik Krieg führende Parteien auf ethische Maßstäbe wie die Verschonung der Menschen (siehe 5). Damit rechtfertigt sie nicht den Krieg selber. In dieser Tradition kennt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen das Recht eines Staates auf Verteidigung seiner Souveränität. Zugleich fordert sie den Schutz von Zivilisten.

3. Der Weg zum Frieden ist die Gewaltlosigkeit.

„Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.“ | Jesaja 2,4

Gewaltlosigkeit ist Praxis der Liebe, die den Weg Jesu vertrauend und hoffend geht, weil auf den Tod am Kreuz die Auferstehung folgt. Wie Jesus ohne Widerstand den Weg zum Kreuz gegangen ist, vertraut der Glaubende auf den Frieden, der nicht von dieser Welt ist, sondern den der Auferstandene verheißt. Daraus erwächst für Christen Gewaltlosigkeit als politische Option. Gewaltfreiheit ist nicht passiv zu verstehen, sondern kann höchst aktiv sein – zum Beispiel durch „zivile Verteidigung“, „gewaltfreien Widerstand“ und den Einsatz von “Friedensfachkräften”.

4. Opfer dürfen der Gewalt nicht schutzlos ausgeliefert sein.

„Güte und Treue finden zueinander. Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.“ | Psalm 85,11

Gerechtigkeit und Frieden gehören zusammen. Selbst aktive Gewaltfreiheit „kann mit der Pflicht konkurrieren, Menschen davor zu schützen, massivem Unrecht und brutaler Gewalt … ausgeliefert zu sein.“ Es kann sich „die Frage stellen, ob es erlaubt oder sogar geboten ist, sich für Gegengewalt als das kleinere Übel zu entscheiden.“ (Gerechter Friede, DB 66, Seite 41)

5. Rechts- und Friedenserhaltende Gewalt braucht Begrenzung und Kontrolle.

„Tut niemand Gewalt noch Unrecht.“ | Lukas 3,14

Sofern man die Anwendung von Gewalt unter Berufung auf Römer 13 in Grenzsituationen zur Wahrung und Wiederherstellung „einer auf Recht gegründeten Friedensordnung“ befürwortet, braucht es ethische Kriterien entsprechend dem geltenden Völkerrecht (https://www.ekd.de/friedensdenkschrift.htm, Seite 65).

Die Kriterien für Selbstverteidigung und Notwehr lauten:

Gibt es hierfür einen hinreichenden Grund? Sind diejenigen, die zur Gewalt greifen, dazu ausreichend legitimiert? Verfolgen sie ein verantwortbares Ziel? Beantworten sie ein eingetretenes Übel nicht mit einem noch größeren? Gibt es eine Aussicht auf Erfolg? Wird die Verhältnismäßigkeit gewahrt? Bleiben Unschuldige verschont?

Sollte man den Gebrauch von „legitimer“ Gegengewalt befürworten, dann müssen alle diese Kriterien erfüllt sein. Der Zugang zu Lebensgrundlagen wie Wasser und Lebensmittel, medizinischer Versorgung und Energie darf nach diesen Kriterien nicht angegriffen, verwehrt oder für die Kriegsführung missbraucht werden.

6. Das Ziel aller Bemühungen ist die Versöhnung.

„So sind wir nun Botschafter an Christi statt und bitten: Lasst euch versöhnen mit Gott.“ | 2. Korinther 5,20

Maßnahmen zur Befreiung wehrloser Menschen aus Gewalt, Unterdrückung und Gefangenschaft müssen von Anfang an durch zivile Instrumente der Konfliktlösung begleitet werden und auf verlässliche Konfliktnachsorge und -prävention zielen, die zur Linderung von Not und Ungerechtigkeit beitragen. Ziele, die der Erweiterung der eigenen Einflussnahme, des Herrschaftsgebietes oder der Etablierung von Abhängigkeitsverhältnissen dienen, laufen dem Frieden zuwider.

Daher ist es im Sinne einer nachhaltigen Kultur des Friedens aus christlicher Motivation Aufgabe der Gemeinden und des Bundes FeG, im umfassenden Sinne für den Frieden zu sensibilisieren und auszubilden, sich mit Notleidenden zu solidarisieren und sich für Menschenrechte und Freiheit auch und gerade da einzusetzen, wo Menschen ausgebeutet, unterdrückt oder verfolgt werden.

Gesprächskreis für soziale Fragen | gsf.feg.de

Edgar Daub | Dr. Jochen Wagner | Januar 2024

FeG Gesprächskreis für soziale Fragen

Die Initiative Gesprächskreis für soziale Fragen entwickelt für gesellschaftliche Fragen Positionen und Arbeitshilfen. Er unterstützt Gemeinden dabei, relevant Kirche in ihrem Ort, ihrem Sozialraum und in ihrer Umgebung zu sein. Seine Mitglieder sind sozial engagierte Gemeindemitglieder, Fachleute aus diakonischen Einrichtungen und Theologen mit Interesse an sozialen Fragen. | gsf.feg.de

Download Mitgedacht-Beiträge

  • Die Beiträge aus der Mitgedacht-Reihe stehen zum Download zur Verfügung unter gsf.de
  • Direktlink: Zur Diskussion über Krieg und Frieden | PDF

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