Gottes Geist erwarten
Neu erfüllt mit bewegenden Auswirkungen
Tobias Lenhard zeichnet die biblische Geschichte von Pfingsten nach und fragt, was wir eigentlich als langjährige und frische Christinnen und Christen von dem Feiertag Pfingsten erwarten. Mit der Initiative GEISTbewegt im Bund FeG macht Tobias Lust darauf, die Kraft des Heiligen Geistes im Alltag neu zu erleben – nicht nur an Pfingsten.
An großen christlichen Feiertagen suchen wir etwas – wir erwarten etwas: Zu Weihnachten erwarten wir, beschenkt zu werden und selbst zu schenken, denn Gott hat sich uns in Jesus Christus geschenkt. Zu Ostern suchen und erwarten wir versteckte Eier und Hasen – Zeichen von Leben und Freude –, denn Jesus Christus hat dem Ziel Gottes mit den Menschen entsprochen und ist für ihre Verfehlung gestorben. Er hat den Tod überwunden und ist durch Vater und Geist auferstanden (Römer 8,11; 1. Petrus 3,18). Nicht nur an unseren Kindern können wir die Freude an diesen Tagen beobachten.
Pfingsten – das unbekannte Fest
Aber was suchen und erwarten wir an Pfingsten? In Apostelgeschichte 2 lesen wir von dem Pfingstereignis. Dazu ein paar Anmerkungen: Vor seiner Rückkehr zu seinem Vater hatte Jesus den Jüngern aufgetragen, auf das Kommen des von Gott versprochenen Heiligen Geistes zu warten und mit seiner Kraft ausgerüstet zu werden (Apostelgeschichte 1,4.8). Am Pfingstfest (Apostelgeschichte 2,1) war es dann soweit: Pfingsten, das „Wochenfest“, wurde von Juden 50 Tage (griechisch: pentekoste) nach Pessach in Jerusalem gefeiert. Dann wurden die ersten Früchte der Ernte im Tempel dargebracht (vgl. 3. Mose 23,15–21). Daher waren damals auch „fromme Juden aus aller Welt in Jerusalem“ (Apostelgeschichte 2,5).
Was nun geschah, beschreibt Lukas so: „Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.“ (Apostelgeschichte 2,1–5 | NGÜ)[1]
Gottes Geist schafft Nähe und Bewegung
Wir erfahren hier von einer gewissen Dramaturgie, um Elemente wie Wind, Feuer und Sprachen. Symbole, die an anderen Stellen für den Heiligen Geist verwendet werden.[2] Wie die im Haus Versammelten emotional reagieren, erfahren wir nicht viel. Ganz im Gegensatz zu einer Situation, die dieser in manchem ähnlich ist. Bei der Gesetzgebung am Berg Sinai in 2. Mose 19,16–20 und 20,18–21 hatte das Volk Angst und blieb aufgrund von mächtigem Sturm und Gewitter in sicherer Distanz zu dem gewaltigen Gott. Das Volk beauftragte Mose für sie zu sprechen (20,19).
Nun in Apostelgeschichte 2 treten wieder Wind und Feuer auf und Gott spricht. Dieses Mal spricht er mit seinem Geist durch die Gläubigen in ihnen unbekannten Sprachen. Nähe statt Distanz. Gott redet direkt, nicht vermittelt.
Mit einem Wortspiel von Zungen (Apostelgeschichte 2,3+4) berichtet Lukas von dem Feuer auf jedem der im Haus versammelten Gläubigen. „Alle“ bekommen den Heiligen Geist – ohne Ausnahme. Sie alle beginnen, in fremden Sprachen zu reden. Wörtlich ist die Rede von „reden in Zungen“, woher der Begriff der „Zungenrede“ stammt.
Wobei auch hier deutlich wird, dass es sich um Sprachfähigkeit einer von Gott eingegebenen Sprache handelt als um das Körperorgan im Mundraum.
Das Brausen des Windes ist auch außerhalb des Hauses hörbar geworden und so strömen Gäste und Einwohner von Jerusalem neugierig zusammen und hören die Jünger „in unseren eigenen Sprachen von den wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat“ (V. 11). Dieses Ereignis ist außergewöhnlich. Spötter sprechen von übermäßigem Alkoholkonsum (V. 13). Petrus erklärt die Situation. Zwei Dinge betont er besonders:
Erstens: Die Prophetie von Joel 3,1–5 erfüllt sich hier. Gott gießt seinen versprochenen Heiligen Geist aus (vgl. Apostelgeschichte 2,33). Die bisher den Propheten, Priestern, Königen, Gesalbten vorbehaltenen übernatürlichen Wirkungen Gottes in Träumen, Visionen und Prophetien sind nun allen Menschen möglich. Paulus formuliert das in seinem ersten Brief an die Thessalonicher so, dass das Wirken des Geistes nicht gehindert und über Prophetie nicht geringschätzig hinweggegangen werden soll. Allerdings solle es geprüft[3] werden, Gutes behalten und Böses gemieden werden (1. Thessalonicher 5,19–21).
Zweitens: Petrus macht den Inhalt dieser Ereignisse deutlich: Es geht um Jesus von Nazareth, der gekreuzigt wurde und von Gott auferweckt worden ist (Apostelgeschichte 2,22–24)! Das Ziel ist die Rettung durch den Herrn und Messias Jesus. Das sollen alle Menschen erkennen (Apostelgeschichte 2,21.36).
So entstand die Ur-Gemeinde in Jerusalem. Die Zuhörer waren tief bewegt vom Gehörten. Und Petrus nennt ihnen die Schritte für ein Leben mit dem dreieinen Gott (Apostelgeschichte 2,38.41): Umkehr vom bisherigen Weg ohne Gott, Vertrauen auf Jesus Christus und seine Vergebung, Wassertaufe, Erfüllung mit dem Heiligen Geist und Gemeindezugehörigkeit.
Geisterfüllung mit Nebenwirkungen
Die Jünger Jesu haben nun persönliche und sehr praktische Erfahrungen mit dem Heiligen Geist. Doch bei dieser Erfahrung bleibt es nicht. Petrus und Johannes heilen den Gelähmten am Tempeltor im Namen Jesu (3,1–10) und Petrus lädt daraufhin im Tempel wieder zur Umkehr zu Jesus Christus ein (3,11–26). Schließlich werden beide von der Tempelwache festgenommen (4,3) und am nächsten Tag vom Hohen Rat befragt (4,5–7). Petrus antwortet ihnen „vom Heiligen Geist erfüllt“ (4,8).
War Petrus nicht schon durch das Pfingstereignis mit dem Heiligen Geist erfüllt? Warum wird das wieder erwähnt? Nachdem beide mit der Auflage, nicht weiter von Jesus zu sprechen, freigelassen werden, gehen sie zur Gemeinde und berichten, was ihnen gesagt worden war (4,23). Das anschließende Gebet hat es in sich. Es ist so ganz anders als unsere Gebete oftmals. Es lohnt sich also, es einmal in Ruhe, betend, durchzulesen! Am Ende wurden die Versammelten „alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten die Botschaft Gottes weiterhin frei und unerschrocken“ (4,31). Erfüllt werden mit dem Heiligen Geist scheint keine einmalige Angelegenheit zu sein.
Sie tritt in der Apostelgeschichte wiederholt auf.
Durch einen Vortrag von Arndt Schnepper, Professor für Praktische Theologie an unserer Theologischen Hochschule Ewersbach, auf der JETZT Konferenz 2023 bin ich auf den Zusammenhang von Epheser 1,13 und 5,19 gestoßen, der mir hilft und den ich für mich so weiterführe.
In Epheser 1,13 heißt es: „Auch ihr gehört jetzt zu Christus. Ihr habt die Botschaft der Wahrheit gehört, das Evangelium, das euch Rettung bringt. Und weil ihr diese Botschaft im Glauben angenommen habt, hat Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben. Und weil ihr diese Botschaft im Glauben angenommen habt, hat Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben. Damit hat er euch sein Siegel aufgedrückt“ (NGÜ). Sobald jemand zu Jesus Christus gehört und seiner Botschaft vertraut, hat er den Heiligen Geist. Das ist versiegelt. In ihm wohnt der Heilige Geist (vgl. 1. Korinther 3,16; 6,19). Einige Kapitel später fordert Paulus dann dazu auf: „Lasst euch vielmehr vom Heiligen Geist erfüllen“ (Epheser 5,19).
Dabei geht es um weise Lebensführung (V.15–17). Wie in Apostelgeschichte 2 gibt es hier einen Vergleich der Auswirkungen von gesteigertem Alkoholkonsum und dem Wirken des Heiligen Geistes. Die Beobachter des Pfingstereignisses sehen offensichtlich Entspannung, Ausgelassenheit und Glück und können sich das nicht anders als durch Alkohol erklären. Die Variante mit Alkohol lehnt Paulus ab und gibt eine praktische Anleitung, wie man sich stattdessen von dem Heiligen Geist erfüllen lassen kann. Eine wörtliche Übersetzung von Vers 19 könnte lauten: „indem ihr einander ermutigt“[4] „mit Psalmen, Lobgesängen und von Gottes Geist eingegebenen Liedern; singt und jubelt aus tiefstem Herzen zur Ehre des Herrn und dankt Gott, dem Vater, immer und für alles im Namen von Jesus Christus, unserem Herrn.“
Paulus rät zu einer weisen Lebensführung in der Kraft des Heiligen Geistes, indem wir einander mit Bibeltexten ermutigen, zusammen bekannte Lieder singen, gemeinsam in Sprachen singen (vgl. 1. Korinther 14,15); Gott lobpreisen und ihm danken. Als Jesus-Nachfolger geht es nicht darum, ob ich den Heiligen Geist habe, sondern darum, ob er mich hat (vgl. Galater 5,25).
Geistbewegt – Gottes Wirken im Alltag
Was erwarten wir von Pfingsten? Wir wünschen uns die Nähe Gottes und das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Alltag. Das lässt sich schlecht suchen wie Weihnachtsgeschenke oder Ostereier. Ich erlebe immer wieder, wie Gott mich mit seinem Geist erfüllt. Bibeltexte gehen tief, im gemeinsamen Singen oder Lobpreis erlebe ich sein Wirken. Das Sprachengebet und der -gesang helfen mir in vielen schönen und schwierigen Momenten.
Vor einigen Jahren, als junger Pastor, bin ich durch eine herausfordernde Zeit gegangen: Da war es der Geist Gottes und sein Wirken, das dazu führte, dass ich auch heute noch Pastor bin – und das fröhlich. In diesem Sinn schreibt Swen Schönheit in seinem sehr zu empfehlenden Kurs-Buch „Komm, Geist Gottes“: „Nichts ist anstrengender als der Versuch, aus eigener Kraft ein ‚guter Christ‘ zu sein. Nichts ist auf Dauer enttäuschender als Gemeindearbeit, in der Gottes Geist keinen Raum hat, denn dann haben wir nur noch uns selbst […]. Doch der Heilige Geist möchte uns persönlich erfüllen und in uns ‚brennen‘. Diese Zusage gilt uns heute ebenso wie den ersten Christen damals.“[5]
Bei GEISTbewegt, einer Initiative im Bund FeG, versuchen wir, dies heute umzusetzen. Unser Arbeitstitel drückt das ganz gut aus: Begegnungsforum Heiliger Geist. „Wir wollen den Menschen und Gemeinden in unserem Bund dienen, Berührungsängste zum Wirken des Heiligen Geistes abbauen, der Sehnsucht nach ‚mehr geistlichen Erfahrungen‘ in unseren Gemeinden gerecht werden,
ein Bewusstsein für den Gabenreichtum aufbauen und verbreiten und den suchenden Menschen von heute in der Kraft des Heiligen Geistes auch evangelistisch dienen.“[6] | geistbewegt.org
GEISTbewegt ist ökumenisch vernetzt mit den charismatischen Bewegungen der Geistlichen Gemeindeerneuerungen Deutschland (gge-deutschland.de) und im Bund EFG (gemeindeerneuerung.de) sowie Charis, der Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche (erneuerung.de). Christuszentriert und vom Geist geleitet kommen wir regelmäßig zusammen und geben auch gemeinsam Veröffentlichungen heraus (praxis-geistesgegenwaertig.de). Oder wir schreiben als Vertreter aus unterschiedlichen Richtungen zusammen, wie in dem neu erschienenen Buch von Frauke Bielefeldt „Die Kraft des Heiligen Geistes: Wie Gottes Gegenwart erfahrbar ist.“[7]
TOBIAS LENHARD | Pastor der FeG Oberursel | feg-oberursel.de | Leitung von GEISTbewegt | geistbewegt.feg.de
[1] Diese und alle weiteren Bibelversangaben aus: Neues Testament Psalmen: Neue Genfer Übersetzung (3. Auflage. (2013). Genfer Bibelgesellschaft; Deutsche Bibelgesellschaft.
[2] Eine Auswahl der biblischen Symbole für den Heiligen Geist: Wind: Johannes 3,8; 20,22; 2. Könige 19,12; Hesekiel 37,9 | Feuer im Sinne von Orientierung: 2. Mose 13,21–23 | Gericht: Matthäus 3,11 | Heiligkeit: 2. Mose 19,18; Psalm 50,3;
Offenbarung 1,14; Hebräer 12,29.
[3] Prüffragen: Passt es zum dreieinen Gott und seinem Wort? Sind eigene Ängste, Absichten, Erklärbares enthalten? Wächst dadurch Ehrfurcht und Liebe zu Gott?
Zur Vertiefung: Schmidt, Ursula und Manfred (2023): Hörendes Gebet. Grundlagen und Praxis, 12. Aufl., Hannoversch Münden: GGE.
[4] Vgl. die Anmerkung der NGÜ an dieser Stelle.
[5] Swen Schönheit (2022): Komm, Geist Gottes, 2. Aufl., Hannoversch-Münden: GGE, S. 124.
[6] Webseite geistbewegt.org | zuletzt aufgerufen am 07.04.2026. Diese Seite wird demnächst überarbeitet.
[7] Nähere Informationen unter: gemeindeerneuerung.de/kraft-des-geistes | zuletzt abgerufen am 07.04.2026.
Gebet um Geisterfüllung
O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.
O du, den unser größter Regent uns zugesagt:
Komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.
Philipp Spitta | 1827
Buchtipps
Praxis-Bücher im GGE-Verlag in ökumenischer Herausgeberschaft: Segnen | One. Die Jesus-Ökumene | Lobpreis. Vorschau und Bezug über die Webseite: praxis-geistesgegenwaertig.de/ausgaben
Frauke Bielefeld (Hrsg.): Die Kraft des Heiligen Geistes: Wie Gottes Gegenwart erfahrbar ist. | 226 Seiten | ISBN: 978-3765521942 | Brunnen Verlag 2026
20,00 € | Zu beziehen über gemeindeerneuerung.de/kraft-des-geistes
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