Fest oder Katerstimmung?
Die FeG-Vision und Ortsgemeinde
„Immer fröhlich, immer fröhlich, alle Tage Sonnenschein. Voller Schönheit ist der Weg des Lebens, fröhlich lasst uns immer sein!“ So der Refrain eines frommen Gassenhauers von Fanny Crosby – der deutsche Text ist von Johann Abraham Reitz.
Zu diesem Lied habe ich eine Art Hassliebe: Seit Kindertagen summe ich es, weil es als Ohrwurm so eingängig ist. Gleichzeitig finde ich den Inhalt provokant, denn auch meine besten Tage als Nachfolger Jesu Christi entsprachen nicht dem Refrain. Nie waren sie „immer fröhlich“.
Fake News oder Hoffnungsbild?
Ist das Lied „Lasst die Herzen immer fröhlich“ also „fake news“? Spielt es uns oder den Besucherinnen und Besuchern unserer Gottesdienste etwas vor? Überfährt es die Emotionen und wahren Gemütszustände? Ja und Nein!
Das Lied wird tatsächlich zur emotionalen Keule, wenn es Angst, Leid, Sorge und Zweifel einfach fromm zukleistert. Und verhindert, dass die Seelentiefen in unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen zur Sprache kommen.
Das Lied kann aber auch zum Hoffnungsbild werden, denn die Zeilen von 1873 – deutsch 1893 – atmen zahlreiche biblische Verheißungen und Zusagen. Sie erheben das Gemüt, weil wir singen, was wir hoffen und ausdrücken, was wir erbeten. So wie zahlreiche biblische Trotzdem-Psalmen es uns vormachen.
Die FeG-Vision im Gemeindetest
Zum 150-jährigen Jubiläum im Juni 2024 haben wir die FeG-Vision und FeG-Story in den Fokus des FeG-Bundesgeschehens gestellt und dafür geworben, sie mit in die Gemeinden zu nehmen, sich mit ihr auseinanderzusetzen – und sich auch an ihr zu reiben.
Was ist inzwischen daraus geworden? Im April 2025 haben wir im FeG-Newsletter eine Blitzumfrage gestartet. Gefragt haben wir danach, wie das FeG-Zukunftsbild motiviert, inspiriert und in der Gemeinde umgesetzt wird – oder was vor Ort daran hindert. An der Umfrage teilgenommen haben 43 Personen: 28 FeG-Mitglieder, zwölf Personen aus Gemeindeleitungen und zwei Hauptamtliche.
Von positiven Rückmeldungen „Wir feiern gerne“, „Gottesdienst als Feier“ zu gestalten bis hin zu einem trotzigen „Feiern, während die Welt gerade zu Grunde geht“ war alles dabei. Dazu gesellten sich kritische Anmerkungen „Es klingt in diesen weltpolitischen Zeiten fast ein wenig weltfern, als hätten wir den Schuss nicht gehört.“
Bemerkenswert war ein Hilferuf: „Diese Vision hat nichts mit der täglichen Arbeit in der Gemeinde zu tun. Gemeindearbeit ist im Moment mühsam und anstrengend. Und kein Fest mit Luftschlangen und Konfetti“. Kritisch gesehen wurde der „anthropozentrische Ansatz“ durch das Verb „fühlen“. Die FeG-Vision sei wenig konkret und erhebe auch einen „hohen Anspruch“.
Zwischen Motivation und Frustration
Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer hoben mit der FeG-Vision die den festlichen Charakter der Ortsgemeinde hervor, um „Gott dankbar“ zu sein, „Gemeinschaft zu stärken“ und dabei darauf zu achten, auch die „Mitarbeiter zu entlasten“. Andere richten den Blick nach außen und sehen in der FeG-Vision die Chance, „Gäste anzusprechen“ und damit „Die Liebe Jesu zu den Menschen sichtbar machen!“
Insgesamt hält sich der Motivationsfaktor der FeG-Vision auf einer Skala von eins bis zehn mit knapp drei auf einem niedrigen Niveau. Das ist bedenklich und ernüchternd.
Lebendige Spannung
Einige Antworten und Aspekte aus der Umfrage werfen wir in dieser FeG-Zeitschrift in den Ring: FeG-Präses Henrik Otto stellt sich im Interview den kritischen Fragen zur FeG-Vision. Jennifer Iyayi Idahosa malt uns mit dem biblischen Festmotiv neu die große Liebesgeschichte Gottes in Jesus Christus vor Augen. Und drei Gemeinden beschreiben ihren Zugang vor Ort zum festlichen Zukunftsbild der FeG-Vision.
Die FeG-Vision löst etwas aus: Zustimmung oder Widerstand – manche halten sie für belanglos. Aber ohne die FeG-Story ist „Gemeinden, die sich anfühlen wie ein Fest“ nicht komplett. Denn richtig warm und leidenschaftlich wird mein Herz bei „Gott und Mensch gehören zusammen“ gepaart mit dem stechenden Schmerz, dass es (noch) nicht so ist. Deshalb brauchen wir lebendige FeG-Gemeinden, damit Menschen Jesus Christus (neu) begegnen.
Da ist sie auf einmal wieder, die Art von „Hassliebe“ auf etwas, was mich nicht kaltlässt. Was mich triggert, weil es offensichtlich gerade nicht so ist. Aber gleichzeitig mit Sehnsucht und Hoffnung, dass es besser heute als morgen so sein möge. Ja, eines Tages in Gottes neuer Welt, aber auch schon ein Stück weit heute vor Ort in meiner FeG-Gemeinde.
Ich wünsche Ihnen eine motivierende und auch störende Lektüre diese Ausgabe von CHRISTSEIN HEUTE. Danke für Ihre treue Leserschaft. Liebe Grüße aus Witten!
Artur Wiebe | Redaktionsleiter
CHRISTSEIN HEUTE | christsein-heute.de
FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE
- Diese Einführung ins Thema ist zuerst erschienen in der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE „Mehr als ein Fest“ 06/2025 | christsein-heute.de >>
- Jetzt kostenloses Probeabo von CHRISTSEIN HEUTE anfordern: christsein-heute.de >>
Auch noch interessant
CHRISTSEIN HEUTE | FeG-Forum
Die FeG Zeitschrift für Freie evangelische Gemeinden
- Kostenlosen Testabo der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE >>
- monatliche Erscheinungsweise im SCM Bundes-Verlag gGmbH
- tiefgehende Dossierthemen und Impulse für Glauben und Leben, hilfreiche Tipps für Gemeindeleitung und Mitarbeitende
- FeG-Forum erscheint vierteljährlich als Beilage für den kompletten Bund FeG: Infos aus Bund FeG und Bundeswerken
- ANGEBOT: FeG-Hauptamtliche bekommen 50 % Rabatt auf alle SCM Bundes-Verlags-Zeitschriften | Weitere Infos >>
- Werben in CHRISTSEIN HEUTE: Anzeigenabteilung | Mediadaten >>
- Weitere FeG-Materialien im FeG-Shop | SCM-Shop
- Aktuelles CHRISTSEIN HEUTE-Medienpaket für FeG-Medien und Gemeindebriefe | ZIP >>
- Verschenken Sie die FeG-Zeitschrift an Freundinnen, Freunde und Gäste Ihrer Gemeinde. Dafür lassen wir Ihnen gerne kostenlose Probeexemplare zukommen. | dialog@christsein-heute.de
Pressekontakt
Foto: FeG Deutschland | AW Nathanael Ullmann | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit
- Telefon: 02302 937-32 | Fax: 02302 937-99
- presse@feg.de | feg.de
Foto: FeG Deutschland | NU Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher
- Telefon: 02302 937-33 | Fax: 02302 937-99
- presse@feg.de | feg.de
