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Juni 1, 2022 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE Corona FeG-Präses Gemeindeleben Gemeinden Presse vef.de

FeG-Präses | Perspektiven | Krisenfest werden

In seinen PERSPEKTIVEN greift Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, einen Aspekt aus dem Leben oder ein Thema aus der öffentlichen Diskussion auf.

Krisenfest | Teil 1

Perspektive auf Gott weiten und den zugewiesenen Platz ausfüllen

Was braucht es in diesen krisenhaften Tagen? Was braucht diese Welt in diesen Tagen? Und was brauchst Du? Ich habe zwei Antworten: Erstens braucht es Menschen, die eine große Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott haben. Zweitens braucht es Menschen, die ihren von Gott zugewiesenen Platz in der von Gott gewünschten Weise ausfüllen.

Krisen sind normal

Dass wir in Krisenzeiten leben, ist klar. Vor einem halben Jahr empfand ich es als neue Erkenntnis, die ich mir selbst und auch den Gemeinden zumuten muss, dass eine Krise auf die andere folgt. Früher hatte man gedacht, nach einer Krisenbewältigung sei der Normalzustand wieder hergestellt. Früher war meine Illusion, eine Krise sei eine Phase, nach deren Überwindung alles so ist wie früher. Mir ist bewusst, dass viele diese unbequeme Erkenntnis noch gar nicht an sich heranlassen.
Nun komme ich mit einer noch härteren Wahrheit. Sie lautet, dass Krisen sich nicht mehr ablösen, sondern gleichzeitig geschehen. Folgende Liste von gleichzeitig stattfindenden Krisen las ich neulich: 1. Artensterben, 2. Klimakrise, 3. Corona, 4. Russland-Westen-Verhältnis, 5. Fluchtbewegungen aus der Ukraine, 6. Nahrungsmittelknappheit. Und dabei sind zukünftige mögliche Szenarien wie „Atomkrieg“ oder „Ausweitung eines Krieges“ oder „Fluchtbewegungen wegen der Nahrungsmittelknappheit“ noch gar nicht genannt. Neu ist die globale Verdichtung von Krisen und deren Schnelligkeit. Corona hat uns beide Phänomene vor Augen geführt, denn das Virus war überall und es war schnell.

Krisenmodus lernen

Wie auch immer wir die einzelnen Punkte gewichten: wir werden uns an die Krisenhaftigkeit unserer Zeit gewöhnen müssen. Wenn ich „wir“ sage, dann meine ich mich und „uns Wohlstandskinder“, also meine Generation und die danach. Wir wuchsen mit dem Gefühl auf, dass alles immer besser, schöner und friedlicher wird und das Geld auf dem Konto für uns arbeitet. Wir meinten, das alte „Normal“ komme immer wieder zurück.

Wir merken, dass es das nicht mehr gibt. Wir wachen auf. Manchmal nur langsam. Und eine nächste, noch jüngere Generation hat es zum Teil schon begriffen: Das Leben ist ungemütlich. Ein Blick in die Welt zeigt, dass der Traum vom immer schöner und besser ein westeuropäisch-nordamerikanischer war. D. h.: Er wurde nur von wenigen geträumt. Andere Länder und Kulturen hatten den Krisenmodus schon lange gelernt.

Lösungen durchziehen

Deswegen frage ich noch mal: Was braucht es? Und was brauchst du? Dazu wird man vieles sagen müssen. Wir brauchen die Bereitschaft, Opfer zu bringen. Wir brauchen gute Lösungen. Wir brauchen schnelle Lösungen. Wir brauchen Lösungen über politische Lager hinweg, damit Demokratien handlungsfähig bleiben. Und wir brauchen Menschen, die die Nerven und Kompetenz haben, diese Lösungen durchzuziehen.

Was ich als Nachfolger Jesu beizutragen und anzubieten habe – nicht als besserwisserische und allumfassenden, sondern als ergänzenden und wesentlichen Beitrag – ist Folgendes:

  • Erstens braucht es Menschen, die eine große Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott haben.
  • Zweitens braucht es Menschen, die ihren von Gott zugewiesenen Platz in der von Gott gewünschten Weise ausfüllen.

Dazu in der nächsten Ausgabe der PERSPEKTIVEN mehr …

Ansgar Hörsting | Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden | praeses.feg.de

 

Krisenfest | Teil 2

Perspektive auf Gott weiten und den zugewiesenen Platz ausfüllen

In der letzten Ausgabe von CHRISTSEIN HEUTE habe ich über die Verdichtung, Schnelligkeit und Gleichzeitigkeit von Krisen als neue Lebensrealität geschrieben und gefragt, was diese Welt, was diese Zeit und was du als Mensch brauchst. In dieser Ausgabe gebe ich meine Antworten.

Perspektive souveräner und gnädiger Gott

Erstens braucht es Menschen, die eine Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott haben. Mir fällt auf, dass alle Menschen, die für mich ein Vorbild im Glauben sind, die Perspektive auf einen großen und souveränen Gott haben. Und dass sie zugleich durch Gottes Gnade eine persönliche und liebevolle Beziehung zu diesem Gott haben. Menschen in Krisenzeiten müssen von einem solchen souveränen Gott wissen. Das ist der Grund, warum im Buch der Offenbarung Gott immer wieder als herrlich, mächtig und anbetungswürdig vorgestellt wird. Dort ist er „Anfang und Ende“, „Alpha und Omega“ des Weltgeschehens.

Hiob klagt Gott an, weil er unmenschliches Leid trägt. Habakuk hadert mit Gott, weil der scheinbar nicht in die Geschichte eingreift. Jesus selbst möchte den Kelch des Leids nicht trinken. Aber all dem gegenüber steht ein souveräner, heiliger Gott. Er beantwortet nicht alle Fragen, aber er bleibt größer, als Menschen denken können. Ja, dieser große und souveräne Gott hat sich in Jesus klein gemacht, ist Mensch geworden, ist der von Herzen barmherzige Gott! Aber er bleibt der große, heilige Gott, der sich in Jesus so offenbart hat. Das ist ja das Wunder. Das ist ja das Evangelium. Krisenfeste Christen haben eine solche Perspektive auf einen souveränen Gott. An dem kann man sich reiben, den kann man sogar anschreien, man kann sich aber auch einfach vor ihm beugen.
Mir fällt auf, wie schwankend der Glaube wird, wenn Menschen nur an einen „Jesus für sich alleine“ glauben. Wenn sie einen Gott haben, der lediglich für die Erfüllung ihrer Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten ist. Wenn sie ihr eigenes Handeln und Entscheiden als maßgeblich erachten anstatt Gottes Handeln und Entscheiden, sind sie nicht krisenfest. Wenn der Glaube allein der eigenen
Lebensoptimierung dient und nicht zur Ehre Gottes gelebt wird, ist er nicht krisenfest.

Eine große Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott. Das brauchen wir. Und das einmalige und besondere Geschenk Gottes ist es, dass wir eine lebendige und persönliche Beziehung zu diesem souveränen Gott haben können. Durch Gnade bleibt Gott nicht fern und unnahbar, sondern wird ansprechbar. Der Heilige Geist vermittelt diese Nähe und wir können „Papa, Vater“ rufen. Diese Kombination aus Souveränität und Beziehung ist einmalig.

Den Zugewiesenen Platz ausfüllen

Zweitens braucht es Menschen, die ihren von Gott zugewiesenen Platz in der von Gott gewünschten Weise ausfüllen. Wenn ich groß von Gott denke, kann ich den Platz einnehmen, den er mir gibt. Ich habe es an Andrey C. gesehen, ukrainischer Pastor, der das Land hätte verlassen können, aber sagt: „Ich gehöre hier in meine Stadt, in meine Gemeinde, um Menschen zu helfen, Menschen zu retten. Man kann mir alles nehmen, aber nicht meinen Glauben und nicht Jesus!“ Wir haben in den letzten Wochen an vielen Ukrainern eine ähnliche Haltung gesehen und staunen darüber. Aber ich kenne sie auch von ganz normalen, durchschnittlichen Gemeinden in unserem Land. Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, die trotz Gegenwind und Frust wissen: Ich gehöre hier in den Kindergottesdienst, deswegen bleibe ich hier auch. Oder: Gott hat mich berufen, ihm im Technikteam zu dienen, also tue ich es.

Ich habe es an unendlich vielen Männern, Frauen und auch Jugendlichen gesehen. Sie wussten, wo sie hingehören, um Gottes Reich zu verkündigen und ihre Berufung zu leben. Nichts kann sie davon abhalten. Wenn ein Schiff wankt braucht es einen Kapitän, der bleibt, und Personal, das seinen Platz ausfüllt, anstatt von Bord zu springen. Krisenzeiten brauchen Menschen, die ihren Platz einnehmen und ausfüllen. Das ist meine Überzeugung.

Menschen, die die große Perspektive von einem souveränen und gnädigen Gott haben, sind in der Lage, ihren Platz auszufüllen und ihre Berufung zu leben. Denn sie wissen: Dieser Platz ist gut.
Diese beiden Aspekte beantworten die Frage, was diese Welt und diese Zeit braucht. Zugleich beantworten sie auch die Frage, was du ganz persönlich brauchst, um in Krisenzeiten leben zu können. Du brauchst diese Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott, du brauchst das Wissen, wozu Gott dich berufen hat und die Standfestigkeit, darin zu leben. Das schenkt dir der Heilige Geist.

Ansgar Hörsting | Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden | praeses.feg.de

 

Krisenfest | Teil 3 | folgt

 

Die monatlichen PERSPEKTIVEN von Präses Ansgar Hörsting erscheinen in der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE >>

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