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Juli 1, 2022

FeG-Präses | Perspektiven | Krisenfest werden

In seinen PERSPEKTIVEN greift Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, einen Aspekt aus dem Leben oder ein Thema aus der öffentlichen Diskussion auf.

Krisenfest | Teil 1

Perspektive auf Gott weiten und den zugewiesenen Platz ausfüllen

Was braucht es in diesen krisenhaften Tagen? Was braucht diese Welt in diesen Tagen? Und was brauchst Du? Ich habe zwei Antworten: Erstens braucht es Menschen, die eine große Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott haben. Zweitens braucht es Menschen, die ihren von Gott zugewiesenen Platz in der von Gott gewünschten Weise ausfüllen.

Krisen sind normal

Dass wir in Krisenzeiten leben, ist klar. Vor einem halben Jahr empfand ich es als neue Erkenntnis, die ich mir selbst und auch den Gemeinden zumuten muss, dass eine Krise auf die andere folgt. Früher hatte man gedacht, nach einer Krisenbewältigung sei der Normalzustand wieder hergestellt. Früher war meine Illusion, eine Krise sei eine Phase, nach deren Überwindung alles so ist wie früher. Mir ist bewusst, dass viele diese unbequeme Erkenntnis noch gar nicht an sich heranlassen.
Nun komme ich mit einer noch härteren Wahrheit. Sie lautet, dass Krisen sich nicht mehr ablösen, sondern gleichzeitig geschehen. Folgende Liste von gleichzeitig stattfindenden Krisen las ich neulich: 1. Artensterben, 2. Klimakrise, 3. Corona, 4. Russland-Westen-Verhältnis, 5. Fluchtbewegungen aus der Ukraine, 6. Nahrungsmittelknappheit. Und dabei sind zukünftige mögliche Szenarien wie „Atomkrieg“ oder „Ausweitung eines Krieges“ oder „Fluchtbewegungen wegen der Nahrungsmittelknappheit“ noch gar nicht genannt. Neu ist die globale Verdichtung von Krisen und deren Schnelligkeit. Corona hat uns beide Phänomene vor Augen geführt, denn das Virus war überall und es war schnell.

Krisenmodus lernen

Wie auch immer wir die einzelnen Punkte gewichten: wir werden uns an die Krisenhaftigkeit unserer Zeit gewöhnen müssen. Wenn ich „wir“ sage, dann meine ich mich und „uns Wohlstandskinder“, also meine Generation und die danach. Wir wuchsen mit dem Gefühl auf, dass alles immer besser, schöner und friedlicher wird und das Geld auf dem Konto für uns arbeitet. Wir meinten, das alte „Normal“ komme immer wieder zurück.

Wir merken, dass es das nicht mehr gibt. Wir wachen auf. Manchmal nur langsam. Und eine nächste, noch jüngere Generation hat es zum Teil schon begriffen: Das Leben ist ungemütlich. Ein Blick in die Welt zeigt, dass der Traum vom immer schöner und besser ein westeuropäisch-nordamerikanischer war. D. h.: Er wurde nur von wenigen geträumt. Andere Länder und Kulturen hatten den Krisenmodus schon lange gelernt.

Lösungen durchziehen

Deswegen frage ich noch mal: Was braucht es? Und was brauchst du? Dazu wird man vieles sagen müssen. Wir brauchen die Bereitschaft, Opfer zu bringen. Wir brauchen gute Lösungen. Wir brauchen schnelle Lösungen. Wir brauchen Lösungen über politische Lager hinweg, damit Demokratien handlungsfähig bleiben. Und wir brauchen Menschen, die die Nerven und Kompetenz haben, diese Lösungen durchzuziehen.

Was ich als Nachfolger Jesu beizutragen und anzubieten habe – nicht als besserwisserische und allumfassenden, sondern als ergänzenden und wesentlichen Beitrag – ist Folgendes:

  • Erstens braucht es Menschen, die eine große Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott haben.
  • Zweitens braucht es Menschen, die ihren von Gott zugewiesenen Platz in der von Gott gewünschten Weise ausfüllen.

Dazu in der nächsten Ausgabe der PERSPEKTIVEN mehr …

Ansgar Hörsting | Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden | praeses.feg.de

 

Krisenfest | Teil 2

Perspektive auf Gott weiten und den zugewiesenen Platz ausfüllen

In der letzten Ausgabe von CHRISTSEIN HEUTE habe ich über die Verdichtung, Schnelligkeit und Gleichzeitigkeit von Krisen als neue Lebensrealität geschrieben und gefragt, was diese Welt, was diese Zeit und was du als Mensch brauchst. In dieser Ausgabe gebe ich meine Antworten.

Perspektive souveräner und gnädiger Gott

Erstens braucht es Menschen, die eine Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott haben. Mir fällt auf, dass alle Menschen, die für mich ein Vorbild im Glauben sind, die Perspektive auf einen großen und souveränen Gott haben. Und dass sie zugleich durch Gottes Gnade eine persönliche und liebevolle Beziehung zu diesem Gott haben. Menschen in Krisenzeiten müssen von einem solchen souveränen Gott wissen. Das ist der Grund, warum im Buch der Offenbarung Gott immer wieder als herrlich, mächtig und anbetungswürdig vorgestellt wird. Dort ist er „Anfang und Ende“, „Alpha und Omega“ des Weltgeschehens.

Hiob klagt Gott an, weil er unmenschliches Leid trägt. Habakuk hadert mit Gott, weil der scheinbar nicht in die Geschichte eingreift. Jesus selbst möchte den Kelch des Leids nicht trinken. Aber all dem gegenüber steht ein souveräner, heiliger Gott. Er beantwortet nicht alle Fragen, aber er bleibt größer, als Menschen denken können. Ja, dieser große und souveräne Gott hat sich in Jesus klein gemacht, ist Mensch geworden, ist der von Herzen barmherzige Gott! Aber er bleibt der große, heilige Gott, der sich in Jesus so offenbart hat. Das ist ja das Wunder. Das ist ja das Evangelium. Krisenfeste Christen haben eine solche Perspektive auf einen souveränen Gott. An dem kann man sich reiben, den kann man sogar anschreien, man kann sich aber auch einfach vor ihm beugen.
Mir fällt auf, wie schwankend der Glaube wird, wenn Menschen nur an einen „Jesus für sich alleine“ glauben. Wenn sie einen Gott haben, der lediglich für die Erfüllung ihrer Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten ist. Wenn sie ihr eigenes Handeln und Entscheiden als maßgeblich erachten anstatt Gottes Handeln und Entscheiden, sind sie nicht krisenfest. Wenn der Glaube allein der eigenen
Lebensoptimierung dient und nicht zur Ehre Gottes gelebt wird, ist er nicht krisenfest.

Eine große Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott. Das brauchen wir. Und das einmalige und besondere Geschenk Gottes ist es, dass wir eine lebendige und persönliche Beziehung zu diesem souveränen Gott haben können. Durch Gnade bleibt Gott nicht fern und unnahbar, sondern wird ansprechbar. Der Heilige Geist vermittelt diese Nähe und wir können „Papa, Vater“ rufen. Diese Kombination aus Souveränität und Beziehung ist einmalig.

Den Zugewiesenen Platz ausfüllen

Zweitens braucht es Menschen, die ihren von Gott zugewiesenen Platz in der von Gott gewünschten Weise ausfüllen. Wenn ich groß von Gott denke, kann ich den Platz einnehmen, den er mir gibt. Ich habe es an Andrey C. gesehen, ukrainischer Pastor, der das Land hätte verlassen können, aber sagt: „Ich gehöre hier in meine Stadt, in meine Gemeinde, um Menschen zu helfen, Menschen zu retten. Man kann mir alles nehmen, aber nicht meinen Glauben und nicht Jesus!“ Wir haben in den letzten Wochen an vielen Ukrainern eine ähnliche Haltung gesehen und staunen darüber. Aber ich kenne sie auch von ganz normalen, durchschnittlichen Gemeinden in unserem Land. Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, die trotz Gegenwind und Frust wissen: Ich gehöre hier in den Kindergottesdienst, deswegen bleibe ich hier auch. Oder: Gott hat mich berufen, ihm im Technikteam zu dienen, also tue ich es.

Ich habe es an unendlich vielen Männern, Frauen und auch Jugendlichen gesehen. Sie wussten, wo sie hingehören, um Gottes Reich zu verkündigen und ihre Berufung zu leben. Nichts kann sie davon abhalten. Wenn ein Schiff wankt braucht es einen Kapitän, der bleibt, und Personal, das seinen Platz ausfüllt, anstatt von Bord zu springen. Krisenzeiten brauchen Menschen, die ihren Platz einnehmen und ausfüllen. Das ist meine Überzeugung.

Menschen, die die große Perspektive von einem souveränen und gnädigen Gott haben, sind in der Lage, ihren Platz auszufüllen und ihre Berufung zu leben. Denn sie wissen: Dieser Platz ist gut.
Diese beiden Aspekte beantworten die Frage, was diese Welt und diese Zeit braucht. Zugleich beantworten sie auch die Frage, was du ganz persönlich brauchst, um in Krisenzeiten leben zu können. Du brauchst diese Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott, du brauchst das Wissen, wozu Gott dich berufen hat und die Standfestigkeit, darin zu leben. Das schenkt dir der Heilige Geist.

Ansgar Hörsting | Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden | praeses.feg.de

 

Krisenfest | Teil 3

Was braucht es, um krisenfest zu werden?

In den letzten beiden CHRISTSEIN HEUTE-Ausgaben habe ich die Gleichzeitigkeit der Krisen in dieser Welt beschrieben und beantwortet, was nach meiner Einsicht ein Beitrag der Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu in dieser Krisenwelt sein kann – und was sie selbst brauchen. Ich hatte gesagt, dass es Menschen braucht, die eine große Perspektive auf einen souveränen und gnädigen Gott haben. Und Menschen, die ihren von Gott zugewiesenen Platz in der von Gott gewünschten Weise ausfüllen.

Inspirierende Beiträge

Anfang Mai haben wir in einer Runde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bund FeG über die Frage nachgedacht, was es braucht, um krisenfest zu werden. Dabei kamen so wunderbare, inspirierende Perspektiven heraus, dass ich sie mit ihrer Erlaubnis hier gerne weitergebe. Die Frage lautete: Was sind Beiträge von Gemeinden und von Jesusnachfolgerinnen und -nachfolgern in Krisenzeiten? Hier die Antworten:

  • Tragfähige solidarische Gemeinschaften, die in der akuten Krise, aber auch darüber hinaus, Menschen Heimat und Orte der Geborgenheit bieten.
  • Menschen, die praktisch anpacken, die nicht lange diskutieren, sondern einfach, menschlich, sofort und niederschwellig helfen. Die durch ihr Handeln andere motivieren, mutig mitzuziehen. Die es Hilfesuchenden und Krisengeschüttelten nicht schwer, sondern einfach machen.
  • Menschen, die im Krisenchaos den Moment finden, wo sie das Evangelium von Jesus weitersagen und bezeugen.
  • Eine Hoffnung und Perspektive für dieses Leben und darüber hinaus. Und das heißt: Menschen, die in der Krise nicht nur und nicht zuerst Endzeitmomente sehen, sondern Chancen für Hoffnungsschimmer.
  • Menschen, die sich der Krise in ihrer Bedrohung und Schmerz stellen und überlegen, welche Antworten wir darauf aus der Perspektive des Kreuzes haben. Menschen, die auch leise Antworten suchen und geben können. Biblisch fundiert in einer Theologie des Kreuzes und des Leides. Prophetisch, weil Gott im Leid zu finden ist. Jemand beklagte in diesem Zusammenhang eine „toxische Positivität“, die Leid gar nicht mehr aushalten kann und es verdrängt.
  • Evangeliumsgemäße Werte stärken und leben. Das heißt, dass der Mensch wichtig ist, dass Freundschaft, Familie und Gemeinschaft gestärkt werden, anstatt der Dominanz des Stärkeren.
  • Dass wir uns von den Krisen dieser Zeit zu mehr Bescheidenheit und Einfachheit herausfordern lassen, statt in den Kanon des „Immer mehr“ einzustimmen. Wir sind nicht dazu berufen, in Reichtum und Sicherheit zu leben, sondern Jesus in allem nachzufolgen.
  • Bei allem Tun, Machen und Engagement: Orte der Ruhe schaffen, fern der Panik, Hektik und Unruhe. Orte in der Gegenwart Gottes, an denen wir beten können: „Herr erbarme Dich.“.
  • Jesu Wort aus Johannes 16,33, das in Krisen tragen kann. „In der Welt habt ihr Angst …“ – das ist so und es wird so bleiben – „aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Es gibt also diesen Jesus, der größer ist und uns tragen kann. Wir sind getrost und können Trost bieten.
  • Gesellschaftliche Relevanz. Wir können versuchen, die Situation und Krise im Licht der Bibel zu verstehen und relevante Antworten von ihr her geben.

Den eigenen Horizont erweitern

Ich war begeistert von der Fülle von inspirierenden Antworten. Sie haben meinen eigenen Horizont erweitert und mich angestoßen, noch viel mehr zu sehen. Ich bin sicher, wenn Gemeinden, Hauskreise oder andere Gruppen ähnliches tun, kommen noch weitere, inspirierende Perspektiven zutage.

Was mich vor allem überzeugt: Wenn wir zusammenstehen und uns von Jesus anregen lassen, ist eine Krise der Ort, wo wir ihm begegnen und er uns gebrauchen wird. Das geschieht hundertfach in unseren Gemeinden und das begeistert mich. Danke!

ANSGAR HÖRSTING | Präses Bund FeG | praeses.feg.de

Die monatlichen PERSPEKTIVEN von Präses Ansgar Hörsting erscheinen in der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE >>

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