Zeugnis geben
Die Rolle von Lebensberichten im Gottesdienst
Arndt Schnepper macht Mut, dem Zeugnis und Lebensbericht in den FeG-Gottesdiensten Raum zu geben, damit das Evangelium von Jesus Christus besser in dem Leben der Zuhörenden ankommt.
Es gibt manche Begründungen für den Glauben – aber ein Argument ist besonders stark: die persönliche Erfahrung mit Gott. Diese Feststellung lässt sich sowohl im Vier-Augen-Gespräch als auch im Gottesdienst machen. Wenn wir etwas mit Jesus erleben und dies verständlich erzählen, dann ist das in aller Regel ein starker Impuls für die Zuhörenden.
Man könnte es so sagen: Das biografische Zeugnis macht die biblische Wahrheit plausibel. So ist es auch zu erklären, dass seit jeher das sogenannte „Zeugnis“ einen festen Platz in Freien evangelischen Gemeinden besitzt. Manchmal kommt es in der Predigt vor, gelegentlich hat es auch einen eigenständigen Ort im Gottesdienst. Diese Praxis knüpft an die neutestamentliche Urerfahrung in der Apostelgeschichte an.
Nach der Ausgießung des Geistes berichten die Christen von den „großen Taten Gottes“ (Apostelgeschichte 2,11). Und vor dem Hohen Rat bekennen Johannes und Petrus: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“ (Apostelgeschichte 4,20).
„Ich“ sagen lernen
Mitunter tun sich Christen schwer, ihren Glauben im Gottesdienst zu artikulieren. Sie verweisen dann gerne auf die Lieder und die Gebete, in denen sie schließlich auch ihren Glauben bekennen. Oder sie fühlen sich selbst nicht würdig genug. Mir sagte einmal ein älterer Bruder, er sei ein viel zu „schlechter Text“ und wolle deshalb lieber nichts von sich erzählen.
Nun sind solche Erklärungen nicht grundsätzlich falsch. Aber sie verkennen doch, dass ein individuelles Zeugnis nicht uns, sondern Gott loben soll. Schließlich sind wir nicht nur arme Sünder und Sünderinnen, sondern auch Zeugen und Zeuginnen unseres Herrn.
Öffnen und planen
Etliche Gemeinden machen gute Erfahrungen damit, im monatlichen Abendmahls-Gottesdienst einen Raum für Zeugnisse zu öffnen. Je nach Gemeindekultur können solche Lebensberichte dann sogar die Predigt ersetzen. Entscheidend für den Verlauf solcher Zeugniszeiten ist eine angemessene Einführung. Manchmal braucht es etwas Ermutigung hierfür. Hin und wieder ist es auch hilfreich, eine oder mehrere Personen vorher anzusprechen und zu bitten, sich einzubringen.
Je nach Zeugnis ist es auch sinnvoll, das Gesagte ein wenig zusammenfassen oder einzubinden. Auch ein anschließendes Gebet ist manchmal angebracht. Hier ist geistliches Fingerspitzengefühl seitens der Moderation gefragt. In einem regulären Sonntagsgottesdienst bewährt es sich meistens, solche Zeugnisse zu planen. Denn hier ist die Zeit begrenzt. Und je nach Anlass oder Thema lassen sich auch entsprechende Beiträge vorbereiten.
Vielfalt belebt
In unseren Lebensberichten erzählen wir, wie wir Jesus im Alltag erleben – und das ehrt ihn und macht den Glauben unserer Zuhörer stark. Weil solche Zeugnisse aber oft spontan und individuell sind, ist es wichtig, im Gottesdienst eine Kultur der Vielfalt anzustreben.
Mit anderen Worten: Wir sollten darauf achten, dass nicht einseitig immer dieselben Botschaften vermittelt werden. Es ist wie bei unseren Predigten: Wir sagen immer das eine Evangelium, das sich dann in vielen Lichtstrahlen bricht. Einige Beispiele nenne ich:
- Mutmach-Berichte: Jemand berichtet beispielsweise, wie er zerstört am Boden lag. Wie eingemauert fühlte er sich und vermochte dann doch wieder aufstehen. Es ist, als kehre er nun vom Tod zum Leben zurück. Solche Berichte sind eine geistliche Vitaminspritze für den Alltag.
- Wunder-Berichte: Auch sie gibt es. Immer wieder erleben wir durch Gottes Eingriff eine Hilfe in der Not. Solche Berichte sind die Klassiker unter den Zeugnissen. Zu Recht freuen wir uns dann alle mit. Wichtig ist jedoch, dass diese Form der Glaubenserfahrung nicht der einzige Zeugnistyp bleibt. Ansonsten vermitteln wir ein Gottesbild, das nicht wirklich geerdet ist.
- Gedulds-Berichte: Dieses Erleben ist auch zu gut bekannt. Wir hoffen, beten und bitten – doch es scheint sich nichts zu tun. Es tut gut, solche Erfahrungen auch von anderen zu hören. Denn im Aussprechen und Zuhören gewinnen wir meist eine geistliche Distanz zu den Dingen und gewinnen Ausdauer.
- Durchblick-Berichte: Eindrücklich sind auch Berichte, die von einer neuen Sicht erzählen. So fiel 50 Tage nach Ostern der Geist auf Maria und die Jünger Jesu. Da sah plötzlich die Welt ganz anders aus. Wo früher Fensterläden den Blick verbargen, ging man nun ins helle Licht. Das sind die Erzählungen, in denen Menschen einen neuen Blick für ihr Leben erhalten. Die Umstände ändern sich nicht, aber die Akteure nehmen nun ihre Umgebung anders wahr.
- Bekenntnisse: Von Schuld und Fehlverhalten zu berichten, fällt wohl allen schwer. Aber wenn wir solche Muster bei uns erkennen und Vergebung erleben, so ist das ein starkes Signal für alle Beteiligten. Freilich gilt auch hier die Regel der Verhältnismäßigkeit. Schließlich kann jede Schuld vor Gott bekannt werden, nicht jede sollte aber öffentlich genannt werden. Denn so etwas kann im Zweifelsfall auch überfordern.
- Umkehr-Geschichten: Was gibt es Schöneres, als wenn ein Mensch von seiner „Bekehrung“ zu Gott berichten kann! Es sind gerade diese Erfahrungen, die eine Gemeinde ungemein positiv prägen können. Denn so entsteht oft ganz unvermittelt eine Kultur der Evangelisation.
Gemeinde-Geschichten: Geteilte Erfahrungen können im Idealfall eine Art „großes Gedächtnis“ bilden, das alle miteinander verbindet. Das kann Erlebtes aus Hauskreisen, Gebetszellen oder Jugendgruppen sein. Wenn eine Gemeinde solche Ereignisse kennt und so voneinander weiß, ist das ein kostbarer Schatz.
Vom Alltag in den Gottesdienst und wieder zurück
Wenn Lebensberichte in unseren Gottesdiensten einen festen Platz erhalten, dann spüren wir rasch eine neue Frische. Die Leute verstehen: Der Glaube ist keine trockene Theorie, sondern steckt voller Überraschungen.
Und noch etwas: Wenn wir lernen, im Gottesdienst Christus zu bezeugen, dann ist der Weg nicht mehr weit, ihn auch im Alltag zu bekennen. Wir gewinnen mehr und mehr den Eindruck, dass es ganz normal ist, das Evangelium ins Gespräch zu bringen. Was gibt es Schöneres!

Dr. Arndt E. Schnepper | Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach | th-ewersbach.de
Dieser Artikel erschien zuerst in der FeG-Zeitschrift Christsein Heute.
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