13. Oktober 2019 | Aktuell CHRISTSEIN HEUTE FeG Präses Gremien Presse

FeG Bundestag 2019 | Wort des Präses

Lebendige Gemeinden

Das Wort des Präses auf dem FeG Bundestag 2019

Ansgar Hörsting gibt als Teil der Bundesleitung seine Einschätzung zur Lage des Bundes FeG. Er macht Mut, aus Glauben und Gebet Kraft und Hoffnung zu schöpfen, sich als Einzelne und Gemeinden den zukünftigen Herausforderungen zu stellen und sie aktiv mit zu gestalten, indem wir lebendige Gemeinden bauen.

Wir empfinden unsere Zeiten als krass. Alles scheint extremer, globaler und schneller zu werden. Und ja: Es wird nicht mehr so gemütlich werden, wie es mal war. Wer so empfindet, ist wahrscheinlich schon etwas älter. Die Generationen Y und Z wachsen mit all dem auf, was andere als krass empfinden. Es sind Selbstverständlichkeiten für sie. Aber sie werden z. B. die Frage nach Klimagerechtigkeit und globaler Gerechtigkeit anders stellen. Und wer das abtut, ist schnell abgehängt.

Krasse Zeiten empfinden

Über „krasse Zeiten“ kann man im Spätsommer 2019 wohl nicht sprechen, ohne den Klimawandel und die Frage des menschlichen Beitrags daran zu erwähnen. Also muss man über „Fridays for future“ und Greta Thunberg sprechen. Ob es einem passt oder nicht.

Im Jahre 2014 hat die Bundesleitung des Bundes FeG ein Schuldbekenntnis abgelegt zum Verhalten in FeGs im sogenannten „Dritten Reich“. Wir haben damals ein „ghettohaftes Leben“ in unseren Gemeinden beklagt und bekannt. Und dann ergänzt, dass ein solches Schuldbekenntnis es nötig macht, in der Gegenwart ähnliche Fehler nicht zu wiederholen, also nicht ghettohaft zu leben. Es muss gehandelt werden und dabei darf man wohl nicht darauf warten, bis alle aus persönlicher Motivation ihre eigenen Entscheidungen treffen. Hätte man in gesellschaftlichen Prozessen immer nur auf Eigenverantwortung und Freiheit gesetzt, gäbe es keine Schulpflicht, kein Verbot von Kinderarbeit und keine Verkehrsregeln.

Ich liebe die Freiheit, ich liebe meine Freiheit, aber es ist klar: Freiheit braucht Verantwortung und sie endet an der Freiheit des Nächsten. Und der Nächste, das sind auch über sieben Milliarden Menschen, von denen viele in Armut leben und die Konsequenzen des Klimawandels existenziell erfahren, mehr als ich, der ich reich bin. Deswegen muss es politische Entscheidungen geben, vor allem aber auch Innovationen und frische Ideen. Krasse Zeiten machen sie notwendig.

In all dem haben wir aber dennoch die einmalige und fantastische Aufgabe, wir haben das Privileg, den zu bezeugen, der auch das Klima in der Hand hat. Den, der der Erste und der Letzte ist (Offenbarung 1,17-18). Diese Welt wird vergehen, aber Jesu Worte nicht (Matthäus 24,35). Das sage ich nicht, um einem Fatalismus das Wort zu reden. Diese Perspektive ist kein billiger Trost, sondern kostbar. Sie gibt eine Hoffnung über diese Welt hinaus. Alte und junge Menschen brauchen einen Halt, der außerhalb von ihnen liegt. Das ist ein existenzielles Bedürfnis. Und da kommt das zweite Stichwort ins Spiel: starker Glaube.

Starker Glaube verändert

Stark ist der Glaube, weil er jemanden zum Inhalt hat, der stark ist. Der Schöpfer des Himmels, des Kosmos, der Erde. Der Erlöser Jesus Christus, in dem die Kraft der Auferstehung wirksam war. Und der Heilige Geist, der heute die Kraft Gottes für uns erfahrbar macht. Dieser Glaube ist uns geschenkt und das ist es, was wir der Welt geben können. Erst wenn wir uns der Krassheit des Lebens wirklich stellen und uns nicht im „Ghetto“ verkriechen, hat das Evangelium eine Strahl- und eine Anziehungskraft, die Menschen verändert. Wir sind nicht die besseren Politiker. Wir sollen hineingehen ins Politische, aber als Gemeinde haben wir noch mehr.

Wir wollen als Bund FeG lebendige Gemeinden gründen und bauen. Lebendige Gemeinden sind Gemeinden, in denen dieser lebendige Glaube erfahrbar wird. Wo das geschieht, sind wir befreit von der Angst, allein in diesem Kosmos zu sein. Wir sind voller Freude, weil wir eine Verbindung mit Gott haben. Wir sind beschenkt mit Gaben zum Segnen, Heilen, Befreien und Versöhnen. Und als solche gestalten wir diese Welt mit.

Unser Leben ist voll von unglaublichen Herausforderungen – persönlich und gesellschaftlich. Gott hat uns die Vision gegeben von seiner Gemeinde, in der sein Evangelium wirkt und lebendig macht.

Wegweisende Empfehlungen geben

Durch die Verlautbarungen der FeG-Bundesleitung geben wir zu aktuellen Themen und Zeitfragen „wegweisende Empfehlungen“ (Verfassung Bund FeG | verfassung.feg.de). Uns ist bewusst, dass viele Themen in einem Spannungsfeld stehen und nicht mit wenige Sätzen behandelt sind. Nach dem Schuldbekenntnis 2014 war länger Funkstille. Jetzt haben wir zwei Themen angesprochen, von denen viele Gemeinden signalisiert hatten, dass sie oben auf liegen – deswegen haben wir sie aufgegriffen. | verlautbarungen.feg.de

  • Schriftverständnis: Was bedeutet es, wenn wir sagen, dass verbindliche Grundlage für Glauben, Lehre und Leben die Bibel, das Wort Gottes ist? Wenn wir darüber sprechen, wie wir die Bibel verstehen, hat sich dafür der Slogan „Gottes Wort im Menschenwort“ etabliert. Beides ist Realität und muss bedacht werden. Beides darf nicht auf Kosten des anderen betont werden, sondern muss in dieser Spannung gehalten werden: Gottes Wort im Menschenwort.
  • Homosexualität: Was bedeuten die Aussagen der Bibel im Hinblick auf Menschen, die homosexuell empfinden oder leben? Die Orientierungshilfe dazu trägt den Titel: „Mit Spannungen umgehen“.

Bei diesen wie bei anderen Themen merken wir, dass Spannungen immer eine Rolle spielen. Aber wie geht man mit Spannungen um? Von Andy Stanley (Pastor der North Point Community Church, Nähe Atlanta, USA) kommt der Tipp, man solle damit so umgehen wie mit rohen Eiern. Die dürfe man nicht zu locker, aber auch nicht zu fest anfassen. Spannungen sind manchmal unangenehm. Man wünscht sich Harmonie, aber die Realität sieht anders aus und oft müssen wir lernen, mit und in Spannungen zu leben.

Die Bibel selbst hält Spannungen bereit und wir tun gut daran, sie nicht aufzulösen, sondern stehen zu lassen. So schreibt der Apostel Paulus zum Beispiel in Philipper 2,12: „Schaffet dass ihr selig werdet mit Furcht und Zittern“, um dann in V. 13 fortzufahren: „Gott ist’s, der in euch bewirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ Der Glaube ist einerseits durch das Handeln Gottes in mir hervorgerufen, aber er ist auch meine Entscheidung, sonst müsste ich nicht dazu aufgefordert werden. Die „Gemeinde“ ist im Neuen Testament sowohl die Ortsgemeinde (Apostelgeschichte 11,26) als auch die Gesamtkirche (Apostelgeschichte 9,31). Und am wichtigsten empfinde ich die Spannung, dass das Gottes Reich „schon da“ ist (Lukas 17,21) und gleichzeitig „noch nicht“ da (Lukas 11,2) ist.

Wenn ich diese und andere Spannungen nicht auflösen, sondern aushalten soll, hilft mir der Blick auf Jesus Christus. In ihm sind die Spannungen nicht aufgelöst, aber in ihm kommt alles zusammen. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Er hängt zwischen Himmel und Erde, wie wir es in einem Lied von Albert Frey singen. Er ist heilig und barmherzig, das nennt man Gnade. Er setzt höchste Maßstäbe und liebt zugleich den gescheiterten Menschen im normal gelebten Leben. Jesus ist Anspruch und Zuspruch Gottes.

Brückenbauer sein

Wo es Spannungen gibt, braucht es Brückenbauer. Menschen, die Spannungen aushalten und nicht einseitig und vorschnell auflösen. Menschen die Verbindung schaffen, die verstehen, hinhören und das Gute an den Argumenten der anderen hören; die kritisieren und für ihre eigene Position kämpfen, aber auch andere Argumente respektieren, im Gespräch bleiben und lernen. Die nicht zu eng sind („Nur meine Meinung gilt!“), aber trotzdem profiliert, also nicht beliebig. Menschen, die Leitbildern folgen und klare Orientierungspunkte geben, doch zugleich im Leben, in der Kommunikation und in der Anwendung barmherzig sind.

Als FeG-Bundesleitung werden wir diesen Kurs weiterverfolgen: klare Positionen vertreten und Brücken bauen. Wir sehen selbstkritisch, dass wir in Sachen Kommunikation besser werden müssen. Wir haben erkannt, dass es ist nicht nur wichtig ist, eine gute „wegweisende Empfehlung“ – entsprechend unserem Auftrag – zu veröffentlichen, sondern auch genauso darauf zu achten, wie sie kommuniziert wird. Wir haben deswegen einen eigenen Arbeitskreis Kommunikation dafür gegründet.

Lebendige Gemeinden bauen

Die Vision, „lebendige Gemeinden“ zu bauen und zu fördern, inspiriert uns. Dafür sind wir da! Lebendige Gemeinden werden Menschen heilen, werden versöhnen, werden sie lebenstauglich machen und ihnen eine ewige Perspektive vermitteln. Dabei haben wir als Erweiterte Bundesleitung drei Aufgaben identifiziert, denen wir uns stellen werden. Ich möchte das grob skizzieren:

  • Erstens: Wir sehen die Aufgabe, eine Bewegung zu bleiben. Wir spüren, dass immer wieder die Gefahr besteht, dass wir um uns selbst kreisen: um unsere Strukturfragen, um unsere Streitfragen, um das, was uns so wichtig erscheint. Aber, so die herausfordernde Testfrage: Worum geht es Jesus? Wir glauben, dass uns als FeGs „bewegt sein“ am Herzen liegt. Das wollen wir stärken, denn der lebendige Glaube an Jesus Christus begeistert.
  • Zweitens sehen wir die Aufgabe, auch als Bewegung eine FeG-Identität zu beschreiben und ggf. zu entwickeln, welche uns erkennbar macht und profiliert sein lässt. Jede Bewegung braucht gute Strukturen, Institutionen und Identitätsmarker. Welche sind es, die wirklich dienen? Oder anders gefragt: Wie viel Einheitlichkeit und wie viel Vielfalt tut uns und den Menschen um uns herum gut?
  • Drittens wollen wir eine Bewegung von Menschen sein. Wir sehen die Aufgabe, die Vielfalt der Menschen in unseren Reihen stärker abzubilden: Frauen und Männer, Alte und Junge, Inländer und Ausländer. Menschen zu ermutigen und zu fördern, das muss für uns eine große Rolle spielen.

Das alles beginnt mit Gebet. Beten ist ein Wesensmerkmal lebendiger Gemeinden. Gebet zeichnet bewegte Gemeinde aus. Beten ist auch ein Identitätsmerkmal von FeGs: Wenn wir im Namen Jesu beten, bringt das uns zusammen. Deswegen werden wir dieses Thema neu setzen für 2020 und ab den FeG-Herbsttagungen 2019 damit beginnen. Das Motto dafür lautet: „BETEN – SCHLICHT UND ERGREIFEND“.

Ich komme wieder zurück zu „KRASSE ZEITEN – STARKER GLAUBE“. Aus dem Glauben heraus in dieser Zeit zu leben, das ist die große Chance! Es ist eine Ehre und ein Privileg. Fast 500 Freie evangelische Gemeinden in Deutschland sind solche lebendigen Orte des Glaubens und des Gebets!

Ansgar Hörsting | Präses des Bundes FeG | praeses.feg.de

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