28. Mai 2019 | Aktuell CHRISTSEIN HEUTE Presse

Dr. Fritz Laubach im Interview zur Offenbarung

Gottes Weg in eine neue Welt

Neuer Leitfaden durch die Offenbarung des Johannes

Dr. Fritz Laubach hat im hohen Alter von 93 Jahren einen Leitfaden zur Offenbarung geschrieben, der in diesen Tagen erscheint. Artur Wiebe hat den Autor zu dem Stellenwert des letzten biblischen Buches in seinem Leben und unseren Gemeinden befragt.

Bruder Laubach, wenn es das Buch der Offenbarung in der Bibel nicht geben würde? Was würde uns fehlen?

Die Offenbarung zeigt uns wie kein anderes Buch der Bibel das Ziel der Wege Gottes mit seiner Gemeinde, mit Israel und der Welt. Die Offenbarung ist das Hoffnungsbuch der Christen und die Offenbarung macht uns die Worte des Apostel Paulus anschaulich: „Wie unbegreiflich sind Gottes Gerichte und unerforschlich seine Wege.“ (Römer 11,33). Hier sehen wir, dass zum Wesen Gotte nicht nur seine Liebe gehört, sondern dass er zugleich furchterregend ist. Das würde fehlen.

In diesen Tagen erscheint Ihr Buch „Gottes Weg in eine neue Welt“. Was war für Sie der Anlass, den Leitfaden zu schreiben?

Ich hatte nicht die Absicht, ein Buch zu schreiben. Es waren persönliche Notizen, die ich für einen Vortrag für die geistliche Wohngemeinschaft hier im Diakonissen-Mutterhaus [Diakonisches Werk Bethanien, Solingen] zusammengestellt hatte. Aber während der erneuten Beschäftigung mit der Offenbarung erinnerte ich mich an Gespräch mit Christen, die kein Zugang zu diesem Buch fanden. Für sie wollte ich das festhalten.

Im Vergleich zu Ihren bisherigen biblischen Kommentaren wie 1. Chronik, Sacharja oder Hebräer ist dies ein schmalerer Band geworden. Gibt es zur Offenbarung nicht so viel zu sagen?

Es gibt eine Anzahl guter wissenschaftlicher Kommentare zu der Offenbarung. Ich denke u. a. an das zweibändige Werk von Adolf Pohl in der Wuppertaler Studienbibel. Für Kommentare gibt es auch noch Vorgaben. Dieses Buch ist kein Kommentar, sondern der Versuch – bildlich gesprochen – den Leser an die Hand zu nehmen und ihm den Zugang zu öffnen. Der Leser soll mit dem Text vertraut werden.

In meinen zwölf Jahren im Pastorendienst habe ich selten über die Offenbarung gepredigt, weil ich mich wegen der endzeitlichen Spekulationen dazu nicht herangetraut habe. Was spricht sie besonders an diesem biblischen Buch an?

Meiner Meinung nach eignet sich nicht jeder Bibeltext für eine Predigt. Manches lässt sich besser in einem Gespräch in einer Bibelstunde erklären. Über die „Sendschreiben“ ist schon viel gepredigt und veröffentlicht worden. In der Gemeinde und bei Bibelwochen habe ich in einer Fortsetzungsreihe über die ganze Offenbarung gesprochen und dabei auch über einzelne Texte gepredigt. Ich habe die endzeitlichen Spekulationen in den Blick genommen und den Zuhörern gezeigt, was unserer Erkenntnis [setzt] oder wo unserer Erkenntnis Grenzen gesetzt sind.

Was würden Sie jungen Pastoren und Predigern im Umgang mit der Offenbarung raten?

Ich würde raten, sich nicht von Vorurteilen abschrecken zu lassen, sondern zuerst für sich selbst die Offenbarung immer wieder einmal betend zu lesen. Es gibt auch andere Bibeltexte, die sich uns nicht ohne weiteres sofort erschließen, sondern die man immer wieder lesen und betend über sie nachdenken muss. Erst nachdem ich meine eigenen Gedanken aufgeschrieben hatte, habe ich Kommentare zur Hilfe genommen.

Ich komme aus einem christlichen Hintergrund, wo stark mit der Wiederkunft Jesu gerechnet und auch gedroht hat. Heute scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Wie schätzen Sie den Stellenwert der Offenbarung in unseren Gemeinden ein?

Ich habe so etwas nie erlebt, weil ich nicht aus einer christlichen Familie komme und kann deshalb auch nichts dazu sagen und hüte mich vor Pauschalurteilen. Die Botschaft von der Wiederkunft Jesu ist ein Grund zu ganz großer Freude. Der Stellenwert der Offenbarung in unseren Gemeinden ist meiner Meinung gegenwärtig sehr gering. Das hängt sicher einmal damit zusammen, dass dieser Text kaum noch verkündigt wird und dass man zurückschreckt, weil inzwischen zweitausend Jahre vergangen sind und Christus noch nicht wiedergekommen ist. Man möchte nicht in den Geruch kommen, dass man naiv oder einfältig sei. Wissenschaftliches Denken hat hier Barrieren aufgerichtet.

In der Offenbarung kommt Gericht Gottes aber auch Liebe Gottes vor. Wie bringt die Offenbarung diese beiden Dinge zusammen?

Gottes Liebe gilt allen Menschen – das wird sehr deutlich. Es wird immer wieder auch von dem allumfassenden Opfer Jesu Christi gesprochen. Aber Tatsache ist – und das sieht die Offenbarung -, dass eine große Zahl der Menschen diese Liebe nicht will, sich nicht nach Gott richten will. Und die Offenbarung macht deutlich: Gottes Liebe wird wirksam bei denen, die ihr Leben Jesus Christus anvertrauen; und das Gericht kommt über die, die Gott das Vertrauen verweigern. Beides steht nebeneinander und beides muss in gleicher Weise ernstgenommen werden.

Apokalypse – so der Originaltitel der Offenbarung – bedeutet „aufdecken“. Die Offenbarung ist ja das apokalyptische und prophetische Buch des Neuen Testamentes. Welche Worte Gottes daraus sprechen besonders in unsere Zeit?

Es gibt eine Reihe Stellen, in den betont gesagt wird, dass alle Völker, alle Nationen, alle Stämme, alle Sprachen im Blick Gottes sind und von den Ereignissen in der Offenbarung betroffen werden, d. h. Globalisierung ist ein wichtiger Punkt in der Offenbarung: Es gibt die eine große Welt. Das ist das eine.

Das andere ist die Faszination des Sichtbaren und Materiellen. Offenbarung 13, aber auch Offenbarung 17 und 18, machen das deutlich: Die Menschen werden gefesselt – gewissermaßen geistig gefesselt. Sie schauen alle auf dieses Standbild, das geschaffen wird, um den Antichristen anzubeten. Und nur die Christen entziehen sich diesem Einfluss. Wir wissen – das sagen uns auch die Psychologen -, dass wir stark durch das, was wir sehen geprägt werden. Und dass die Medien, die etwas sichtbar machen, eben großen Einfluss auf unser Denken ausüben.

Und obwohl das Angebot des Evangeliums, der Liebe Gottes allen Menschen gilt, wird in der Offenbarung deutlich, was wir erleben, [nämlich] dass sich viele, viele Menschen bewusst von der christlichen Botschaft abwenden und Gott ablehnen, bzw. dass Gott aus ihrem Denken und ihren Entscheidungen völlig verschwindet.

Und auch das ist deutlich: Die Offenbarung ist immer von verfolgten Christen besonders beachtet worden. Sie spricht von den Märtyrern, die unter dem Widerstand gegen Gott bis zum Tod leiden. Und Kenner der gegenwärtigen Situation sagen uns, dass z. B. im 20. Jahrhundert mehr Menschen um Jesu willen ihr Leben verloren haben als in allen vorausgegangenen Jahrhunderten miteinander. Wir erleben heute weltweit eine Welle der Verfolgung – auch wenn wir in Europa gegenwärtig noch wie auf einer Insel der Seligen leben.

Welche Hoffnung schöpfen Sie persönlich aus dem Umgang mit dem Wort Gottes – speziell der Offenbarung?

Ich bin gewiss im Glauben, dass dann, wenn Gott mich in die Ewigkeit ruft, ich zu Christus gehe und unter der unzählbaren Schar vor dem Thron Gottes, die Jesus anbetet, gefunden werde. Und dass seine Gemeinde miterleben wird, wie Jesus Christus in dieser Welt sein Reich in Macht und Herrlichkeit – wie er es gesagt hat – aufrichten wird: wie er das Endgericht, die letzte große Abrechnung Gottes, durchführen wird und dann einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, die unbeschreiblich schön sein wird. Dass ich dabei sein darf, ist für mich Grund der Freude und dankbare Hoffnung.

Welche Verse aus dem letzten Buch der Bibel sind für Sie besonders wichtig?

Einmal der Eingang: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat. Dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (Offenbarung 1,5). Kapitel 3: „Weil du das Wort vom geduldigen Warten auf mich bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über alle Menschen kommen wird, die in dieser Welt leben.“ (Offenbarung 3,10)

Und Kapitel 7 – die unzählbare Schar vor Gottes Thron: Er wird als der gute Hirte seine Gemeinde auch weiden wie es heißt: Und er wird uns zu „Quellen des lebendigen Wassers führen“ (Offenbarung 7,17). Kapitel 9,4: dass die Nöte dieser Welt zum Teil nicht die Glaubenden treffen werden. Und schließlich die Kapitel 19-22: Jesus kommt wieder, er richtet seine Herrschaft auf. Die Mächte des Bösen werden endgültig beseitigt, der Widersacher Gottes, der Satan, wird für 1000 Jahre in Sicherheitsverwahrung genommen.

Das Leben in dieser Welt wird unter ganz anderen Vorzeichen stehen und dann wird Jesus das letzte Gericht durchführen und anschließen einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Dessen bin ich gewiss und darauf warte ich.

Vielen Dank Ihnen, Bruder Laubach, für das Gespräch!

Weitere Infos & Bestellung

  • Die Tonfassung des Interviews mit Dr. Fritz Laubach kann hier nachgehört werden. | Teilweise Baustellengeräusche im Hintergrund, die nicht absehbar waren. | Hier klicken >>
  • „Gottes Weg in eine neue Welt“ erscheint im SCM Bundes-Verlag hat 128 Seiten, kostet 12,99 € und kann bezogen werden über: link.feg.de/laubachoffenbarung
  • Dieses Interview erschien in der Juni-Ausgabe von CHRISTSEIN HEUTE | 06/2019
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