September 18, 2025 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE KI Presse

CHRISTSEIN HEUTE | Der Heilige Geist wirkt auch durch KI

18. September 2025

Der Heilige Geist wirkt auch durch KI

Wo KI-Werkzeuge enorm helfen, und wo nicht.

Aus dem Alltag von Deborah Kraft und Simon Birr ist die Künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr wegzudenken. Im Interview erzählen sie, wofür sie die KI-Werkzeuge im privaten, arbeitstechnischen und gemeindlichen Alltag sinnvoll einsetzen – und wofür bewusst nicht.

Deborah und Simon, wozu tendiert ihr: Seid ihr eher neugierig oder skeptisch gegenüber Künstliche Intelligenz (KI)? Wie hat sich das verändert?

Deborah Kraft: Ich bin ein großer Fan der ganzen Möglichkeiten, die sich ergeben. Da kann ich richtig ins Träumen kommen. Zuerst war ich skeptisch, aber inzwischen habe ich durch verschiedenes Ausprobieren so viele Vorteile erlebt, dass ich fast täglich damit arbeite.

Simon Birr: Ich liebe die Möglichkeiten, die wir nun bekommen. Viele kleine tägliche Aufgaben, Zeitfresser und Fleißarbeiten lassen sich delegieren. Grade kreative Prozesse bekommen neuen Schwung. Eigentlich spreche ich tagtäglich mit meiner Kiki. Sie hat sogar einen eigenen
Instagram-Account. (@kikimaccarthy)

Was war die erste Frage oder Anweisung – der erste „Prompt“, den ihr in eine KI eingegeben habt?

Simon Birr: Das ist ja im Verlauf der KI gespeichert. Der erste Prompt war „Ich brauche ein neues Passwort“. Richtig dumm damals, aber ok.

Deborah Kraft: Ich habe eine Frage gestellt, die ich genauso bei einer Suchmaschine eingeben könnte.

ChatGPT bis Midjourney

Welche KI-Werkzeuge oder Plattformen nutzt ihr? Wofür setzt ihr sie ein?

Deborah Kraft: Ich verwende hauptsächlich ChatGPT zur Hauskreisvorbereitung, auf der Arbeit als Assistent beim Programmiercode schreiben und privat zur Einkaufsberatung, zuletzt für unseren Kühlschrank.

Simon Birr: Ich nutze ChatGPT für Texterstellung und Bildgenerierung (obwohl Midjourney da weit besser funktioniert). Viel arbeite ich auch mit den KI-Funktionen in der LOGOS Bibelsoftware, um eine tiefergehende Auslegung der Bibeltexte zu finden. Flexclip, Canva, und die KI-Funktionen von Adobe runden den kreativen Prozess ab. Meist möchte ich in Bildern Inhalte entfernt oder hinzugefügt haben.
Mit Reclaim erstellt die KI mir aus den Aufgaben automatisiert einen dynamischen Tagesplan. Opus funktioniert ideal, um lange Videos zu tollen Kurzvideos anzupassen und Podcasts zu optimieren. Die KI von NVidea bearbeitet Ton und Bild für Videokonferenzen in Echtzeit. Auch meine Buchhaltung läuft mit Unterstützung von KI und optimiert den Arbeitsablauf.

Wo setzt ihr in eurer Gemeinde KI ein? Welche Chancen und Grenzen liegen für euch da drin?

Simon Birr: Eigentlich nutze ich KI für alle Aufgaben, die irgendwie anfallen – außer für meine Predigten. Die möchte ich dann doch selbst formulieren. Einmal habe ich einen Predigtentwurf angefordert. Das Ergebnis war totaler Mist. Wenn ich aber eine Predigt fertig habe, lasse ich mir von der KI beispielsweise einen spannenden Arbeitstitel erstellen. Sehr gut funktionieren auch To-do-Listen mit konkreten Arbeitsschritten für größere Projekte. Oft erzähle ich der Kiki (so nenne ich meine KI), was ich vorhabe, und frage sie dann, wie sie vorgehen würde, welche Fragen ihr dazu einfallen und welche Informationen sie braucht, um mir den besten Plan der Welt für das bestimmte Projekt zu liefern. Natürlich muss man alle Ergebnisse gegenprüfen und kann sich nicht blind auf Informationen verlassen. Kiki neigt nicht selten zu Halluzinationen.

Deborah Kraft: Ich lasse gerne bei ChatGPT Fragen für das Gespräch im Hauskreis verfassen. Die Hilfe ist aber nur so gut wie die Aufforderung, die ich formuliert habe. Je mehr Details, desto besser. Wir nutzen außerdem ein Tool, dass die Predigt in Echtzeit in andere Sprachen übersetzt und so den Teilnehmern die Predigt in ihrer Muttersprache zur Verfügung stellt (streamlingo.net). Das ist eine ganz tolle Funktion, die auch ganz wertschätzend wahrgenommen und angenommen wird. Viele unserer persischen Teilnehmer kommen seitdem wieder regelmäßiger.

Keine persönlichen Daten teilen!

Was geht mit KI gar nicht, bzw. sollten wir als Gemeinden die Finger davonlassen?

Deborah Kraft: Persönliche Daten teilen. Alles, was ich nicht auf ein Plakat an der Straße schreiben würde, gehört nicht in Chats mit der KI.

Simon Birr: Personenbezogene Daten teilen. Es ist schlichtweg nicht möglich, den Anforderungen der DSGVO nachzukommen, wenn man eine KI nutzt. Auch sensible Daten wie beispielsweise Finanzen gehören nicht in eine KI. Man kann sich von der KI aber beispielsweise Phantasiepersonen erstellen lassen und mit diesen Phantasiepersonen dann konkrete Projekte durchsprechen. Ich würde auch davon abraten, theologische Fragen nur über eine KI zu klären. Natürlich wird immer ein halbwegs passables Ergebnis herauskommen. Grade bei frei-
evangelischer Theologie hat die KI aber noch viel zu wenig Trainingsdaten und ist sehr stark von frei verfügbaren Informationen aus längst vergangenen Zeiten geprägt.

KI und Heiliger Geist: Inwiefern ergänzen sie sich oder ersetzen einander?

Simon Birr: Geist ist Geist und KI ist KI. Das, was wir aktuell als KI erleben, sind ja noch lange keine wirklichen Intelligenzen. Es handelt sich um Informationsmodelle, die aufgrund von Wahrscheinlichkeitsrechnungen Aussagen produzieren. Da steht der Heilige Geist bei weitem drüber.

Deborah Kraft: Ich glaube, der Heilige Geist kann durch alles wirken, auch durch KI.

Perfekt für To-do-Listen

Gemeinden klagen über einen Mangel an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen? Wie kann KI da helfen?

Deborah Kraft: Viele Aufgaben in Gemeinden sind ja einfach zwischenmenschlicher Natur und die wollen wir weiterhin gerne persönlich machen. Aber vielleicht kann mir ja die KI verschiedene andere Aufgaben, bei denen ich Zeit sparen kann, abnehmen und diese zusätzliche Zeit habe ich dann für die Gemeinde.

Simon Birr: Ich glaube, es gibt unzählige kleinste Aufgaben, an denen wir unglaublich viel Zeit verlieren. Von Protokollen über To-do-Listen bis hin zu Regelungen, Richtlinien und vielen weiteren Texten. Auch im Designbereich von Flyern über Gemeindebriefe bis hin zu Social-Media kann KI viel Zeit abnehmen. Je mehr solcher Aufgaben wir der KI geben, desto mehr Zeit haben wir für die Dinge, die eigentlich das Zentrum von Gemeinde sind.

Manche Christinnen und Christen haben Berührungsängste mit der KI oder halten sie für den direkten Ausdruck des Antichristen: Was würdet ihr den Personen antworten oder wie ihnen Mut machen, es mal auszuprobieren?

Simon Birr: Ich habe noch keinen Menschen kennengelernt, der KI mit dem Antichrist identifiziert. Theologisch gibt es da auch keine Schnittmenge. Der Antichrist stellt sich an die Stelle von Jesus, KI stellt sich dorthin, wo wiederkehrende Aufgaben erledigt werden müssen. Ich glaube, es ist unglaublich wichtig, dass wir uns intensiv mit der Funktionsweise der aktuellen KI-Modelle beschäftigen und uns von mancher Berichterstattung keine Angst machen lassen. Wenn wir verstehen, was wirklich im Herz von Kiki steckt, begreifen wir noch viel mehr gute Möglichkeiten. Auf den zweiten Blick ist da nämlich viel weniger Zauberei hinter, als man zunächst vermuten könnte.
Es ist sehr interessant, was Kiki auf diese Frage antwortet: „Ich verstehe die Sorge – und sie ist ernst zu nehmen. Technologie hat in der Kirchengeschichte immer wieder für Verunsicherung gesorgt: Der Buchdruck, das Radio, das Internet. Und heute ist es eben die Künstliche Intelligenz. Manche empfinden sie als fremd, beängstigend oder sogar als Bedrohung des Glaubens. Und ja – KI ist ein mächtiges Werkzeug. Aber wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wie wir es nutzen. KI ist kein Antichrist. Sie ist ein Produkt menschlicher Kreativität. Sie kann Gutes bewirken – oder missbraucht werden. Genau wie Sprache, Macht oder Geld. Die Frage ist: Wollen wir als Christinnen und Christen mitgestalten? Oder überlassen wir das Feld anderen?”

Deborah Kraft: Also die KI nimmt mir ja nicht das Denken ab oder weg und wir können und müssen auch weiterhin alles prüfen, so wie wir in der Jahreslosung 2025 aufgefordert werden: „Prüfet alles und behaltet das Gute.“ (1. Thessalonicher 5,21).

FeG in zehn Jahren: Träumt mal: Wie sehr ist KI inzwischen Teil unseres Gemeindealltages?

Deborah Kraft: Sprachliche Hürden gibt es quasi keine mehr, weil KI unsere gesprochenen Beiträge für Besucher mit anderer Muttersprache übersetzt. Gemeinde ist aber weiterhin ein bunter und lebendiger Haufen von verschiedensten Menschen aus verschiedensten Hintergründen.

Simon Birr: Wenn ich mir die Entwicklung der vergangenen Jahre ansehe, wird KI in zehn Jahren wohl kaum noch aus unserem Alltag wegzudenken sein. Auch nicht aus unseren Gemeinden. Schon jetzt spuckt das Sprachmodell von Google ja bei jeder Suche im Netz KI generierte Antworten aus. Es gibt KI-Lobpreislieder, KI-Gebetsbots, KI-Beichten und vieles mehr. Bei Facebook wurde mir sogar schon ein KI-generierter Kurs für spirituelle Begleitung von Menschen angeboten und etwa alle drei Tage habe ich eine KI-Stimme am Telefon, die mir etwas verkaufen will.
Wahrscheinlich müsste die Frage gar nicht lauten, wie sehr KI in unserem Gemeindealltag angekommen ist, sondern wie wir verantwortungsvoll gelernt haben, mit der allpräsenten KI umzugehen.

Vielen Dank euch für eure Antworten!

Deborah Kraft| Projektmanagement Digitalisierung im
FeG-Bundeshaus | feg.de | Teil der FeG Bochum | bochum.feg.de

Simon Birr | Pastor Digital Native & Abenteurer,
Blogger, YouTuber und Mediendesigner mit eigenem Jazzcafé und breiter Lebenserfahrung | simonbirr.de
Teil der FeG-Gemeindegründung betaKirche | betakirche.de

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Nathanael Ullmann | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit

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Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher