Mai 27, 2025 | Allgemein CHRISTSEIN HEUTE FeG-Vision

CHRISTSEIN HEUTE | Dem Ehrengast Raum geben

27. Mai 2025

Dem Ehrengast Raum geben

Gemeinden sind ein Fest, weil Jesus ihr Mittelpunkt ist

Jennifer Iyayi Idahosa lässt sich leidenschaftlich anstecken von dem zukünftigen Fest der Menschen, die zu Jesus gehören. Daraus schöpft die Studentin und Jugendreferentin der FeG Kaufbeuren Motivation und Gestaltungskraft gegen die geistliche Katerstimmung in Gottesdienst und Gesellschaft.

Wenn wir über Veranstaltungen und Orte nachdenken, die in uns Freudengefühle auslösen, denken wir vielleicht als Erstes an die Geburt eines Kindes oder an ein Hochzeitsfest. Auch Orte wie Fußballstadien, Konzerte oder Urlaubsregionen werden mit dem Gefühl eines Festes in Verbindung gebracht.

Aber wie sieht es mit unseren Gemeinden und Gottesdiensten aus? In unserer Gesellschaft herrscht oftmals das Bild: Gottesdienste seien überwiegend überaltert, ernst und fern von der Lebensrealität der Menschen. Mit einem Fest würden wahrscheinlich die Allerwenigsten einen Gottesdienst assoziieren.

Und doch spiegelt genau das den Wunsch der neuen FeG-Vision wider, die anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Bundes Freier evangelischer Gemeinden vorgestellt wurde. Damit sollen unsere Gemeinden zu Orten werden, an denen eine Mensch-Gott-Begegnung auf eine Weise erlebt wird, die einem Freudenfest gleicht. Gemeinden werden damit zu (geistlichen) Orten, die als ein Abbild für das größte Fest überhaupt fungieren.

Einen Einblick in dieses Fest erhalten wir in dem biblischen Buch der Offenbarung.

Das himmlische Fest

„Danach sah ich eine riesige Menschenmenge aus allen Stämmen und Völkern, Menschen aller Sprachen und Kulturen; es waren so viele, dass niemand sie zählen konnte. In weiße Gewänder gehüllt, standen sie vor dem Thron und vor dem Lamm, hielten Palmzweige in den Händen und riefen mit lauter Stimme: ‚Das Heil kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm!‘“ (Offenbarung 7,9–10 | NGÜ)

Diese Bibelstelle stammt aus dem letzten Buch des Neuen Testaments und führt uns in die Geschehnisse beim Ende der Welt ein. Den ersten Worten des Buches „Offenbarung Jesu Christi“ (Offenbarung 1,1 | ELB) zufolge soll der anschließende Brief nicht unverständlich und unzugänglich sein, sondern es soll, wie es das griechische Wort apokalypsis an dieser Stelle deutlich macht, um das Aufdecken eines Geheimnisses gehen.

So kann das zusammengesetzte Wort apo (= weg) kalypsis (= Hülle) als Enthüllung übersetzt werden. Das Anliegen ist demnach eine Enthüllung von dem, was in der Zukunft kommen soll. Im nächsten Teilsatz wird deutlich, an wen die Offenbarung gerichtet ist: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss; […]“ (Offenbarung 1,1a | ELB). Die Adressaten sind „seine Knechte“ und somit Christen. Damit gewinnt die Offenbarung auch für uns heute als Jünger Jesu eine Relevanz.

Hoffnung statt Vertröstung

Die beschriebene Szene eröffnet uns einen Einblick in ein zukünftiges Fest, das Johannes als Verfasser des Buches von Gott gezeigt bekommt. Er sieht eine „riesige Menschenmenge aus allen Stämmen und Völkern, Menschen aller Sprachen und Kulturen; es waren so viele, dass niemand sie zählen konnte.“ (Offenbarung 7,9–10 | NGÜ) Und sie trugen alle weiße Gewänder.

Die weißen Gewänder stehen symbolisch einerseits für die durch den Tod von Jesus Christus empfangene Gerechtigkeit und andererseits für ein Zeichen des Sieges. Die Palmzweige in ihren Händen sind ebenfalls ein Zeichen des Sieges und der Freude über die Hilfe Gottes. Es handelt sich hier also um die vollendete Schar der Erlösten nach der endzeitlichen Bedrängnis (notvolle Zeit der Verfolgung und Verführung). Ihre Unzählbarkeit sowie ihre kulturelle und sprachliche Vielfalt unterstreichen die Größe und die Universalität des Heilswerkes Jesu Christi. All diese Menschen stehen trotz ihrer Unterschiedlichkeit als Einheit vor den Thron Gottes und beten ihn gemeinsam an.

Dieser Festmoment wird in Offenbarung 19,6–9 noch deutlicher skizziert, in welchem das Hochzeitsfest des Lammes einem großen Freudenfest gleicht, das von Jubel und Anbetung begleitet wird. Man könnte dieses Fest als „Happy End“ bezeichnen, da hier am Ende der Weltzeit die Vereinigung Jesu mit seiner entrückten Gemeinde in einer unbeschreiblichen Freude gefeiert wird.

Dieses Zukunftsbild soll nicht als Vertröstung auf das Jenseits herhalten. Ja, wir bekommen einen Vorgeschmack auf das uns bevorstehende Fest, aber wir gewinnen auch eine Einsicht, was es für unsere Gemeinden heute bedeutet, sich anzufühlen wie ein Fest.

Festliche Einheit in Vielfalt

Aus der Zukunftsschau wird uns eines sehr stark vor Augen geführt: Einheit ist nicht gleichzusetzen mit Gleichförmigkeit oder Vermischung. Stattdessen wurde ein wunderschönes Bild gezeichnet, das uns zeigt, dass die Unterschiedlichkeit, die Gott geschaffen hat, auch sichtbar sein darf. Die Einheit im Leib Christi kann daher vielleicht mehr mit „Einssein“ verstanden werden. Es geht also darum, die unterschiedlichen (kulturellen und sprachlichen) Prägungen nicht zu unterdrücken oder zu überhöhen, sondern die Unterschiedlichkeit wie ein Band aus verschiedenfarbigen Schnüren zu verstehen, die so miteinander verknüpft werden, dass die Farben sichtbar bleiben.

Für unsere Gemeinden bedeutet das, dass Unterschiedlichkeit (Generation, Sprache, Kultur etc.) als Bereicherung und Ergänzung und nicht als Barriere verstanden wird. Damit wird ein Fest erst zu einem richtigen Freudenfest. Das wirft die Frage auf, inwiefern in unseren Gemeinden Begegnungsräume geschaffen werden, damit Beziehungen zu Christen anderer Länder/Kulturen entstehen können. Und inwieweit Kontakte zu Missionaren gepflegt werden, die uns einen Einblick in das Wirken Gottes im Ausland gewähren.

Festliche Freude in jeder Lage

Ein Weiteres geht aus der Stelle in der Offenbarung hervor, nämlich die Tatsache, dass ein Fest mit Freude einhergeht. Vielleicht denken wir bei dem Begriff der Freude eher an das Gefühl, fröhlich zu sein. Aber das ist nicht zutreffend. Freude ist kein (oberflächliches) Gefühl, das an die Umstände oder den Ort, an dem Freude sich vermuten lässt, gebunden ist, sondern sie ist ein Teil der Frucht des Heiligen Geistes. Damit werden Gemeinden zu dem einzigen Ort, an dem Freude nicht abhängig ist von den eigenen Lebensumständen, der Qualität der Lobpreisband, dem Tiefgang der Predigt etc., sondern sie wurde uns zuteil, als wir Jesus Christus zu unserem persönlichen Herrn und Retter machten und dadurch den Heiligen Geist empfingen.

Das ist eine großartige Nachricht, denn damit müssen wir in Gemeinden, die sich anfühlen sollen wie ein Fest, nie auf die Freude verzichten. Folglich können wir die Lüge ablegen, ohne Freude zu erzwingen oder sie aus eigener Kraft hervorholen zu müssen, sondern sie wurde und wird uns von Gott geschenkt. Von Paulus und Silas in Apostelgeschichte 16 lernen wir, dass die Freude und Anbetung zwar vom Heiligen Geist geschenkt werden, aber auch mit unserem Fokus verbunden ist. So lesen wir in den Versen 23 bis 26 (LUT): „Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Kerkermeister, sie gut zu bewachen. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab.“

In diesem kurzen Bibelabschnitt lesen wir, was es bedeutet, sich zu fokussieren. Wir würden vielleicht denken, Silas und Paulus hätten jedes Recht gehabt, niedergeschlagen und verzweifelt zu sein, nachdem sie für die Verkündigung des Evangeliums geschlagen und ins Gefängnis geworfen wurden. Doch sie handelten widernatürlich: Anstatt auf ihre Umstände und Nöte fokussiert zu bleiben, richteten sie ihren Blick auf Gott. Das gab ihnen die Möglichkeit, im Gefängnis einen geistlichen Ort zu erleben, der sich wie ein Fest angefühlt hat.

Auch wir erleben als Christen, wie Paulus und Silas, Sorgen, Nöte, Schwierigkeiten und He­rausforderungen. Aber wir sind angehalten, aus ihrem Erlebnis zu lernen und der Einladung von Gemeinden, die sich anfühlen wollen wie ein Fest, zu folgen, indem wir unseren Fokus auf Gott ausrichten. Das tun wir, wenn wir das Gebet als ein Schlüssel begreifen, der in der Lage ist, unsere Perspektive zu verändern und uns in die Freude und Anbetung Gottes zu führen. Ein Zitat beschreibt diese Wahrheit wie folgt: „Erzähl Gott nicht, wie groß deine Probleme sind, sondern deinen Problemen, wie groß dein Gott ist.“ Es mag sein, dass sich unsere derzeitigen Umstände dadurch nicht sofort verändern – wie es beispielsweise bei Silas und Paulus der Fall war –, aber es lohnt sich dennoch, der Freude einen Weg zu bahnen, damit sich die „Fesseln“ lösen und sich die Lasten danach leichter anfühlen.

Festliche Liebe und Leidenschaft

Ein dritter und letzter Aspekt, den wir dem zukünftigen Fest entnehmen können, ist, warum es gefeiert wird. Wie bereits erwähnt, ist der Grund der Freude die Vereinigung zwischen dem Bräutigam (Jesus Christus) und seiner Braut (Leib Christi / seine Gemeinde). Daraus ergibt sich, dass Gemeinden, die sich anfühlen wollen wie ein Fest, nicht zum Selbstzweck da sind, sondern ein Abbild der größten Liebesgeschichte, die jemals geschrieben worden ist.

Es ist Gottes Wille, wie es in1. Korinther 12 steht, dass Gemeinden und Gottesdienste Orte sind, an denen wir einander in unseren Begabungen wahrnehmen und gefördert werden sowie einander dienen. Aber wie oft kommt der wesentliche Teil zu kurz: das Pflegen der Liebesbeziehung zu Jesus? Genau das hat Jesus der damaligen Gemeinde in Ephesus ausrichten lassen, in Offenbarung 2,2–5a (NGÜ): „Ich weiß, wie du lebst und was du tust; ich kenne deinen unermüdlichen Einsatz und deine Ausdauer. Ich weiß auch, dass du niemand in deiner Mitte duldest, der Böses tut, und dass du die geprüft und als Lügner entlarvt hast, die behaupten, Apostel zu sein, und es gar nicht sind. Ja, du hast Ausdauer bewiesen und hast um meines Namens willen viel ausgehalten, ohne dich entmutigen zu lassen. Doch einen Vorwurf muss ich dir machen: Du liebst mich nicht mehr so wie am Anfang. Erinnerst du dich nicht, wie es damals war? Wie weit hast du dich davon entfernt! Kehr um und handle wieder so wie am Anfang!“

Welch ein wunderbares Lob erhält die damalige Gemeinde in den ersten Versen aus dem Munde Jesu! Es muss sich um eine lebendige Gemeinde gehandelt haben, die aktiv in der Mitarbeit war, sich moralisch tadellos verhielt und gewissenhaft nach der Wahrheit des Wortes Gottes lebte. Aber etwas fehlte. Der Verstand und die Muskeln arbeiteten harmonisch im Einklang, doch es gab da ein Herzenspro­blem. Die Liebe, die die erste Generation an Gläubigen in der Gemeinde gehabt hatte, war erkaltet. Die zweite Generation hielt sich noch immer an die theologischen Wahrheiten und war eifrig im Dienst, aber die Leidenschaft für Jesus fehlte.

Vielleicht können wir Parallelen zu unseren heutigen Gemeinden finden. Es gibt da die Hauskreise, Frauentreffs, Männerwanderungen, Jüngerschaftskurse, tolle Veranstaltungen und Initiativen, ein großes Missionsbudget und … Nicht nur eine Vielzahl an wertvollen Aktivitäten können unsere Gemeinden vorweisen, auch die Gottesdienste werden wohlüberlegt, strukturiert und durch die aufgeteilten Dienste abgehalten. Ich las mal, dass 10 Prozent der Gemeindemitglieder 90 Prozent der Arbeit in der Gemeinde stemmen, und das kann ich mir gut vorstellen. Wir sollten dankbar sein für jede Unterstützung, aber auch aufeinander Acht geben, dass insbesondere diese 10 Prozent nicht ausbrennen und so vereinnahmt sind, dass sie für die Investition in ihre eigene Gottesbeziehung keine Zeit mehr finden.

Zu Jesu Füßen sitzen

Aber, um zurück zu Jesu Worten an die Gemeinde in Ephesus zu kommen: Stehen nicht auch unsere Gemeinden in der Gefahr, in der Gemeindearbeit in einer solchen Weise beschäftigt zu sein, dass wir die Zeit für das persönliche Gebet und das Bibellesen vernachlässigen? Dass unsere Gemeinden sich zwar wie ein Fest anfühlen, ohne dem Ehrengast des Festes, Jesus Christus, Raum zu geben und zu feiern? Woraus die Frage erwächst, warum wir dann überhaupt feiern. Daher die Ermutigung und Aufforderung: Es ist gut, Veranstaltungen und Räume zu schaffen, in denen ein Festmoment aufkommen kann, aber wenn wir bei all dem die Nähe zu Gott vergessen und Gefahr laufen, unsere Leidenschaft dafür zu opfern rufe, ich uns die Worte Jesu zu: „Kehr um und handle wieder so wie am Anfang!“

Lasst uns wieder neu, bildlich gesprochen, zu den Füßen Jesu sitzen, wie Maria in Lukas 10,39, und unsere Liebesbeziehung zu Jesus evaluieren und uns erinnern, wer Jesus ist und wie unsere „erste Liebe“ aussah. Und dann umkehren von der „Geschäftigkeit“ und neu in unsere Beziehung zu Jesus investieren und sie priorisieren.

Gemeinde, die sich anfühlt wie ein Fest

Zusammenfassend ist eine Gemeinde, die sich anfühlt wie ein Fest ein Ort, an dem …

  • … die kulturelle und sprachliche Vielfalt, die Gott geschaffen hat, im Leib Christi gelebt und gefördert wird.
  • … Freude sichtbar wird, weil sie durch den Heiligen Geist zur Verfügung steht.
  • … jeder hineingenommen wird, den Fokus auf die Anbetung Gottes auszurichten.
  • … Leidenschaft für Jesus sichtbar und spürbar wird.
  • … die Kultivierung der individuellen Liebesbeziehung zu Jesus priorisiert wird.

Jennifer Iyayi Idahosa
Teilzeit-Jugendreferentin Kirche im alten Kino – FeG Kaufbeuren | Online-Studentin an der Theologischen Hochschule Ewersbach, derzeit im 2. Semester
kaufbeuren.feg.de | th-ewersbach.de

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