„Mediale Krisen entzünden sich nicht so sehr an der Guten Nachricht von Jesus Christus, sondern nicht selten an unserer kommunikativen Ungeschicklichkeit.“
Tanz mit der Presse
Vertrauen aufbauen und professionelle Distanz pflegen
Eine FeG-Gemeinde veranstaltete zusammen mit anderen Gemeinden ein Freizeitcamp für Kinder und Jugendliche. Das seit Jahren in der Region anerkannte Camp hatte dieses Mal einen echt martialischen Titel. Zusammen mit einem ebenso düsteren Video, das von Jugendlichen im Vorfeld als Werbung gedreht wurde, entstand der Eindruck, dass sich die teilnehmenden Kinder für eine Woche in einem Gefangenlager befinden und von uniformierten Wärtern mit Megafon herumkommandiert würden.
Triggerthemen kennen
Ein Interview mit einer Mitarbeiterin des Camps in einer Lokalzeitung machte es nicht besser: Es enthielt eine theologische Deutung, dass wir ja alle „unter der Macht der Sünde gefangen seien“ und lieferte auch noch freiwillig das Foto eines Lagerkommandanten mit. Doch Zeitungen verstehen nur selten unsere gut gemeinte tiefe Theologie, wenn sie Triggerthemen wie Sex, Drogen, Geld- oder (Macht-)Missbrauch wittern.
Journalisten machen ihren Job gut, wenn sie dann weitere Stimmen von Betroffenen einholen und auch bei den anderen Kirchen und ihren Sektenbeauftragten nachfragen. Das Ergebnis war niederschmetternd: Der Ruf der wertvollen Freizeitarbeit, von uns Freikirchen und letztendlich des Evangeliums von Jesus Christus stand auf dem Spiel.
Abtauchen oder sich beraten?
Wenn es so weit gekommen ist, dann bleibt oft nur Krisenkommunikation – oder abtauchen, bis der Sturm über einen hinweggefegt ist!? Meist keine gute Idee, denn dann gibt man als Gemeinde das Zepter und die Deutungshoheit aus der Hand. Langfristig wird der Schaden nur noch größer, weil Negatives haften bleibt. Bei dem Freizeitcamp verschleppte sich eine Presseanfrage um Wochen, weil Kommunikationswege wegen Urlaub und unklaren Absprachen unterbrochen waren.
Das Gefangenenlager für Kinder war ein gefundenes Fressen für die Presse, um das pressearme Sommerloch zu füllen. Doch es der Öffentlichkeit so einfach zu machen, das eigene (missionarische) Anliegen derart misszuverstehen, zeugt von kommunikativer Ungeschicklichkeit. Oder Unwissenheit, wie sensibel die Öffentlichkeit auf die Kombination aus Kinder, Kirche und Machtgefälle reagiert. Da fehlte eine beratende Stimme von außen.
Verfolgung oder Kommunikationsfehler?
„Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ (Matthäus 10,16 | LUT). Jesus sendet seine Jünger aus und bereitet sie auf Verfolgungen und Widerstand vor. Doch Berichterstattung über offensichtliche Missstände ist noch lange keine Verfolgung – auch wenn wir uns so fühlen.
Kritische Nachfragen sind Teil des journalistischen Jobs und eine der Grundsäulen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Als Freikirchen profitieren wir von der damit verbundenden Presse-, Glaubens- und Gewissensfreiheit. Wir sollten für sie einstehen – auch wenn sie nicht nur uns, sondern auch anderen gilt – auch dann, wenn die Pressefreiheit uns als Gemeinde trifft. Sonst sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen.
Vielleicht tut uns etwas kritischer Gegenwind sogar gut, weil wir wachsam bleiben. Und so mutig sowie besonnen darauf achten, was wir in die Öffentlichkeit kommunizieren. Mediale Krisen entzünden sich nicht so sehr an der Guten Nachricht von Jesus Christus, sondern nicht selten an unserer kommunikativen Ungeschicklichkeit.
Weise und kreative Lösungen
Zusammen mit dem Hauptamtliche der Gemeinde, die das Freizeitcamp mitveranstaltet hat, suchten wir nach Wegen und Möglichkeiten, mit der kommunikativen Krisen mutig und weise umzugehen.
- Wir bildeten ein Krisenteam und bündelten die Kommunikation an einer Stelle. Wir stellten für uns fest, dass die Presse nicht unser Feind ist, sondern nur ihren Job gut macht.
- Wir veröffentlichten eine Entschuldigung für die öffentliche Wirkung des Freizeitcamps und beseitigten online die martialisch anmutenden Fotos und Trailer.
- Gleichzeitig hoben wir die jahrelangen guten Erfahrungen der Eltern und Kinder hervor und baten einige von ihnen um Leserbriefe in den Zeitungen.
- Nach innen in die Gemeinde gab es Fragerunden nach den Gottesdiensten. Nach außen zeigten wir öffentlich Lernbereitschaft bei der zukünftigen Themenwahl.
- Ziel der Krisenkommunikation war es, das öffentliche Vertrauen zurückzugewinnen. Zu den negativen Schlagzeilen sollten sich in den Pressearchiven auch einsichtige Töne gesellen.
Vertrauen aufbauen
Eine fruchtbare Pressearbeit als Gemeinde fängt nicht erst mit der Schadensbegrenzung an, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Sondern damit, dass man den Tanz mit der Presse heute mutig und besonnen beginnt. Dafür muss man Vertrauen aufbauen und eine regelmäßige Beziehung mit professioneller Distanz pflegen – sowohl im Umgang mit Journalistinnen und Journalisten wie auch mit der lokalen oder überregionalen Öffentlichkeit.
In jeder Krise steckt eine Chance, die man nicht nur für sich als Gemeinde, sondern auch für das Evangelium von Jesus Christus nutzen kann. Toll war, zu sehen, dass die FeG-Gemeinde kurze Zeit später einen echten Pressecoup landen konnte: Durch eine Anfrage und einen vereinbarten Pressebesuch im Gottesdienst mit Interviewpartnern aus den eigenen Reihen konnte sie ihre Arbeit als Freikirche und den Glauben an Jesus Christus ausführlich und prägnant vorstellen.
Dankbar bin ich, dass wir von der FeG Medien und Öffentlichkeitsarbeit in Witten helfend und beratend zur Seite stehen konnten. | presse.feg.de | presse@feg.de
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