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CHRISTSEIN HEUTE | Schrumpfende Gemeinde | Die letzte Patrone!?

26. Juni 2025

Die letzte Patrone!?

Wie schrumpfende Gemeinde einen heilsamen Prozess anstoßen kann

Du bist die letzte Patrone!“, sagte mir eine Person zu Beginn meiner ersten Gemeindestelle als Pastor. Seit Jahren war die Gemeinde zahlenmäßig auf keinen grünen Zweig gekommen. Hinzu kamen schmerzhafte Konflikt- und Trennungsgeschichten und persönliche Herausforderungen.

Man kann geteilter Meinung sein, ob das Bild der „letzten Patrone“ eine angemessene Vorbereitung auf eine Pastorenstelle ist: die einen spornen solche Wortbilder an, andere fühlen sich unter Druck gesetzt. Auf jeden Fall war es transparent und ehrlich. Deshalb auch hilfreicher, als wenn man die (offensichtliche) Wahrheit unter den frommen Teppich kehrt.

Gemeinde kann schrumpfen

Wenn ich mir die Gemeinde-Aufbau-Literatur der letzten Jahre anschaue, dann ist da viel von „Erweckung“ und „Wachstum“ die Rede. In der Tat, geistliche Verkrustungen brechen seitdem auf, Menschen loben Gott befreiter und das Evangelium von Jesus Christus wird durch Livestreams, Blogs und Posts so breit verkündigt wie noch nie zuvor. Ich bin überzeugt, dass die Verheißung Jesu gilt: „Ich will meine Gemeinde bauen, und alle Mächte der Hölle können ihr nichts anhaben.“ (Matthäus 16,18 | Neues Leben Bibel (2014). Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus | NLB).

Dennoch erleben wir einen Abwärtstrend: Kirchliches Leben geht dramatisch zurück – nicht nur in den sogenannten „Großkirchen“, sondern auch bei den Freikirchen – auch im Bund FeG. Gestandene Gemeinden schließen ihre Türen. Die Gründe dafür sind vielfältig und durch die Corona-Zeit verstärkt worden. Aber sind Gemeindeleitungen und Hauptamtliche darauf vorbereitet?

Auf immer und ewig?

Im Grunde sind wir von einem Narrativ der Unendlichkeit geprägt und beseelt, welches nicht damit rechnet, dass sich die Tore unsere Gemeinde auch für immer schließen können. Aufgefallen ist mir das, als ich die regelmäßigen Gemeindetermine in den Online-Kalender eingetragen habe – und sie dabei auf „Unendlich“ gesetzt habe. Was für eine Anmaßung, als müsste die Organisation vor Ort für immer bestehen. „Höher, schneller, weiter“?

Manchmal gestehen wir uns geistliche Fruchtlosigkeit nicht ein. Und reihen aus gut gemeinter Hoffnung ein Gnadenjahr an das andere, bevor der fruchtlose Feigenbaum dann wirklich abgehauen werden muss, weil er zur Gefahr für andere wird. Er ist inzwischen so morsch geworden, dass er nicht mehr als tragendes Baumaterial für einen neuen Gemeindebau dienen kann (vgl. Lukas 13,6–9).

Stagnation und Sterben gehören dazu

So sehr ich mich über innerliches und äußerliches Wachstum von Gemeinde freue und Gott dankbar bin für alle sichtbare und (bisher) unsichtbare Frucht, so bewusst ist mir auch, dass Stagnation und Sterben zum Leben dazugehören. Doch auch zum Leben einer Gemeinde?

Eine erste Ahnung davon bekam ich in meinem Hebräisch-Unterricht am Theologischen Seminar Ewersbach (heute: Theologische Hochschule Ewersbach). Der Alttestamentler Hans-Dieter Becker erwähnte öfters „Schear-Jaschub“ – „ein Rest kehrt um“ (vgl. Jesaja 10,21+22) – eine Bezeichnung dafür, dass Gott mit einem Rest seines Volkes seine (Heils-)Geschichte weiter gestaltet.

Meinen geistlichen Horizont erweitert hat auch das Wort Jesu am ersten Palmsonntag. Allen Großmachtsfantasien hält er entgegen: „Ein Weizenkorn muss in die Erde ausgesät werden. Wenn es dort nicht stirbt, wird es allein bleiben – ein einzelnes Samenkorn. Sein Tod aber wird viele neue Samenkörner hervorbringen – eine reiche Ernte neuen Lebens. Wer sein Leben in dieser Welt liebt, wird es verlieren. Wer sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es zum ewigen Leben bewahren. Wer mein Jünger sein will, muss sich aufmachen und mir nachfolgen, denn mein Diener wird da sein, wo ich bin. Wer mir nachfolgt, den wird der Vater ehren.“ (Johannes 12,24–26 | NLB). Diese Worte sprechen von Jesu bevorstehenden Tod und seine Auferweckung. Aber gilt das auch für seine Jüngerinnen und Jünger – auch für seine oder unsere (Orts-)Gemeinde?

Transparent und ehrlich werden

„Schrumpfende Gemeinde? Wie christliche Gemeinde neu aufbrechen kann“. So haben wir die aktueller Ausgabe der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE genannt. Wir als Redaktion verbinden damit die Hoffnung, mal vom Alltag und Gemeindegeschehen beiseitezutreten. Und dabei alleine oder miteinander vor dem Herrn der Gemeinde transparent zu werden, wie es um seine Gruppe vor Ort bestellt ist:

  • Sind wir eine schrumpfende/wachsende Gemeinde?
  • Wie ist es um unsere geistliche Gesundheit bestellt?
  • Für welche Gute Nachricht stehen wir öffentlich?
  • Welchen Auftrag und Ruf nehmen wir vor Ort wahr?
  • Was wäre, wenn es uns in X Jahren noch gibt?
  • Was wäre, wenn wir nächstes Jahr schließen?
  • Sind wir auf beides vorbereitet?
  • Was müssten wir heute ändern oder sterben lassen, damit wir morgen im Sinne Jesu Christi „Frucht bringen“?
  • Wer kann uns dabei unterstützen und helfen?

Hilfe holen und Beratung annehmen

Dankbar bin ich Debora Süslack, Markus Schmidt, An­dreas Petker sowie Thomas Petri und Kai Maaß aus der FeG Siegen-Geisweid, die sich mutig und transparent dem nicht so einfachen Thema „Schrumpfende Gemeinde“ stellen.

Dankbar bin ich den/der regionalen FeG-Bundessekretären/-in vom Institut Gemeindeentwicklung und Leiterschaft (IGL | igl.feg.de), die wachsenden und schrumpfenden Gemeinden und Hauptamtlichen mit Rat und Tat, Prozessen und Perspektiven zur Seite stehen. Damit aus der „letzten Patrone“ kein „russisches Roulette“ wird, sondern das Evangelium von Jesus Christus präsent wird und bleibt.

Ich wünsche Euch und Ihnen eine ermutigende Lektüre von CHRISTSEIN HEUTE mit viel Vertrauen darauf, dass Jesus Christus der Herr der Gemeinde ist und bleibt – vor Ort und darüber hinaus. Liebe Grüße aus Witten!

Artur Wiebe | Redaktionsleiter
CHRISTSEIN HEUTE | christsein-heute.de

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  • Diese Einführung ins Thema ist zuerst erschienen in der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE „Schrumpfende Gemeinde“ 07/2025 | christsein-heute.de >>
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Nathanael Ullmann schaut in die Kamera.Foto: FeG Deutschland | AW

Nathanael Ullmann | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit

Ein Mann mit rotem Haar, Bart und Brille mit blauem Rahmen lächelt in ein weißes Hemd mit blauen Punkten und einen blauen Blazer.Foto: FeG Deutschland | NU

Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher