KI-Chancen nutzen
Befreiter das leben, was KI (noch) nicht kann
Warum sollte der Teufel die ganze gute Musik haben?“ Diese William Booth (1829–1912) zugeschriebene Frage diente dem Gründer der Heilsarmee in den 1880er-Jahren als Rechtfertigung, populäre Melodien zu nehmen und mit christlichen Texten zu versehen. Damit wollte er jungen Menschen das Evangelium von Jesus Christus schmackhaft und zugänglich machen. Nicht wenige Diskussionen wurden im christlichen Kontext geführt, ob Musik an sich neutral und ein Werkzeug sei. Oder für geistliche Inhalte eine bestimmte Form oder ein besonderer Klang richtig oder angemessener wäre.
Mit jeder technischen Innovation, Errungenschaft oder neuen Thesen und Gedanken stellt sich diese Frage neu – in leicht abgewandelter Form, ob das erfundene Werkzeug des Menschen an sich neutral oder doch ideologisch gefärbt ist. Heute kann man also erneut rhetorisch fragen: „Warum sollte der Teufel die gute Künstliche Intelligenz (KI) für sich haben?“
Neutrales Werkzeug oder ideologisch gefärbt?
Bei Neuerungen springt bei mir wegen meiner christlichen Sozialisation automatisch ein Endzeit-Szenario an, das jedes neu aufkommende Thema durch die „Verweltlichungs-“ und „Antichrist-Prüfung“ schickt. Dieses Mindset schafft ein voreingenommenes Unbehagen und hemmt die Faszination, Entdeckerfreude – und auch Chancen für das Reich Gottes. Oder es begründet eine fromme Bequemlichkeit, die sich nicht befreit, kreativ und spielerisch mit dem Thema oder den neuen Werkzeugen auseinandersetzen will.
Wir sind als Christinnen und Christen aufgerufen, Dinge zu prüfen. Deshalb möchte ich mit dem Apostel Paulus die Haltung sehr wertschätzen, Themen und Werkzeuge durch die biblische Prüfung zu schicken und sie geistlich einzuordnen (vgl. 1. Korinther 2,15; Epheser 5,10; 1. Thessalonicher 5,21). Doch nicht aus einer Angsthaltung heraus, die ebenfalls ideologisch vorgeprägt ist. Dafür braucht es Gehirnschmalz, Mut und Zeit, um keinen Mythen oder Gedankengebäuden aufzusitzen, sondern alles mit dem Heiligen Geist am Wort Gottes zu prüfen.
Künstliche Intelligenz (KI) verstehen
Erfrischend und hilfreich empfinde ich die Expertise von engagierten Christen und Wissenschaftlern, die sich mit der Thematik auskennen und meinen Vertrauensvorschuss genießen, z. B. Dr. Thilo Stadelmann, Professor für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen an der ZHAW School of Engineering in Winterthur, Schweiz.
Im Juni 2025 hat er auf dem „Kongress christlicher Führungskräfte“ (KCF) KI in einem inspirierenden Vortrag als „Simulation des Ergebnisses von Intelligenz, statt das Erschaffen von Intelligenz“ bezeichnet. Er ordnet KI schlicht dem „maschinellen Lernen“ zu, das anhand von Wahrscheinlichkeiten ein Wort an das andere reiht.
Ängste abbauen und Chancen erkennen
Allen (Endzeit-)Spekulationen setzt Stadelmann entgegen: „Es ist ein Werkzeug und bei aller Faszination, die es bietet, ist es nichts auf Augenhöhe.“ Er ermutigt Unternehmen und Organisationen, dieses Werkzeug angstfrei auszuprobieren und sich von weltanschaulichen Szenarien wie z. B. „Transhumanismus“ freizumachen. Wir sind als Menschen von Gott einzigartig geschaffen und somit keine Mängelwesen, die ein technisches Update bräuchten.
Auf dieser Grundlage macht Thilo Stadelmann Mut, KI als Werkzeug verantwortungsvoll zu nutzen und neu Hoffnung in diese Welt zu bringen: „Wenn wir das richtige Bild haben von unserem eigenen Wert, unserer eigenen Würde, wenn wir wissen, dass wir krass geschaffen sind, wenn wir wissen, dass jemand einen hohen Preis für uns gezahlt hat […], dann sind wir nicht eingeschüchtert durch ein kompetentes KI-Tool, sondern sehen das als ein Werkzeug, was wir benutzen können. […] Dann können wir Narrative erzeugen, die hoffnungsvoll sind.“ | KCF-Vortrag auf YouTube nachschauen unter: link.feg.de/chkithilostadelmann
KI taufen und nutzen
Mit dieser Ausgabe der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE möchten wir Hauptamtliche, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gemeinde ermutigen, sich den technischen Neuerungen durch KI gegenüber nicht zu verschließen, sondern sie verantwortungsvoll zu nutzen, damit sich Evangelium und Hoffnung durch Jesus Christus weiter ausbreiten.
Diese technischen Werkzeuge können uns jetzt schon und in Zukunft dabei helfen, nicht in den vielen kleinen und großen Verwaltungstätigkeiten stecken zu bleiben, die eine Gemeinde oder Organisation am Laufen halten – und hinter denen wir uns auch gut vor unserem (Missions-)Auftrag verstecken können. Wie die Musikstile sollten wir die KI-Werkzeuge „taufen“ und sie bewusst zum Segen und für das Evangelium von Jesus Christus nutzen und einsetzen.
Leben, was KI nicht kann
„Warum sollte der Teufel die gute Künstliche Intelligenz (KI) für sich haben?“ Ich möchte Ihnen Mut machen, auch in der Gemeinde KI-Unterstützung in Betracht zu ziehen, wo sie hilfreich und sinnvoll ist. Nicht, um es sich möglichst einfach und bequem zu machen, sondern zielgerichtet. Damit wir mutiger und befreiter unsere menschlichen und göttlichen Gaben und Fähigkeiten sowie Begrenzungen einsetzen können.
KI und technische Hilfsmittel können uns dabei helfen, bewusster den Auftrag Jesu leben, also intensiver und persönlicher für suchende und bedürftige Menschen ein erfahrbares „Evangelium auf zwei Beinen“ zu sein (vgl. Römer 2,16, 1. Thessalonicher 1,5; 2. Thessalonicher 2,14). Also das tun, wozu wir beauftragt sind – das leben und tun, was KI (noch) nicht kann.
Ich wünsche Ihnen eine anregende und aufregende Lektüre der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE. Liebe Grüße und Segen aus Witten!
Artur Wiebe | Redaktionsleiter
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