„Wir wollen das Gebet wieder zurück in die Gemeinde holen. Der gemeinschaftliche Dialog mit dem himmlischen Vater soll für uns zu etwas werden, wozu wir gerne aufbrechen, um das Wertvollste, was wir haben, in Gottes Gegenwart zu verschenken: Zeit, Raum und Aufmerksamkeit.“
Gebet unterbricht
Den Dialog mit dem himmlischen Vater fördern
Vater unser im Himmel“ – „Ja?“ – „Unterbrich mich nicht! Ich bete!“ Manche kennen dieses Theater-Stück nach einer Idee von Clyde Lee Herring. Jemand spult sichtlich gelangweilt das „Vater unser“ ab. Plötzlich und unerwartet antwortet Gott auf die persönliche Anrede. Daraufhin entwickelt sich in dem Stück ein ehrliches Gespräch zwischen Gott und Mensch, während die betende Person das allseits bekannte Gebet Stück für Stück fortsetzt (Ganzer Text dieser Idee unter: link.feg.de/chvaterunser).
In meiner Jugendzeit hat mich dieses Theaterstück-Gebet überrascht. Erfrischend fand ich, dass dieses Gebet, welches Jesus seine Jünger gelehrt hat, zu mehr wird als das Abspulen eines auswendig gelernten Textes: Es unterbricht. Gleichzeitig wertet es das „Unser Vater“ auf: Es ist das zentrale Gebet Jesu für seine Nachfolgerinnen und Nachfolger. Der Sohn Gottes hat es geschenkt und uns aufgetragen, es zu beten – persönlich und in Gemeinschaft. Anscheinend reicht Jesus Christus diese schlichte Gebetsvorlage. Darin kommen der ganze Wille Gottes und unser ganzes Leben ausreichend zur Sprache (vgl. Matthäus 6,5–14).
Anspruch und Wirklichkeit
Christinnen und Christen wissen, dass Gebet wichtig ist. Wir kennen die einschlägigen Bibelstellen, die uns ermuntern und auffordern, zu beten, z. B. „Betet ohne Unterlass“ (1. Thessalonicherbrief 5,17 | LUT) oder „Bittet, so wird euch gegeben“ (Matthäus 7,7 | LUT). Theoretisch hat keiner von uns etwas gegen das Gebet. Dennoch holt die Einladung zu einer gemeindlichen Gebetsveranstaltung nur wenige hinter ihrem Arbeits-, Familien- oder Hobbyofen hervor. Das schlichte gemeinsame Gebet ist im Alltag dann doch zu viel Unterbrechung. Wenn, dann muss es schon mehr sein – und man sollte dabei schon etwas geboten bekommen: Lobpreis, Musik, Eventcharakter, Starpredigerinnen und -prediger.
Schaut man in die Gemeinden hinein, ist die Gebetsmöglichkeit und Gebetsbeteiligung in den Gottesdiensten eher zurückgegangen als gewachsen. Die Gebetsstunden unter der Woche sind leer oder gar nicht mehr existent. Fast scheint es so, als sei „das Gebet“ nur noch eine Sache von geistlichen Spezialisten geworden, das zunehmend in extra „Gebetshäusern“ outgesourct und delegiert wird. Das sind wertvolle Gebetsorte mit ihrem speziellen Auftrag – sie neigen aber auch dazu, ihr eigenes Ding abseits von Kirchen und Gemeinden zu drehen.
Gebetsunterbrechungen zulassen
Hellhörig wurde ich vor einigen Wochen, als meine FeG-Kollegin Claudia Rohlfing (FeG Kinder) mir beim Betriebsausflug erzählte, dass sie in ihrer Gemeinde – der FeG Dortmund – einen ganzen Gebetsmonat veranstaltet haben. Und dies kurz nach der Berufung und Einstellung des neuen Pastors Dr. Simon Haug. Das klang ungewöhnlich und interessant!
Wo man in den ersten 100 Tagen eines Dienstes oder in einer Position landläufig eine Schonfrist setzt oder aber danach direkt aussagekräftige Ergebnisse erwartet, standen hier erst mal Nichtstun und Beten im Vordergrund!? Eine Unterbrechung im Gemeindealltag, die ich als bemerkenswert mutig empfinde.
Deswegen haben wir als Redaktion der FeG-Zeitschrift genauer nachgefragt, wie die Dortmunder darauf gekommen sind. Und wie sie als Leitungsteam ihren Gebetsmonat im Frühsommer praktisch gestaltet haben. Meines Erachtens steckt in ihrem Beispiel ein wertvoller Schatz drin, von dem wir als FeG-Gemeinden lernen können, uns neu von dem Gespräch mit Gott unterbrechen zu lassen.
FeG als Gebetsbewegung
Was wäre, wenn Gebet zum himmlischen Vater tatsächlich nicht nur einseitiges Reden ist, sondern Dialog? Was wäre, wenn Gebet nicht nur ein trockenes Wiederholen von vorher gesammelten Gebetsanliegen wäre? Was, wenn Gebet Gespräch mit Gott und auch miteinander ist. Und das Gespräch zu einem Raum wird, in dem Gott und Menschen präsent sind, einander zum Geschenk werden – und miteinander kommunizieren. Wenn Gebet nicht nur ein Zusatz, sondern Gemeinschaft und Beziehungspflege ist? Wenn in der Gegenwart Gottes alles, was wir tun und lassen, zum Gebet wird?
Ich wünsche und bete, dass das Gespräch mit dem himmlischen Vater bei mir persönlich und uns als FeG-Gemeinden, mehr Leidenschaft und größere Sehnsucht weckt, wofür wir uns gerne unterbrechen lassen. Denn die „Gebete der Heiligen“ (Offenbarung 8,4) sind für Gott ein erwähnenswerter Geruch vor seinem Thron.
Wie einen Grundton lassen wir als Bund FeG das Gespräch mit Gott immer erklingen, damit wir eine Gebetsbewegung sind und werden. Dazu gibt es zahlreiche Impulse und Angebote in CHRISTSEIN HEUTE und auf der FeG-Webseite (FeG-Gebet: gebet.feg.de). Wir wollen das Gebet wieder zurück in die Gemeinde holen. Der gemeinschaftliche Dialog mit dem himmlischen Vater soll für uns zu etwas werden, wozu wir gerne aufbrechen, um das Wertvollste, was wir haben, in Gottes Gegenwart zu verschenken: Zeit, Raum und Aufmerksamkeit.
Ich wünsche Ihnen und Euch Gottes Segen bei dieser Lektüre von CHRISTSEIN HEUTE. Liebe Grüße und Segen aus Witten!
Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher | presse.feg.de
Redaktionsleiter CHRISTSEIN HEUTE | christsein-heute.de
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