Oktober 2, 2025 | Aktuell Allgemein CHRISTSEIN HEUTE Deutsche Einheit Presse

Danke für 35 Jahre Deutsche Einheit

2. Oktober 2025

35 Jahre Deutsche Einheit

Günter Szabries teilt seine Erlebnisse rund um den Fall der Mauer und die Deutsche Wiedervereinigung

Mit dem 3. Oktober 1990 wurde die DDR aufgelöst, ein Unrechtstaat mit Mangelwirtschaft. Die Teilung Deutschlands war beendet. Bereits am 1. Juli 1990 wurde die D-Mark-West in der noch bestehende DDR als Zahlungsmittel eingeführt. Damit brach nicht das Himmelreich an und es kam auch nicht das Paradies auf Erden, das haben wir DDR-Christen auch nicht erwartet.

Trotzdem, bei der Einführung der D-Mark und der nachfolgenden Wiedervereinigung brach nicht immer Jubel aus. Davon kann jeder Ostdeutsche berichten, ob persönlich oder aus seinem Umfeld. Angefangen bei den Betriebsschließungen, der Arbeitslosigkeit, den Ost-Löhnen bzw. Ost-Renten, um nur einige Beispiele zu nennen. Wie wir in den zurückliegenden Jahren sehen, wird die Schere zwischen den Bedürftigen und Superreichen in Deutschland immer größer, und das müssen wir als Christen kritisch sehen, denn wer von uns kannte vor 35 Jahren die Wörter „Tafel“, „Kältebus“ oder Mietpreisbremse?

Was bleibt und was ist neu?

Bei der Wiedervereinigung wurden bewiesenermaßen Fehler gemacht und Hoffnungen enttäuscht, aber es war die erste friedliche Revolution auf deutschem Boden. Ja, es gab auch verpasste Chancen nach der Maueröffnung, aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Kirchen und Gemeinden in der DDR wurden oft tot gesagt, doch sie haben überlebt! In den neuen Bundesländern sind seit 1990 neue Gemeinden entstanden, obwohl die großen Kirchen an Mitgliedern verlieren. Und, nicht zu vergessen, es gibt mehr als 200 evangelische Schulen.

Die Öffnung der Grenze 1989 hat der Kirchenmann aus dem „Westen“, der ehemalige Bischof Kurt Scharf, noch erlebt. Kurz vor seinem Tod im März 1990 sagte er in einem Interview des Deutschlandfunks, er wünsche sich, dass das Tempo zur deutschen Einheit ein „verständig-gemäßigtes“ sein werde und auch, „dass soziale Errungenschaften, die es in der DDR ohne Zweifel gegeben hat und die in der DDR bewahrt worden sind, nun auch von der Bundesrepublik übernommen werden.“ Übernommen wurden das „Sandmännchen“ und der „Grüne Pfeil“ an Verkehrsampeln!

Prüft alles und behaltet das Gute

So lautet die Jahreslosung von 2025 aus dem 1. Thessalonicher-Brief 5,21 und ich weiß, dass dieser Bibelvers aus dem Zusammenhang gerissen ist. Trotzdem möchte ich ihn für mich und für mein Leben in der DDR und danach wie folgt interpretieren: Wie wir wissen, ist nicht alles gut und nicht alles schlecht in unserem Leben auf dieser Erde. Ich habe viel Gutes erlebt und das möchte ich im Gedächtnis behalten, sowohl aus der DDR-Zeit als auch danach. Rückblickend habe ich darüber nachgedacht und ich bin dankbar, denn ich bin als gesunder Mensch auf diese Welt gekommen, habe weder Krieg noch Vertreibung erlebt und ich habe nie gehungert. Die Generation vor mir hat das alles mehr oder weniger erlebt.

In der DDR gab es nicht die Freiheit wie heute, doch es war nicht alles schlecht. Es geht mir nicht darum, Dinge aus der DDR in ein helles Licht zu stellen, denn ich hatte mit meiner Familie eine Nische, die Kirchengemeinde. Wir sollen prüfen, kritisch hinterfragen, nicht sofort verurteilen und nicht gleichgültig werden, und deshalb – in der heutigen Zeit – nicht die Wahlen boykottieren. Die DDR war eine Diktatur mit gleichgeschalteter Presse. Der Rundfunk, das Fernsehen und die öffentlichen Stellen waren mit dementsprechenden Personen besetzt, ganz im Sinne des „Führungsanspruches der SED“.

Die DDR war nicht nur eine Diktatur, sie war auch ein Sozialstaat, der für Arbeit sorgte. Das Einkommen war gering, aber auch die Kosten für Grundnahrungsmittel, Miete, Bus und Bahn, einschließlich Postgebühren. Keiner hatte Existenzangst. Wir Bürger der DDR hatten über weite Bereiche nach unseren Möglichkeiten und Lebensbedingungen gelebt, die uns vorgegeben wurden. Weisungen und Befehle der Siegermacht Sowjetunion und Zwänge des „Kalten Krieges“ zwischen Ost und West führten so zum Beispiel zum Bau der Berliner Mauer und der Teilung unseres Vaterlandes.

Beide Seiten der Medaille betrachten

Zu häufig wird das Leben in der DDR auf Mangelwirtschaft, Stasi und Unterdrückung reduziert, aber es gab mehr. Nein, es war nicht alles gut, aber zu den größten Errungenschaften der DDR gehören die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Kinderbetreuung und die Polikliniken, auch wenn sie mit Fehlern behaftet waren. Und heute? Es lohnt sich, darüber nachzudenken.

Wir, die DDR-Bürger, sollten 40 Jahre überspringen, um sofort Bundesbürger zu werden, sollten unsere Vergangenheit vergessen. Das wollte und konnte ich nicht. Wir haben auch gearbeitet, gefeiert und unseren Freiraum gehabt, nur unter anderen Umständen, die uns aufgezwungen wurden. Unsere bisherige Lebenszeit war für mich, meine Frau und unsere Familie etwas Besonderes, denn wir haben hautnah die Teilung und Wiedervereinigung von Berlin und Deutschland miterlebt. Mit allen Konsequenzen, die wir und mit uns noch viele andere heute noch erleben. Dabei geht es nicht um die Abschaffung des Kapitalismus, aber könnte es nicht ein wenig gerechter in der Welt und in Deutschland zugehen? Schon der frühere britische Premierminister Winston Churchill meinte: „Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: die ungleiche Verteilung der Güter.“ Und: „Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: die gleichmäßige Verteilung des Elends.“ Dieses „Elend“ haben wir nun auch, denn die Schere zwischen Arm und Reich – gemeint sind hier die Superreichen – wird offensichtlich immer größer.

Stand 2025 leben in Deutschland 13 Millionen Menschen an der Armutsgrenze! Nach Angaben der Unternehmensberatung „Boston Consulting Group“ stieg die Zahl der Superreichen in Deutschland im Jahr 2024 um 500 auf rund 3.900 Personen. Sie besitzen jeweils umgerechnet mindestens 100 Millionen Dollar. Im Schnitt wuchs ihr Besitz um 16 Prozent! Dagegen spricht die Abschaffung der Vermögenssteuer in Deutschland im Jahr 1997! Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte dazu: „Von dem Moment an, da wir die Idee akzeptierten, dass der Markt immer recht hat, ist die Globalisierung aus dem Ruder gelaufen“. Meine Ergänzung dazu lautet: Der Markt kennt keine Moral und auch keine Werte­vorstellung; es geht nur um maximalen Profit im Turbo-Kapitalismus und hier muss die Politik im Interesse ihrer Bürger gegensteuern.

Vergangenheit und unser Umgang damit

Es wird gestritten über die richtige „Vergangenheitsbewältigung und Erinnerungskultur“. Aber wie sieht unsere Erinnerung aus? Dürfen und können wir nicht dankbar sein? Ich bin über die Wiedervereinigung Deutschlands sehr glücklich und dankbar, denn für mich war sie Gottes Führung. Wenn ich heute auf meine Kinder und Enkelkinder schaue, so sehe ich ihre persönliche Freiheit, die wir so als ehemalige DDR-Bürger nicht hatten, und die gilt es zu nutzen. Eine zentrale Lebensweisheit dazu lautet: „Was auch immer du tust, handle klug und bedenke das Ende.“

Der 3. Oktober ist in diesem Jahr ein Freitag und wie immer ein Feiertag. Wie gehen wir als Christen mit 40 Jahren Teilung und 35 Jahren Einheit unseres Vaterlandes um, mit diesem Gottesgeschenk nach der ersten friedlichen Revolution in Deutschland? Finden an diesem Tag Gottesdienste in den Gemeinden und Kirchen statt? Nein, aber am Sonntag, dem 5. Oktober. Dann können wir uns gemeinsam erinnern, was Gott uns geschenkt hat und gemeinsam (im Herzen) singen: Großer Gott, wir loben dich!

Das Bild zeigt einen älteren Mann mit grauem Haar und Bart, der eine Brille trägt und in einem Anzug mit Krawatte sitzt.Foto: privat

GÜNTER SZABRIES | Mitglied der FeG Berlin-Tempelhof | berlin-tempelhof.feg.de

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Nathanael Ullmann schaut in die Kamera.Foto: FeG Deutschland | AW

Nathanael Ullmann | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit

Ein Mann mit rotem Haar, Bart und Brille mit blauem Rahmen lächelt in ein weißes Hemd mit blauen Punkten und einen blauen Blazer.Foto: FeG Deutschland | NU

Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher