Mai 24, 2026 | Aktuell Allgemein BUJU CHRISTSEIN HEUTE FeG Junge Generation FeG Seelsorge Newsletter Presse VEF

Café Seelsorge: „Wertschätzend und auf Augenhöhe“

Ein sicherer Raum für Jugendliche

Beim BUJU feiern über 3350 Menschen den Glauben. Doch auch Schwieriges und Bedenkenswertes haben ihren Platz. Das Café Seelsorge bietet den Jugendlichen einen geschützten Raum, in dem sie sie selbst sein dürfen mit allen Fragen, Herausforderungen und Gedanken. Paula Bischoff, Pastorin der FeG Osnabrück, verrät im Interview, mit welchen Themen die Jugendlichen kommen und welche positive Entwicklung es gibt.

Die Fragen stelle Johannes Schwarz

Paula, du bist zum zweiten Mal beim Café Seelsorge beim BUJU dabei. Was treibt dich an?

Ich bin motiviert dabei, weil ich eine riesige Chance sehe, die Jugendlichen ganz bewusst zu begleiten. Sie sind einmal raus aus ihrem Alltag: aus Schule, Stress und diesem typischen Hamsterrad. Dadurch entsteht ein anderer Raum: Menschen werden offener, ehrlicher und trauen sich eher über persönliche Dinge zu sprechen.

Ich empfinde großes Vertrauen, das uns als Seelsorgerinnen und Seelsorgern entgegengebracht wird. Besonders begeistert mich die Altersspanne hier beim BUJU: Von der 12-Jährigen bis zum Mitarbeiter in der Rente sind alle an Bord. Hier begegnen einem ganz viele Jugendliche in einer Lebensphase, die voller Fragen steckt: Identität, Selbstfindung, Veränderungen, Umbrüche. Das Jugendalter ist oft eine intensive Zeit, und ich finde es wertvoll, junge Menschen darin begleiten zu dürfen.

Wie wird die Seelsorge angenommen?

Am ersten Tag brauchen viele erst einmal Zeit zum Ankommen. Manche laufen zwei- oder dreimal an unserem Bereich vorbei, bevor sie sich wirklich trauen, hereinzukommen. Trotzdem hatten wir auch schon direkt am ersten Tag einen guten Zulauf – vor allem nach den Zentralveranstaltungen. Wenn dort persönliche Themen angesprochen werden, merkt man, dass das etwas in den Jugendlichen bewegt. Danach kommen viele zu uns, weil sie merken, dass sie über bestimmte Dinge reden möchten.

Ich habe insgesamt den Eindruck, dass das Angebot gut angenommen wird. Sobald die Jugendlichen merken, dass das hier ein sicherer Raum ist, fällt die Hemmschwelle oft deutlich kleiner aus.

Von BUJU-Themen bis Beziehungsstress

Mit welchen Themen kommen die Jugendlichen zu euch?

Eigentlich mit allem – von A bis Z. Manche Gespräche drehen sich um eher reine BUJU-Themen, zum Beispiel: „Ich weiß gerade noch nicht so richtig, wie ich hier ankommen soll“ oder „Ich hatte andere Erwartungen an das Event.“

Andere Gespräche gehen deutlich tiefer. Da geht es um Konflikte in Beziehungen oder Freundschaften, Probleme mit den Eltern oder Dinge, die jemanden schon seit Monaten beschäftigen und über die bisher noch nie gesprochen wurde. Auch Glaubensthemen werden vielfach bei uns besprochen. Etwa: „Wie gehe ich den nächsten Schritt im Glauben?“ oder „Wie kann ich Gottes Stimme besser hören?“

Man merkt oft, dass es vielen guttut, mit einer Person zu reden, die nicht direkt zum eigenen Alltag gehört. Dieses anonyme, geschützte Gespräch öffnet häufig Türen.

Aber nicht nur Jugendliche kommen zu uns. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen das Gespräch. Gerade hier, mit etwas Abstand vom Alltag, merken manche erst, wie erschöpft oder gestresst sie eigentlich sind. Themen wie Überforderung, Dauerstress oder das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, kommen oft zur Sprache.

Bei Jugendlichen spielen außerdem viele Identitätsfragen eine Rolle: Wer bin ich eigentlich? Bin ich liebenswert? Was macht mich aus? Das sind große Fragen, die viele mit sich herumtragen. Das sie damit zu uns kommen, ist ein Privileg.

Seelsorge ist selbstverständlicher

Wie offen gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer grundsätzlich mit Seelsorge und schwierigen Themen um?

Wir beobachten eine positive Entwicklung, die beide Geschlechter betrifft: Seelsorge ist heute viel selbstverständlicher geworden als noch vor einigen Jahren. Die Hemmschwelle, sich Hilfe oder ein Gespräch zu suchen, scheint kleiner geworden zu sein. Viele Jugendliche kennen Themen wie Therapie, mentale Gesundheit oder psychische Belastungen inzwischen aus ihrem Alltag oder aus den sozialen Medien. Dadurch ist es normaler geworden, offen über persönliche Probleme zu sprechen.

Auch Influencerinnen und Influencer gehen damit immer öfter transparent um. Dadurch entsteht vielleicht insgesamt das Gefühl: „Ich bin damit nicht allein.“ Und wenn Themen sichtbarer werden, sinkt oft auch die Angst, sich jemandem anzuvertrauen.

Welche Rolle spielt der Glaube in den Gesprächen?

Der Glaube ist auf jeden Fall sehr relevant für die jungen Menschen, kann aber auch variieren – je nachdem, was die Jugendlichen selbst möchten.

Wir sind auch bei den Zentralveranstaltungen präsent und bieten dort bewusst Gebet oder Segen an, gerade wenn persönliche Themen angesprochen werden oder Menschen eine Entscheidung im Glauben festmachen möchten. In den eigentlichen Gesprächen geht es aber oft erst einmal darum, zuzuhören. Trotzdem kommen Glaubensfragen immer wieder vor. Manche sagen zum Beispiel, dass sie sich wünschen, Jesus im Alltag stärker zu erleben. Andere sprechen über Schuld, Fehler oder Vergebung.

Dann reden wir gemeinsam darüber und bieten – wenn die Person das möchte – auch Gebet an. Häufig beten wir am Ende eines Gesprächs noch einmal gemeinsam für die Dinge, über die gesprochen wurde.

Ich würde sagen: Der Glaube läuft in der Seelsorge immer mit. Gleichzeitig versuchen wir niemandem etwas aufzudrängen, sondern einen offenen Raum zu schaffen, in dem alles Platz haben darf.

Begegnung auf Augenhöhe

Was wünschst du dir für die Jugendlichen hier beim BUJU?

Ich wünsche mir vor allem, dass sie den Mut haben, diese Hemmschwelle zu überwinden und einfach mal auf uns zuzukommen. Wir haben ein total vielfältiges Team mit ganz unterschiedlichen Menschen und Hintergründen. Ich wünsche mir, dass Jugendliche erleben: Da hört mir wirklich jemand zu. Da begegnet mir jemand wertschätzend und auf Augenhöhe.

Viele tragen Dinge mit sich herum, die sie im Alltag vielleicht nie aussprechen können. Hier soll ein Raum sein, in dem genau das möglich ist – ohne Angst, ohne Druck.

Ganz besonders wünsche ich mir, dass sie diesen Ort als sicheren Schutzraum wahrnehmen. Einen Ort, an dem sie ehrlich sein dürfen, begleitet werden und erleben, dass Gott ihnen genau in diesen Gesprächen begegnet.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Bundesjugendtreffen (kurz „BUJU“) des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland KdöR (FeG) findet vom 23. bis 25. Mai 2026 mit über 3.350 Menschen in der Messe Erfurt statt. Unter dem Titel „LOVE COLLIDES“ (engl. „Liebe kollidiert“) warten auf die jungen Teilnehmenden dort noch bis Pfingstmontag Impulse, Freudenmomente und Gottesbegegnung.

Das Bild zeigt eine Schwarz-Weiß-Collage von Gesichtern mit dem Text "LOVE COLLIDES" und verschiedenen Logos und Schriftzügen.

Fakten BUJU

Das BUJU existiert seit 1965 und wird seitdem in der Regel alle zwei bis drei Jahre veranstaltet. Seit 2010 findet das Großevent in Erfurt statt, mit Ausnahme einer Tour im Jahr 2021. 2023 nahmen am BUJU etwa 3.200 Menschen teil. Veranstalter des BUJUs ist der Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland KdöR (FeG).

Fakten Bund FeG

Der Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland KdöR (FeG) wurde 1874 gegründet und besteht aus ca. 500 selbstständigen Ortsgemeinden mit insgesamt 40 904 Mitgliedern. Er ist mit der Evangelischen Allianz in Deutschland verbunden und Mitglied der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Sitz der Bundesgeschäftsstelle ist Witten. Präses ist seit 2024 Henrik Otto.

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Nathanael Ullmann schaut in die Kamera.Foto: FeG Deutschland | AW

Nathanael Ullmann | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit

Ein Mann mit rotem Haar, Bart und Brille mit blauem Rahmen lächelt in ein weißes Hemd mit blauen Punkten und einen blauen Blazer.Foto: FeG Deutschland | NU

Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher