Sie sind „Allzeit bereit“
Entspannung dank vieler Schultern
Es ist ruhig im Bundeslager der FeG Pfadfinder in Rüthen. Erstaunlich ruhig dafür, dass hier 450 Menschen beisammen sind. Nur manchmal, da gellt ein Schrei.
Vormittags strahlt die Sonne auf den DPSG Zeltplatz Rüthen. Ein paar Gruppenleiterinnen und -leiter trinken in der Heimat-Oase, ihrem Rückzugsort, Kaffee. Draußen sitzt ein halbes Dutzend Teenager ums Lagerfeuer und genießt den Sommer. Es riecht nach verbranntem Holz. Erholung liegt in der Luft. Hektik, Stress und Überforderung – davon ist keine Spur. Nur eine Frage steht da im Raum: Wie funktioniert das? Wie können über 450 Menschen ein Lager veranstalten, welches diese Gelassenheit ausstrahlt? Die Antwort geben wenig später Bundesführerin Miriam „Mima“ Bodem und Lagerleiter Alex Bodem: Ganz einfach, indem man die Arbeit auf viele Schultern verteilt. Und dafür ist das Bundeslager der FeG Pfadfinder vom 2. bis 10. August ein Paradebeispiel.
Gottesdienst mit allen
Das beginnt schon beim gemeinsamen Gottesdienst um zehn Uhr. Alle versammeln sich in der zentral gelegenen Arena, um gemeinsam Gott zu loben. Die Stufen sind bis auf den letzten Platz gefüllt. „Seid ihr bereit?“, fragt die Moderatorin. „Allzeit bereit“, tönt es von den Rängen. Es folgt ein volles Programm: Lobpreis, Anspiel, Andacht, ein Voting selbstgebastelter Wimpel der einzelnen Gruppen. Ein Teen trommelt am Cajón. Eine Leiterin hält die Andacht. Und irgendwo im Hintergrund bedient ein junger Mann am Tablet die Regler für den Ton. Alle leisten ihren Teil, damit die Zeit mit Gott gelingt.
Im hinteren Teil der Arena steht während des gesamten Gottesdiensts eine junge Pfadfinderin und spricht in ein Mikro. Sie übersetzt simultan für die Gäste aus Finnland. Eine kleine Delegation ist für das Bundeslager angereist. Denn die Pfadfinder in Finnland und Deutschland verbindet eine gemeinsame Freundschaft. Eigentlich wären noch mehr Menschen mitgekommen, aber die Ferien im Norden lagen unpassend. Vom Camp zeigen sich die Finnen begeistert. Gerade die typischen schwarzen Zelte der deutschen Pfadfinder hätten es ihr angetan, erzählt Nana. „Nur die Sauna fehlt.“ Gastfreundschaft wird hier großgeschrieben: Auch aus Rumänien sind zwei junge Frauen mit dabei.
Hierarchien helfen
Nach dem Gottesdienst gehen die Kids in Kleingruppen. Zeit genug, damit Mima einmal über das Lager führen kann. Dabei zeigt sich, wie durchdacht das Bundeslager ist. Zehn Dörfer sind über den gesamten Zeltplatz verteilt. In jedem Dorf sind drei bis vier Stämme aus ganz Deutschland versammelt – insgesamt bis zu 50 Menschen. Alle Dörfer sind einzeln organisiert, haben beispielsweise eine Dorfleitung, eine oder einen Dorfvogt und eine Küchenleitung. Das gewährleistet, dass keine Pfadfinderin und kein Pfadfinder in der Masse untergeht.
Das klar hierarchische System sorgt aber auch dafür, dass im Ausnahmefall schnell Hilfe da ist. Beispielsweise als der junge Nathanael sich in den Finger schneidet. Der Dorfsanitäter entscheidet: Hier braucht es mehr als seine Kenntnisse – und binnen Minuten ist die Wunde vom übergreifenden Lager-Sanitätsdienst versorgt. Dank dieser klaren Abläufe hat die Lagerleitung Zeit für andere Dinge – oder kann auch mal durchatmen.
Alle haben Aufgaben
Es ist Zeit fürs Mittagessen. Lange Schlangen, Gerangel ums letzte Brötchen? Fehlanzeige. Das Essen wird an die Dörfer ausgegeben, die es wiederum verarbeiten. Auch hier folgt alles festen Regeln. Und: Alle haben ihre Aufgaben. Ein paar Pfadis müssen morgens die Toiletten putzen, andere schnippeln Gemüse und wieder andere spülen Teller. „Ab 17 Jahren hat hier jeder zusätzliche Aufgaben“, erklärt Mima. Dann müssen die Jungs und Mädels beispielsweise im Küchenlager aushelfen, Spiele vorbereiten oder den Lager-Kindergarten für die Kinder der Leitungen betreuen.
Die allgemeine Ruhe des Camps zieht sich durchs Mittagessen. Gemütlich sitzen alle an Bierbänken und lassen sich Spätzle vom Vortag und Brötchen schmecken. Nur kurz gellt ein Schrei durchs Dorf – der Schlachtruf zum Essen. Der darf nicht leise sein.
Freundschaften fürs Leben
Einer für alle, alle für einen – das ist im Bundeslager kein inhaltsloser Spruch. Das zeigt eine kleine Geschichte, die Fabian in der freien Zeit nach dem Mittagessen erzählt. Beim letzten Bundeslager vor drei Jahren hätten die 13- bis 15-Jährigen bei einem Hajk (einer langen Wanderung, klassischerweise sogar mit Übernachtung) mitlaufen wollen. Um ein junges Mädchen habe er sich besonders gekümmert, sagt Fabian – und habe ihr beispielsweise regelmäßig Wasser gegeben. „Ohne deine Hilfe hätte ich das nicht geschafft“, sagte sie nach dem Hajk. Und nun, drei Jahre später, gibt es einen Freundschaftsabend zwischen verschiedenen Dörfern. Plötzlich spricht ihn eine junge Frau an: „Du kennst mich!“ Tatsächlich ist es das Mädchen, dem Fabian vor drei Jahren geholfen hat. Die Erinnerung an die gemeinsame Leistung hat die Zeit überdauert. Das habe ihn sehr berührt, sagt der Pfadfinder. Es zeigt sich: Menschen kommen hier als Fremde zusammen, aber haben in Jesus Christus eine gemeinsame Basis.
Geordnetes Schlachtfeld
Plötzlich wird es laut. Sehr laut. Denn die Olympischen Spiele stehen an. Die Protagonisten: alte Schubkarren. Die einzelnen Dörfer haben die altgedienten Geräte prachtvoll verziert. Eine Schubkarre erstrahlt als Phönix, eine andere trägt bunte Blumen und auf einer ist sogar ein kleiner Feuerwerkskörper platziert. Trommeln und Schreie ertönen. Nun gleicht die grüne Wiese einem Schlachtfeld. Zwei Teams schubsen einen riesigen Ball mittels Schubkarren zwischen zwei Toren hin und her. Rüstige Männer transportieren so viele Pfadfinder wie möglich von a nach b. Und weit hinten rennen Teams mit ihren Karren über Rampen und durch den Wald.
Was Chaos gleicht, ist doch immer durchorganisiert. Bei jedem Spiel passen Verantwortliche auf, dass alles fair zugeht. Ein ganzes Team hat die Olympischen Spiele vorab geplant. Neben dem Wettbewerb gibt es außerdem noch jede Menge anderes Programm: ein Geländespiel, eine Nachtwanderung, einen Hajk, einen bunten Abend, …
Rund 50 Menschen waren allein in der Vorbereitung des Camps aktiv. Drei Jahre vor Start – also unmittelbar nach dem letzten Bundeslager – hat die Leitung mit der Platzsuche begonnen und seit zwei Jahren gibt es regelmäßige Treffen. Aufgaben wie Logistik, Input oder Design sind klar verteilt. „Die Kunst ist es, Verantwortung abzugeben“, sagt Mima. Das Konzept geht auf: Wo anderswo junge Menschen in Verantwortung fehlen, ist es auf dem Lager Alltag. Und dann – das zeigt sich klar – kann es auch mal ganz ruhig und entspannt werden.
Nathanael Ullmann | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | presse.feg.de
Fakten Bund FeG
Der Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland KdöR (FeG) wurde 1874 gegründet und besteht aus ca. 500 selbstständigen Ortsgemeinden mit insgesamt 40 904 Mitgliedern. Er ist mit der Evangelischen Allianz in Deutschland verbunden und Mitglied der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Sitz der Bundesgeschäftsstelle ist Witten. Präses ist seit 2024 Henrik Otto.
Weiterführende Links
- Webseite FeG Pfadfinder | pfadfinder.feg.de
- Webseite Bund FeG | feg.de
- Über den Bund FeG | fakten.feg.de
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